Verbraucher

Schwächen im Regelwerk zu Secondhand bestätigt

Eine neue SWR Recherche belegt SÜDWIND-Position: Der Secondhand-Boom allein ist kein Heilsbringer für die Modebranche. Umfassende politische Regulierung ist dringend nötig.

26.03.2026

Schwächen im Regelwerk zu Secondhand bestätigt

Aktuelle Recherchen von SWR zeigen: Der wachsende Secondhand-Markt für Kleidung ist kein Garant für mehr Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit. Die Recherche mit versteckten Bluetooth-Trackern legt offen: Kleidung landete nach der Abgabe an Sellpy (H&M Group) in Ländern wie Indien oder Pakistan. Für diese Länder ist die Praxis des offenen Verbrennens der Kleidung bekannt und Menschenrechtsverletzungen im Recycling. Nur ein Bruchteil der abgegebenen Kleidung wird scheinbar tatsächlich wieder getragen. Viele Stücke landen in globalen Altkleiderströmen und legen absurde Kilometer allein schon im Transport zurück. Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz der aktuellen Veröffentlichungen des SÜDWIND-Instituts zum Sektor.

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Secondhand verlängert Lebensdauer – spiegelt aber aktuell auch die systematischen Probleme wider

„Secondhand allein macht die Modeindustrie nicht zirkulär, nachhaltig oder gerecht“, betont das SÜDWIND-Institut in einem aktuellen Diskussionspapier, welches den Secondhand-Boom umfassend analysiert. Dabei werden auch Anbieter wie momox oder vinted in den Blick genommen. Zwar verlängert der Weiterverkauf die Nutzungsdauer von Kleidung, doch ohne eine Reduktion der Überproduktion und ohne Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits-bedingungen entlang der Wertschöpfungskette bleibt der Effekt begrenzt.

Die Ideen hinter dem Konzept der Kreislaufwirtschaft führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Durch die neue Recherche erhärtet sich der Verdacht, dass sogar das Gegenteil vom Erwünschten eintreten kann: Der Sektor reagiert auf neue Regeln wie das Vernichtungsverbot unverkaufter Ware, was in Deutschland ab Juli 2026 greifen wird, offenbar mit neuen ausbeuterischen und klima- und umweltschädlichen Geschäftspraktiken.

Politische Halbherzigkeit ist keine Option

Die Bundesregierung plant ein neues Textilgesetz, das Hersteller und Handel stärker an Entsorgungs- und Recyclingkosten beteiligen soll. Doch ohne eine ganzheitliche Ausgestaltung drohen die Maßnahmen zu Symbolpolitik zu verkommen. „Die Bundesregierung muss konsequent handeln und auch die Gefahr der Menschenrechtsverstöße mitdenken, sonst führt das Gesetz zu weiterer Ausbeutung und Umweltzerstörung“, warnt Dr. Jiska Gojowczyk vom SÜDWIND-Institut.

Notwendig sind Maßnahmen die Überproduktion und Fast Fashion unattraktiv machen, Hersteller und Handel für die sozialen und ökologischen Folgen ihrer Geschäftsmodelle spürbar in die Verantwortung nehmen, Transparenz für alle Stufen einfordern und Mitsprachemöglichkeiten für ausgegrenzte Interessengruppen in Produktions- und Altkleider-Importländern schaffen.

Dr. Jiska Gojowczyk fordert außerdem: „Secondhand ist kein Freifahrtschein. Wir brauchen weniger, aber besser produzierte Kleidung – und politisch eine klare Lenkungswirkung hin zu mehr globaler Gerechtigkeit. Sonst werden die Kosten neuer Anforderungen einfach wie gehabt auf Natur und Menschen weltweit ausgelagert. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie mit dem Entwurf eines Textilgesetzes im Sommer eine gut durchdachte Grundlage für einen gerechten Umbau der Modeindustrie schafft.“

Quelle: UD/pm
 

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