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Warum wurden die 68er zu Spießern?

Was wurde aus den rebellischen Achtundsechzigern? "Die neue Biedermenschen", antwortet Karl Kollmann in seinem gleichnamigen Buch. Darin geht er hart mit einer Generation ins Gericht, die sich für Establishment statt Revolution entschieden habe.

11.06.2020

Die neuen Biedermenschen. Von der 68er-Rebellion zum linksliberalen Establishmentzoom

Ein Biedermann ist laut Wikipedia „jemand, der bieder, brav, oft übertrieben anständig und loyal, spießig ist, eine Bezeichnung für einen Menschen, der sich selbst als viel ansieht, diesen Ansprüchen aber im Grunde nicht genügt, jemand der eine Doppelmoral lebt“. Genau das verkörpert heute für Karl Kollmann die Generation „Rudi Dutschke“: Ein halbes Jahrhundert nach dem Aufbruch, der im Jahre 1968 weite Teile der Jugend Europas erfasst hatte, seien aus den Versatzstücken einer Kultur des Aufbegehrens Eckpfeiler einer hegemonialen Biedermeierlichkeit geworden. Die Rebellion gegen den verstockten Nachkriegskonservativismus ist zu einem neuen Establishment erstarrt.

Der Soziologe Karl Kollmann zeichnet nach, wie es dazu kommen konnte, dass aus dem Wunsch nach Befreiung in nur zwei Generationen wiederum ein gesellschaftliches Korsett geschnürt wurde, das enge Lebensmuster vorgibt. Diese folgen nun nicht mehr rechtskonservativen, sondern linksliberalen Verhaltensregeln, die allerdings ebenso peinlich eingehalten werden (müssen) wie einst jene der Elterngeneration.

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Die kollektive Kampfkraft der 68er-Generation gegen Krieg und Militarisierung und für Gleichberechtigung ist weitgehend verpufft. An ihre Stelle ist eine Individualisierung getreten, die Gesellschaft oft als Dienstleistung für den Einzelnen/die Einzelne betrachtet. Als Treibmittel für diesen Übergang zum neuen Biedermenschen ortet der Autor Konsumismus und Kommerzialisierung so gut wie aller Lebensbereiche. Diese Kapitalkraft sei von den 68ern schlicht übersehen oder zumindest unterschätzt worden.

Dem neuen linksliberalen Establishment sei es gelungen, kulturelle Hegemonie und mediale Meinungsführerschaft zu erlangen. Gepaart mit entsprechendem Arbeitsethos lässt es sich in den oft engen städtischen Zirkeln als Mittelschicht gut leben. Die soziale Frage spiele, so Kollmann, folgerichtig eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wird das Hohelied auf Diversität und Multikulturalität gesungen, wobei man die eigenen Kinder doch lieber in den privaten Kindergarten und die bessere Schule fernab von den sozialen Brennpunkten der Ausländerviertel schickt, die so nicht genannt werden. Die verordnete sprachliche Korrektheit hilft dabei mit, die gesellschaftliche Realität zu verdecken.

Karl Kollmanns gesellschaftlicher Befund rüttelt auf. Er demaskiert eine sich selbst als postmateriell darstellende neue Mittelschicht, die ihr 68er-Erbe dazu verwendet, sich wohlig in städtischen Gesellschaftsblasen einzurichten.

Die neuen Biedermenschen. Von der 68er-Rebellion zum linksliberalen Establishment

Kollmann, Karl
Die neuen Biedermenschen.
Von der 68er-Rebellion zum linksliberalen Establishment

208 Seiten, Promedia 2020
ISBN: 978-3-85371-469-0
Preis:19,90 Euro

Quelle: UD/pm
 

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