Luxusmarken verdienen an Ausbeutung: Amnesty prangert systematische Rechtsverletzungen in Südasien an
Ein neuer Bericht von Amnesty International deckt auf, wie internationale Modemarken von der Unterdrückung von Arbeitsrechten in Südasien profitieren. In Bangladesch, Indien, Pakistan und Sri Lanka werden Beschäftigte der Textilindustrie systematisch ihrer Grundrechte beraubt. Während westliche Konsumenten Kollektionen zu Premiumpreisen kaufen, herrschen in den Produktionsstätten ausbeuterische Bedingungen.
18.02.2026
Die glitzernden Schaufenster der Modemetropolen verschleiern eine düstere Realität. Laut einem aktuellen Bericht von Amnesty International profitieren namhafte internationale Modemarken systematisch von der Unterdrückung von Arbeitsrechten in südasiatischen Produktionsländern. Die Untersuchung dokumentiert gravierende Missstände in Bangladesch, Indien, Pakistan und Sri Lanka, wo Millionen von Textilarbeitern unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften.
Die Menschenrechtsorganisation wirft den Regierungen der betroffenen Länder vor, gezielt gewerkschaftliche Aktivitäten zu unterdrücken und grundlegende Arbeitsrechte auszuhebeln. Arbeiter, die sich für bessere Löhne oder Arbeitsbedingungen einsetzen, werden eingeschüchtert, entlassen oder strafrechtlich verfolgt. Das Recht auf freie Gewerkschaftsbildung, das in internationalen Abkommen verankert ist, existiert in der Praxis kaum. Stattdessen dominieren Angst und Repression den Alltag in den Fabriken.
Besonders erschreckend sind die dokumentierten Arbeitsbedingungen. Sechs-Tage-Wochen mit zwölf Stunden Schichten sind die Regel, nicht die Ausnahme. Die Löhne reichen häufig nicht aus, um die Grundbedürfnisse zu decken. Arbeiterinnen berichten von unhaltbaren hygienischen Zuständen, fehlenden Sicherheitsvorkehrungen und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Wenn Beschäftigte versuchen, sich zu wehren oder Missstände öffentlich zu machen, drohen ihnen unmittelbare Konsequenzen.
Die internationalen Modekonzerne ziehen sich dabei auf die Position zurück, lediglich Aufträge zu vergeben, für die Bedingungen vor Ort aber nicht verantwortlich zu sein. Diese Haltung kritisiert Amnesty scharf. Die Organisation argumentiert, dass Unternehmen durch ihre Einkaufspraktiken direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen nehmen. Wer extrem niedrige Preise fordert und gleichzeitig unrealistische Lieferfristen setzt, macht menschenwürdige Arbeitsbedungen unmöglich.
Der Bericht zeigt auch, wie ökonomischer Druck und politische Komplizenschaft zusammenwirken. Regierungen werben gezielt mit niedrigen Lohnkosten und schwachen Arbeitnehmerrechten um ausländische Investoren. Die Textilindustrie ist für diese Länder ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft und Devisen einbringt. Diese ökonomische Abhängigkeit führt dazu, dass Regierungen Arbeiterproteste gewaltsam niederschlagen, um das Investitionsklima nicht zu gefährden.
Amnesty fordert von den Modekonzernen eine grundlegende Änderung ihrer Geschäftspraktiken. Dazu gehört die Zahlung fairer Preise, die existenzsichernde Löhne ermöglichen, sowie transparente und nachvollziehbare Lieferketten. Zudem müssten Unternehmen aktiv dafür eintreten, dass Arbeiter ihre Rechte wahrnehmen können, ohne Repressalien befürchten zu müssen.
Für Verbraucher in Europa bleibt die Situation unbefriedigend. Trotz zahlreicher Siegel und Nachhaltigkeitsversprechen ist kaum nachvollziehbar, unter welchen Bedingungen die Kleidung tatsächlich hergestellt wurde. Der Amnesty-Bericht macht deutlich, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie nicht ausreichen. Nur verbindliche gesetzliche Regelungen, die Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen in ihrer Lieferkette haftbar machen, können den systematischen Missbrauch beenden. Solange der Profit wichtiger ist als die Würde der Menschen, wird sich an den Zuständen in den Nähfabriken Südasiens nichts ändern.