Wirtschaft

Kreuzfahrtriese gegen Korallenriff: Royal Caribbeans Megaprojekt spaltet Mexiko

Auf 80 Hektar will Royal Caribbean in Mahahual den größten Wasserpark der Neuen Welt bauen. Ein mexikanisches Gericht hat das Projekt vorläufig gestoppt – doch der Konzern investiert weiter. Der Konflikt zeigt das Grunddilemma des modernen Massentourismus.

14.05.2026

Kreuzfahrtriese gegen Korallenriff: Royal Caribbeans Megaprojekt spaltet Mexiko

Mahahual ist ein Fischerdorf mit 2.600 Einwohnern im südlichen Quintana Roo, weitgehend abseits des touristischen Massenbetriebs von Cancún und der Riviera Maya. Das soll sich ändern: Gegenüber dem bestehenden Kreuzfahrtpier plant Royal Caribbean den Bau von „Perfect Day Mexico“, einem Privatresort, das nach Fertigstellung doppelt so groß sein soll wie das bisherige Vorzeigeprojekt des Konzerns auf den Bahamas. Geplant sind zehn Pools, der höchste Wasserturm-Rutschenturm Nordamerikas, der angeblich längste Lazy River der Welt und – als kurioses Wahrzeichen – der größte Sombrero und die größte Tequilaflasche der Erde. Der Konzern hat nach eigenen Angaben bereits 292 Millionen Dollar für den Erwerb des Grundstücks in Mahahual aufgewendet.

Doch seit der Projektankündigung 2024 häufen sich die rechtlichen und politischen Hindernisse. Ein Bezirksgericht in Quintana Roo hat im Januar 2026 einen vorläufigen Baustopp erlassen, nachdem die Umweltorganisation Defendiendo el Derecho a un Medio Ambiente Sano (DMAS) Klage gegen die kommunale Umnutzung von über 100 Hektar Land eingereicht hatte. Gleichzeitig kündigte die mexikanische Bundesumweltbehörde PROFEPA Kontrollbesuche im betroffenen Gebiet an, wie Cruise Critic berichtete. Gebaut worden ist bislang nichts.

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Die Kritik der Aktivisten geht über den konkreten Standort hinaus. Wie Mexico News Daily dokumentiert, leidet Mahahual bereits heute unter einem überlasteten Abwassersystem, das ungeklärtes Wasser in den angrenzenden Mangrovenwald und das Korallenriff einleitet. Ein Netzwerk von Umweltorganisationen warnte in einem gemeinsamen Statement, beide Projekte des Konzerns, sowohl „Perfect Day Mexico“ in Mahahual als auch ein separater Royal Beach Club auf Cozumel, seien auf ein Modell ausgelegt, das massive Besucherströme in kürzester Zeit konzentriere. „Die Erfahrungen im nördlichen Quintana Roo zeigen, dass intensiver Tourismus zu irreversiblen Umweltschäden, einer de-facto-Privatisierung der Küste und einer Konzentration der wirtschaftlichen Vorteile bei wenigen Akteuren geführt hat, während die lokalen Gemeinschaften die sozialen und ökologischen Kosten tragen“, heißt es in ihrer Stellungnahme.

Royal Caribbean hat die Kritik teilweise anerkannt. Laut dem Umweltverträglichkeitsbericht des Konzerns wurden gefährdete Tierarten wie Ozelot, Langschwanzkatze und Weißschildkröte auf dem Gelände nachgewiesen. Das Unternehmen verspricht Maßnahmen zum Schutz dieser Arten sowie die Sanierung der bestehenden Abwasserverschmutzung. Jay Schneider, Chief Product Innovation Officer von Royal Caribbean, bezeichnete das Ziel des Projekts gegenüber Cruise Critic als nichts weniger als die Neuerfindung der westkaribischen Kreuzfahrtrouten: „Wir erschaffen nicht nur eine Kreuzfahrtdestination.“

Auf politischer Ebene zeigt sich das Grundwiderspruch mexikanischer Tourismuspolitik. Quintana Roos Gouverneurin Mara Lezama Espinosa betont einerseits die Notwendigkeit nachhaltigen Wachstums: „Tourismus kann wachsen, aber er muss nachhaltig sein, im Einklang mit dem Gesetz und respektvoll gegenüber der Umwelt“, sagte sie vor ihrer Teilnahme an der FITUR-Messe in Madrid. Andererseits verzeichnen die vier internationalen Flughäfen des Bundesstaates mit 24,4 Millionen Passagieren in den ersten zehn Monaten 2025 Rekordzahlen, und die Wirtschaft des Staates hängt maßgeblich am Tourismus. Cozumel, der meistbesuchte Kreuzfahrthafen der Region, erhebt laut Mexico Business News Hafengebühren, die bis zu 240-mal tiefer liegen als in vergleichbaren US-Häfen.

Das Projekt „Perfect Day Mexico“ steht sinnbildlich für ein Dilemma, das die gesamte karibische Küste Mexikos erfasst. Massiver Kreuzfahrttourismus bringt Devisen, belastet aber Infrastruktur, Ökosysteme und soziales Gefüge gleichermaßen. Das Korallenriff vor Quintana Roo ist Teil des Mesoamerikanischen Barriereriffs, des zweitgrößten Korallenriffs der Welt, das seit Jahrzehnten unter Druck steht. Ob Royal Caribbean sein 600-Millionen-Dollar-Projekt letztlich realisieren kann, wird auch davon abhängen, wie Mexikos Gerichte und Behörden den Zielkonflikt zwischen Investitionsinteressen und Ökosystemschutz auflösen.

Quelle: UD
 

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