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Politik

EU vernachlässigt soziale Nachhaltigkeit in der Taxonomie

Kürzlich hat das EU-Parlament die EU-Taxonomie für „Sustainable Finance“ verabschiedet. Während sich der Entwurf ausführlich mit ökologischer Nachhaltigkeit befasst, wurden soziale Themen nur unzureichend berücksichtigt. Daher hat das Institut Südwind eine „Soziale Taxonomie“ für nachhaltige Investitionen vorgestellt.

19.06.2020

EU vernachlässigt soziale Nachhaltigkeit in der Taxonomie
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wird erneut deutlich, dass Kapital dort investiert werden muss, wo es nicht nur ökologisch, sondern auch sozial sinnvoll ist.

In Europa werden rund 13 Billionen Euro in Investmentfonds angelegt, gut vier Prozent davon beachten dabei nachhaltige Kriterien. Die Auswirkung dieser seit Jahren stetig wachsenden nachhaltigen Kapitalanlagen sind jedoch kaum erkennbar. Ein Grund dafür ist, dass es an einer einheitlichen Definition für Nachhaltigkeit fehlt. Nachhaltige Investoren arbeiten mit sehr unterschiedlichen Konzepten von Nachhaltigkeit. Damit fehlt es Wirtschaftsakteuren an Orientierung. Sie wissen zu wenig darüber, was genau sie verändern müssen, um bei Investoren als „nachhaltig“ zu gelten.

Mit der „grünen“ Taxonomie der EU liegt eine solche Orientierung für die ökologische Nachhaltigkeit vor. Soziale Nachhaltigkeit findet sich dort nur in sogenannten „Mindeststandards“, deren Anwendung unklar bleibt.

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Anwendung von sozialen Mindeststandards

In der Studie: „Menschenrechte sind Investorenpflichten – Vorschlag für eine soziale Taxonomie des nachhaltigen Investierens“ zeigt Südwind auf, wie diese sozialen Mindeststandards angewendet werden müssten. „Nur, wenn menschenrechtliche Sorgfaltspflichten auf wirtschaftliche Einheiten und auch in der Lieferkette berücksichtigt werden, entfalten sie die notwendige Wirkung. Welche konkreten Risiken für die Sektoren der grünen Taxonomie bestehen wird detailliert aufgeführt“, so Antje Schneeweiß, Autorin der Studie und Mitglied im Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung.

Innerhalb der Studie wird außerdem ein Rahmen für eine „Soziale Taxonomie“ entworfen. Ausgehend von den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (SDG) und den UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte entwickelt die Autorin Kriterien für Risikobranchen wie den Bergbau und die Textilindustrie. Gleichzeitig werden Sektoren mit hohem sozialen Nutzen benannt, wie die soziale Infrastruktur, Gesundheit, Bildung, Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie die zivile Konfliktbearbeitung. Doch nicht jede Finanzierung in diesem Bereich kann als sozial nachhaltig gelten. Nur, wenn die Produkte und Dienstleistungen für alle Bevölkerungsteile zugänglich sind, können Investitionen nachhaltig genannt werden.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Quelle: UD/pm
 

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