Umwelt

Wie Methan-Mega-Lecks die Erderwärmung anheizen – und wie leicht sie zu stoppen wären

Satellitendaten enthüllen die schlimmsten Methan-Mega-Lecks der Welt: Allein 15 der 25 größten Quellen lagen 2025 in Turkmenistan. Jedes einzelne dieser Gaslecks entspricht in seiner Klimawirkung einem Kohlekraftwerk. Dabei wäre die Lösung oft denkbar einfach – und sogar kostenlos. Dennoch passiert nichts. Forschende zeigen sich fassungslos.

01.05.2026

Wie Methan-Mega-Lecks die Erderwärmung anheizen – und wie leicht sie zu stoppen wären
Methanlecks in Turkmenistan

Eine Analyse von Satellitendaten durch das STOP Methane Project der Universität California Los Angeles (UCLA) hat weltweit 4.400 bedeutende Methanlecks aus dem Jahr 2025 identifiziert – jeweils definiert als Lecks mit mindestens 100 Kilogramm pro Stunde. Das Ergebnis ist alarmierend und beschämend zugleich: Die größten 25 Öl- und Gas-Leckagen wurden dabei durchschnittlich sieben Mal per Satellit erfasst, die schlimmsten 25 Deponielecks im Schnitt sogar elf Mal.

Das größte einzelne Leck des Jahres 2025 wurde in Texas registriert: Mit 5,5 Tonnen Methan pro Stunde entspricht es den Emissionen von rund einer Million SUVs. Noch erschreckender ist jedoch die geografische Konzentration: 15 der 25 schlimmsten Öl- und Gas-Leckagen weltweit wurden an Anlagen in Turkmenistan festgestellt. Neben Turkmenistan finden sich in der Rangliste laut The Guardian Lecks in den USA, Pakistan, Venezuela und Iran – in den letzten beiden Ländern mehrfach an staatseigenen Einrichtungen.

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Was die Forschenden besonders aufbringt: Die Ursache ist fast immer mangelnde Wartung, die Lösung wäre oft einfach und günstig. Cara Horowitz von der UCLA fasst es so zusammen: „Es ist wirklich zum Wahnsinnigwerden. Diese Lecks entstehen durch schlechte Wartung – wenn man die Infrastruktur ein wenig aufrüstete, ein bisschen Ordnung hielte, könnte man einen wirklich wichtigen Teil des Problems lösen.“ Tatsächlich wäre das Abdichten vieler Lecks sogar wirtschaftlich sinnvoll: Das aufgefangene Gas kann verkauft werden, denn Methan ist nichts anderes als das Erdgas, das Kraftwerke befeuert.

Methanemissionen verursachen derzeit 25 Prozent der globalen Erwärmung, und seit 2007 ist ein erschreckender Anstieg der Konzentration in der Atmosphäre zu beobachten. Wissenschaftler warnen, dass diese Beschleunigung gefährliche Kipppunkte im Klimasystem auslösen könnte. Gleichzeitig ist Methan der schnellste Hebel im Kampf gegen die Erderhitzung: Anders als CO₂, das Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleibt, baut sich Methan innerhalb von etwa einem Jahrzehnt ab. Rasche Maßnahmen würden sich unmittelbar auf die globale Temperatur auswirken – weshalb Fachleute das Abdichten von Methanlecks als den „Notbremsknopf“ des Klimaschutzes bezeichnen.

Dass kaum etwas passiert, macht die Studie zum anklagenden Dokument gegen Untätigkeit. In Turkmenistan stammt ein Großteil der Lecks aus veralteter Sowjet-Infrastruktur, die seit Jahrzehnten nicht grundlegend saniert wurde. In Venezuela und Iran liegen die schlimmsten Leckagen bei staatlich kontrollierten Anlagen – Unternehmen, die auf Anfragen des Guardian nicht reagierten. Die Satellitentechnologie macht das Wegschauen damit schwieriger denn je: Das Carbon Mapper-System nutzt zwei Satelliten, die Leckagen erfassen und durchschnittliche Emissionsraten aus mehreren Messpunkten berechnen. Die Daten zeigen: Die schlimmsten Lecks sind bekannt, die Verantwortlichen identifiziert. Was fehlt, ist der politische Wille zum Handeln.

Quelle: UD
 

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