WWF-Bankenrating: Deutsche Banken im Nachhaltigkeits-Check – viel Mittelmaß, wenig Vorreiter
Die neuen Leitlinien der Europäischen Bankenaufsicht verpflichten Banken, Klima- und Biodiversitätsrisiken fest in ihre Prozesse zu integrieren. Ein aktuelles WWF-Ranking zeigt jedoch: Keine deutsche Bank erreicht die Bestnote, viele Institute haben deutlichen Nachholbedarf. Besonders beim Schutz der Biodiversität bestehen große Lücken – trotz wachsender Risiken für Wirtschaft und Geschäftsmodelle.
26.01.2026
Seit diesem Sonntag sind die neuen Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in Kraft: Sie verpflichten europäische Banken, Nachhaltigkeitsrisiken verbindlich in ihr Risikomanagement zu integrieren. Passend dazu veröffentlicht der WWF Deutschland heute sein neues Bankenrating. Es zeigt: Der deutsche Bankensektor ist auf dem Weg – aber noch lange nicht am Ziel.
Von 15 untersuchten Banken erreicht nur die ING den Status „Vorreiter“. Die Bestnote „Visionär“ schafft kein einziges deutsches Institut. Auf ING folgen Triodos Bank, Deutsche Bank und GLS Bank als „Verfolger“. Zehn Banken – darunter Commerzbank, DKB und die Landesbanken – landen im „Mittelmaß“. Schlusslicht ist die Berliner Volksbank als „Nachzügler“. Grundlage für die Bewertung waren Selbstauskünfte und öffentlich verfügbare Informationen der Banken.
„Keine einzige deutsche Bank schafft bislang die Bestnote. Klimaschutz ist oftmals eher Neben- als Kerngeschäft. Und der Schutz der Biodiversität spiegelt sich aktuell nur punktuell im Bankenwesen wider. Dabei ist die Integration von Klima und Biodiversität in die Kernprozesse der Banken zentral und entscheidend dafür, wie gut Banken Risiken einschätzen und ob die Nachhaltigkeitstransformation unserer Wirtschaft gelingt. Für Banken geht es um die Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle, für die Wirtschaft um die Finanzierbarkeit der notwendigen Transformation – und damit um langfristigen Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt David Knewitz, Sustainable-Finance-Experte beim WWF Deutschland.
Auch wenn Fortschritte über das gesamte Teilnehmerfeld erkennbar sind, ist die Integration von Klima und Biodiversität noch unvollkommen. Zwar werden Klimaziele zunehmend implementiert, Portfolios stärker entlang von Klimakriterien gesteuert sowie Ausschluss- und Positivkriterien in Anlageprodukten häufiger systematisch angewendet. Gleichzeitig liegen Defizite in der konsequenten Umsetzung im Kredit- und Investmentgeschäft sowie in der Produktgestaltung. Ein systematisches Monitoring von Klima- und Naturwirkungen über alle Geschäftsbereiche hinweg ist nicht flächendeckend etabliert.
Großen Handlungsbedarf zeigen die Banken beim Themenfeld Biodiversität, das von den betrachteten Instituten aktuell nur punktuell in Zielsysteme, Datenstrukturen und Steuerungsprozesse integriert wird. Biodiversitätsziele und entsprechende Strategien sind – mit Ausnahme der Institute an der Spitze des Rankings – bestenfalls in Ansätzen vorhanden.
Dabei hängt über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt von funktionierenden Ökosystemen ab. Geraten diese aus dem Gleichgewicht, trifft das Unternehmen unmittelbar – durch gestörte Lieferketten, knapper werdende Rohstoffe oder Extremwetterereignisse.
„Die Integration von Klima und Biodiversität in das Kerngeschäft der Banken stärkt die Resilienz, weil Risiken frühzeitig bepreist und die Werte finanzierter Assets geschützt werden. Gleichzeitig entstehen Wachstumschancen in Schlüsselbranchen, die Produktivität und regionale Wertschöpfung erhöhen – von erneuerbarer Energie über Effizienz und Kreislaufwirtschaft bis zu naturbasierten Lösungen. Banken entscheiden mit jedem Kredit, ob wir eine zukunftsfähige Wirtschaft finanzieren – oder die nächste Krise“, so Knewitz. „Diesen Hebel müssen sie konsequent nutzen. Denn intakte Ökosysteme sind die Basis für wirtschaftliche Stabilität.“
Mit den EBA-Leitlinien steigen die regulatorischen Anforderungen. Banken müssen ESG-Risiken künftig systematisch identifizieren, bewerten und steuern. Das Rating zeigt, dass viele Institute hier noch Nachholbedarf haben. „Mit den neuen EBA-Leitlinien wird Nachhaltigkeit zur Pflicht“, sagt Knewitz. „Was jetzt nötig ist, sind ehrgeizige, überprüfbare und wissenschaftlich fundierte Ziele für Klima- und Biodiversitätsschutz, die fest in Geschäftsstrategie, Kredit- und Anlageentscheidungen sowie in Preis- und Kapitalsteuerung verankert sind. Dafür braucht es verlässliche Daten und Monitoringprozesse, die Risiken und Wirkungen transparent machen, sowie ein aktives Verantwortungsverständnis mit klaren Erwartungen, abgestimmten Verfahren und angemessenen Konsequenzen. Nur so werden Banken zu einem treibenden Motor einer widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft.“