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11.06.2018

Ratings & Rankings

Fair Finance Guide – Banken kritisch im Blick

Gut 18 Monate nach der zweiten Überprüfung der sozialen und ökologischen Richtlinien deutscher Banken hat der Fair Finance Guide Deutschland seine dritte Untersuchung veröffentlicht. Das Ergebnis ist überraschend.

Fair Finance Guide

Analysiert und verglichen wurden die Richtlinien der Banken an Hand von 250 Einzelkriterien zu 13 sozial-ökologischen Themen auf einer Performance-Skala zwischen 0 Prozent und 100 Prozent. Im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen im März 2016 (acht) bzw. im November 2016 (zehn) wurde die Zahl der untersuchten Banken jetzt auf 13 erweitert.

Das zentrale Ergebnis:

Überraschend schlecht schneiden zwei der drei neu untersuchten Banken ab: Die Sparkasse KölnBonn mit der denkbar schlechtesten Performance (0 Prozent von 100 Prozent) sowie die Bayern LB auf dem vorletzten Platz (28 Prozent von 100 Prozent).

„Die Sparkasse KölnBonn lässt ihre KundInnen komplett darüber im Unklaren, ob die Verwendung der etwa 20 Millarden Euro Einlagen an nachhaltige Kriterien gebunden ist“, beklagt Antje Schneeweiß von Südwind.

Gegen die Kritik wehrt man sich bei der Kölner-Bonner Sparkasse: Hierzu verweist man darauf, dass die Sparkasse nicht aktiv an dem Ranking teilgenommen und selbst keine relevanten Kennzahlen zugeliefert habe. Das ist in der Tat ein Punkt, den Südwind im Ranking deutlicher hervorheben sollte. Gegenüber Umweltdialog erläuterte die Sparkasse, dass das Ergebnis nicht sein könne, da man schließlich alleine im Jahr 2017 insgesamt 1.745 Projekte, Initiativen und Vereine in Köln und Bonn mit insgesamt 13,0 Millionen Euro gefördert habe. Allerdings greift dieser Hinweis zu kurz, da weder nach GRI noch DNK - und das sind hier die rechtlich verbindlichen Berichtsstandards - solche Corporate Citizenship-Aktivitäten überhaupt als relevant zur Erfüllung der EU CSR-Berichtspflicht aufgelistet werden.   

Seit dem Jahr 2018 sind Banken ab einer gewissen Größenordnung erstmalig für das Geschäftsjahr 2017 verpflichtet, über nicht-finanzielle Belange zu berichten (CSR-Berichtspflicht). Zu diesen gehören fünf verpflichtende Themen: Umwelt-, ArbeitnehmerInnen- und Sozialbelange sowie die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

„Die untersuchten Banken kommen zwar ihrer Berichtspflicht zur unternehmerischen Sozialverantwortung nach, doch fördert dieses Verfahren nicht die Transparenz in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte des Kerngeschäftes der Banken“, beklagt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand der Nichtregierungsorganisation Facing Finance, die den Fair Finance Guide Deutschland koordiniert. Küchenmeister verweist darauf, dass z.B. die Unternehmen der DZ BANK-Gruppe Menschenrechtsaspekten bei den direkten Geschäftstätigkeiten nur eine untergeordnete Rolle zuschreiben.

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Kritischer und transparenter

Ein weiteres Ergebnis: Der Fair Finance Guide Deutschland unterscheidet sich im Vergleich zu Nachhaltigkeitsratingagenturen und ihren Bewertungen deutlich. „Im Vergleich zu Nachhaltigkeitsratingagenturen erweist sich der Fair Finance Guide als kritischer und verfolgt zudem eine komplett transparente Methodik, wohingegen die Nachhaltigkeitsratingagenturen jede Menge Informationen in eine Blackbox kippen, eine Zahl darunterschreiben und diese dann für viel Geld an ihre KundInnen - zu denen auch viele Banken gehören - verkaufen“, kritisiert Thomas Küchenmeister. Zu den positiven Ergebnissen trägt wesentlich der TOP-Neueinsteiger EthikBank bei, der aus dem Stand mit einer Performance von 94 Prozent von möglichen 100 Prozent auf Platz 2 landet.

„Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, ob ihre Bank soziale und ökologische Richtlinien berücksichtigt. Die Verbraucherzentrale Bremen kooperiert daher mit dem Fair Finance Guide und hat die EthikBank unter die Lupe genommen. Die Tochter der Volksbank Eisenberg ist zwar nur eine kleine Anbieterin, konnte sich aber mit ihrer Nachhaltigkeitsausrichtung auf Anhieb in der Spitzengruppe platzieren“, kommentiert Dr. Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

Chart Zahlen Tabelle Reporting Management

Die katholische Pax-Bank, die bei der ersten Untersuchung noch die schlechteste Bewertung erhielt, macht erneut einen großen Sprung (55 Prozent auf 66 Prozent) und landet auf Platz 5, deutlich vor der Commerzbank (39 Prozent), der leicht verbesserten Deutschen Bank (33 Prozent) und der stagnierenden DZ Bank (32 Prozent). „Die klare Verbesserung des Ratings der Pax Bank rührt wesentlich von der gewachsenen Dialogbereitschaft des Instituts, welche sich als entscheidende Grundlage für die Entwicklung der Investitions- und Anlageleitlinien der Pax Bank erwiesen hat“, sagt Mario Dziamski, Gründer der Verbraucherinitiative Rank a Brand e.V. Auch die evangelische KD-Bank zeigt sich deutlich verbessert.

Fokus auf Energiewende

„Unsere Transparenzinitiative scheint zu wirken, denn im Durchschnitt erhöht sich der qualitative Standard der ESG-Kriterien der untersuchten Banken langsam aber stetig“, resümiert Sarah Guhr, Projektleitern des Fair Finance Guide Deutschland. So hat sich der Durchschnittswert der acht seit Beginn bewerteten Banken trotz mittlerweile gestiegener Anforderungen von 42 Prozent auf 58 Prozent erhöht. Die konventionellen Banken verbesserten sich seit März 2016 insgesamt von 23 Prozent auf 28 Prozent.

„Der Fair Finance Guide konnte besonders in den Bereichen Arbeitsrecht (von 36 Prozent auf 43 Prozent), bei der fossilen Energieerzeugung (von 21 Prozent auf 28 Prozent) sowie dem Thema Bergbau (von 21 Prozent auf 26 Prozent) Verbesserungen feststellen“, unterstreicht Sarah Guhr. Diese Entwicklung sei z.B. den vermehrten Ausschlüssen von Kohlekraftwerksbetreibern bzw. von Kohlebergbau und umweltschädlichen Energiegewinnungsmethoden wie Fracking bzw. Öl- oder Teersande (tar sands) zuzuschreiben, so Sarah Guhr.

Facing Finance und die Kooperationspartner im Fair Finance Guide werden ihre Zusammenarbeit fortsetzen und ausweiten. Zudem ist vorgesehen, anhand von öffentlich zugänglichen Fallstudien kontinuierlich zu prüfen, ob Banken tatsächlich ihre ESG-Richtlinien einhalten.

Ziel des Fair Finance Guide Deutschland bleibt es, für Bankkunden mehr Transparenz und Vergleichbarkeit in Bezug auf die soziale und ökologische Bilanz deutscher Banken herzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle besser beurteilen zu können. Dafür steht das anhand von 250 Kriterien detailliert recherchierte, unabhängige und frei zugängliche ESG-Bewertungsportal zur Verfügung.

Quelle: UD/pm
 

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