Wie gesunde Böden das Klima retten könnten
Ein neuer Bericht enthüllt, dass die Wiederherstellung der weltweit degradierten Böden einen kühlenden Effekt freisetzen könnte, der bis zu dreimal größer ist als die durch Treibhausgasemissionen verursachte Erwärmung. Die Autoren bezeichnen dies als den am wenigsten genutzten Pfad zur Klimastabilität.
28.04.2026
Der von Save Soil veröffentlichte Bericht mit dem Titel „The Soil Carbon Sponge: Restoring Earth's Hydrological Cooling System for Climate Stability“ stellt fest, dass der Wiederaufbau organischer Bodensubstanz die Evapotranspiration – den Prozess, bei dem Wasser durch Verdunstung und pflanzliche Transpiration vom Land in die Atmosphäre gelangt – so weit steigern könnte, dass 3,0 Watt pro Quadratmeter der Sonneneinstrahlung ausgeglichen werden. Zum Vergleich: Das gesamte Energieungleichgewicht, das die globale Erwärmung antreibt, beträgt etwa 0,9 Watt pro Quadratmeter.
„Wir übersehen einen der mächtigsten Klimaregulatoren direkt unter unseren Füßen“, sagt Praveena Sridhar, Chief Scientific and Policy Advisor bei Save Soil. „Bei der Wiederherstellung des ‚Boden-Kohlenstoff-Schwamms‘ geht es nicht nur um Kohlenstoffbindung – es geht darum, das natürliche Kühlsystem der Erde wieder zu aktivieren.“
Während sich die globale Klimastrategie weitgehend auf die Reduzierung von Kohlendioxid konzentriert hat, hebt der Bericht hervor, dass 95 Prozent der Wärmeregulierung der Erde durch Wasserkreisläufe erfolgt. Gesunde Böden fungieren als „Kohlenstoff-Schwamm“: Sie speichern Wasser, erhalten die Vegetation aufrecht und treiben die Evapotranspiration an – den effektivsten natürlichen Kühlprozess des Planeten.
Die Zahlen sind beeindruckend: Jede Erhöhung der organischen Bodensubstanz um ein Prozent ermöglicht es dem Boden, zusätzliche 250.000 Liter Wasser pro Hektar zu speichern, was eine kontinuierliche Kühlung durch Vegetation und den Wasserkreislauf ermöglicht.
Doch dieser „Schwamm“ zerfällt in rasantem Tempo. Der Bericht liefert dazu folgende Daten:
- 52 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzflächen sind bereits degradiert.
- 60 bis 70 Prozent der europäischen Böden gelten als in ungesundem Zustand.
- In den Vereinigten Staaten ist fast ein Drittel der Böden stark degradiert.
Die Folgen sind bereits sichtbar: Der Wasserverlust aus den Böden verstärkt Hitzewellen, Dürren und Ernteausfälle weltweit.
Politischer Kurswechsel gefordert
Der Bericht fordert, Boden als kritische Klimainfrastruktur anzuerkennen. Die Regeneration von Land müsse neben der Emissionsminderung fest in nationale und internationale Klimastrategien integriert werden.
Skalierbare Lösungen, darunter regenerative Landwirtschaft, Wiederaufforstung und Bodenbedeckung, sind bereits bekannt. Die Wiederherstellung der Bodengesundheit stellt eine der schnellsten und kosteneffizientesten Möglichkeiten dar, das Klima zu stabilisieren und gleichzeitig die Nahrungsmittel- und Wassersicherheit zu verbessern.