Umwelt

Wie die Everglades CO₂ schlucken – und wo Grenzen liegen

Die Wiederherstellung der Everglades in Florida schützt nicht nur ein einzigartiges Ökosystem, sondern leistet auch einen messbaren Beitrag zum globalen Klimaschutz. Eine neue Studie zeigt: Der Feuchtgebiet-Komplex bindet jährlich 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid – so viel wie zehn Prozent der Emissionen aus Floridas Straßenverkehr. Doch das Bild ist nicht ohne Schatten: Methanemissionen aus Süßwassermooren trüben die Klimabilanz erheblich.

09.04.2026

Wie die Everglades CO₂ schlucken – und wo Grenzen liegen

Die im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie zeigt, dass die Everglades zwischen 2003 und 2020 ihre Kohlenstoffbindung um 18 Prozent steigern konnten, wobei die Küstenmangroven die größte Kapazität zur Kohlenstoffspeicherung aufweisen. Für John Kominoski, Professor an der Florida International University und einer der Hauptautoren der Studie, ist der Vergleich naheliegend: „Es ist fast wie eine Investition in einen Rentenfonds. Man legt langsam etwas zurück und versteht den Nutzen zunächst kaum – aber mit der Zeit entfalten sich die Vorteile, und sie sind mehr als die Summe ihrer Teile.“

Die Everglades sind für das Trinkwasser von Millionen Floridarensern verantwortlich und erstrecken sich über weite Teile des Bundesstaates, vom Kissimmee River über den Okeechobeesee und die Sawgrass-Sümpfe bis zur Florida Bay im äußersten Süden der Halbinsel. Sparkle Malone, Professorin für Ökosystem-Kohlenstoffbindung an der Yale University und Mitautorin der Studie, bringt den Doppelnutzen auf den Punkt: „Der Großteil des Trinkwassers in Florida stammt aus den Everglades. Und wenn das allein noch nicht genug wäre – sie sind auch eine effektive Kohlenstoffsenke.“

Anzeige

Allerdings offenbart die Forschung ein komplexes Bild. Obwohl die Kohlenstoffspeicherung zunahm, wurden fast 82 Prozent der in den Süßwassermooren gebundenen Menge durch Netto-Methanemissionen wieder ausgeglichen. Methan, das von Mikroben in sauerstoffarmen Böden produziert wird, ist ein besonders wirksames Treibhausgas: Es speichert über einen Zeitraum von 20 Jahren 80-mal mehr Wärme in der Atmosphäre als Kohlendioxid und ist für rund 30 Prozent der Erderwärmung seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich. In den Küstenmangroven hingegen sieht die Bilanz günstiger aus: Dort wurden lediglich rund 16 Prozent des gebundenen Kohlendioxids durch Methanemissionen kompensiert.

Jonathan Gewirtzman, Doktorand an der Yale School of the Environment und Mitautor, mahnt zur differenzierten Betrachtung: „Unsere Arbeit zeigt, dass man Kohlendioxid und Methan nicht isoliert betrachten kann. Wir müssen das Gleichgewicht der ökologischen Prozesse wirklich verstehen – und diese Erkenntnisse können bessere Entscheidungen ermöglichen.“ Der Kohlendioxid-Abbau stieg dabei mit etwa doppelt so hoher Rate wie die Methanemissionen, was per Saldo zu einer 18-prozentigen Zunahme der gesamten Treibhausgasentfernung führte.

Die Studie zeigt zudem, wie Geografie und äußere Einflüsse die Leistung des Feuchtgebiets prägen: Nach großen Sturmereignissen verzeichneten Mangrovenwälder starke Rückgänge bei der Kohlenstoffaufnahme und brauchten vier bis fünf Jahre, um sich auf das Vorsturmniveau zu erholen. Damit rückt auch der Klimawandel selbst als Bedrohung ins Bild – die zunehmende Intensität von Hurrikans in der Region könnte die Speicherfähigkeit des Systems künftig gefährden.

Die Erkenntnisse liefern nach Einschätzung der Wissenschaftler eine wichtige Grundlage für das laufende, 27 Milliarden Dollar schwere Wiederherstellungsprogramm der Everglades. Malone fasst zusammen: „Süßwassermoore sind zwar mit höheren Methanemissionen verbunden, bleiben aber unschätzbar wertvoll. Sie übernehmen eine entscheidende Rolle bei der Hochwasserkontrolle, Wasserfilterung und Kohlenstoffspeicherung. Anstatt den Klimawert der Everglades zu schmälern, liefern die Ergebnisse eine Roadmap, um ihn zu maximieren.“

Quelle: UD
 

Related Posts

Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche