Iran Krieg: Studie zeigt, wie Staaten die Folgen managen
Seit dem US-israelischen Angriff auf Iran sind die globalen Energiemärkte im Ausnahmezustand. Mindestens 60 Länder haben Notfallmaßnahmen ergriffen, die Folgen reichen von Treibstoffrationierungen bis zu Rezessionswarnungen.
28.04.2026
Seit dem Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran Ende Februar 2026 befindet sich der globale Energiemarkt im Ausnahmezustand. Iran hat die Straße von Hormus gesperrt, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handels fließt. Laut einer Analyse des Klimaforschungsportals Carbon Brief haben seither mindestens 60 Länder Notfallmaßnahmen ergriffen und fast 200 Einzelmaßnahmen verabschiedet, um Treibstoff zu sparen, Verbraucher zu stützen und die eigene Energieversorgung zu sichern.
Bereits am 28. Februar, dem ersten Kriegstag, explodierten die Preise. Rohöl der Sorte Brent kletterte auf über 100 Dollar pro Barrel und notierte zeitweise bei bis zu 119 Dollar. Für amerikanische Autofahrer stiegen die Spritpreise laut Time Magazine innerhalb eines Monats um knapp 30 Prozent auf 3,84 Dollar pro Gallone, Diesel durchbrach zeitweise die Fünf-Dollar-Marke. US-Energieminister Chris Wright räumte ein, es gebe keinerlei Garantie für einen baldigen Preisrückgang.
Europa traf der Schock mit besonderer Wucht. Wie Wikipedia dokumentiert, lagen die europäischen Gasspeicher nach einem harten Winter 2025/26 auf einem historischen Tiefstand von rund 30 Prozent Kapazität. Die niederländischen TTF-Gasbenchmarks verdoppelten sich nahezu auf über 60 Euro pro Megawattstunde, als iranische Drohnen am 2. März Gasanlagen in Katar beschädigten und QatarEnergy die Gasproduktion vorübergehend stoppte. Die Europäische Zentralbank verschob geplante Zinssenkungen, hob Inflationsprognosen an und kürzte Wachstumserwartungen. Ein europäischer Parlamentarier brachte die Lage gegenüber der BBC auf den Punkt: „Anderer Konflikt, dieselben Spaltungen, dieselben Energiedilemmas.“
In Indien, wo 60 Prozent des Flüssiggas-Bedarfs importiert werden, entstanden lange Schlangen an Tankstellen und vor Gasdepots. Restaurants in Mumbai schlossen wegen fehlenden Kochgases, in Gujarat kam die Keramikindustrie zum Erliegen. Innerhalb eines Monats schloss Indien 580.000 neue Haushalte an das Leitungsgasnetz an. Sri Lanka deklarierte jeden Mittwoch zum nationalen Feiertag und führte eine Rationierung von 15 Litern Benzin oder Diesel pro Woche und Fahrzeug ein, wie Wikipedia berichtet. Präsident Dissanayake rief die Bevölkerung auf, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.
Für China, den weltgrößten Energieimporteur, bietet die Krise neben Risiken auch strategische Chancen. Laut dem Atlantic Council traf Staatschef Xi Jinping bereits in der ersten Kriegswoche den turkmenischen Präsidenten, um eine Ausweitung der Zentralasien-China-Pipelinekapazitäten zu besprechen. Parallel wird Druck auf Russland ausgeübt, Lieferungen über bestehende Trassen zu beschleunigen. Während Peking seine Energiequellen diversifiziert, konkurriert Europa erneut um LNG-Lieferungen auf dem Weltmarkt.
Langfristig könnte der Krieg am Golf paradoxerweise dem Klimaschutz nutzen. Analysten des Center for Strategic and International Studies betonen, dass die Krise Regierungen weltweit einen neuen strategischen Anreiz gebe, erneuerbare Energiequellen auszubauen und die Elektrifizierung zu beschleunigen. Das Ausmaß dieses Wandels dürfte proportional zur Dauer und Intensität des Konflikts sein.
Wie nachhaltig dieser Druck wirkt, wird sich zeigen. Nach der russischen Invasion in die Ukraine 2022 gab es ähnliche Versprechen zur Energieunabhängigkeit. Das Muster könnte sich wiederholen. Eine temporäre Waffenruhe wurde ausgerufen, doch die geopolitischen Spannungen bleiben bestehen. Die eigentliche Frage ist, ob die Welt aus gleich zwei massiven Energieversorgungskrisen innerhalb von vier Jahren die Lehren zieht oder ob die nächste Krise bloß eine weitere Runde am Karussell bedeutet.