Klimaschäden neu bewertet: Was CO₂-Emissionen der Lebensqualität kosten
Klimapolitik wird bislang vor allem in Euro und Dollar gerechnet. Eine neue Studie des International Institute for Applied Systems Analysis zeigt nun, was Emissionen tatsächlich kosten: Lebensqualität. Mit einem neuen Modell berechnen Forschende, wie stark heutige CO₂-Emissionen die Lebensjahre künftiger Generationen beeinträchtigen.
19.02.2026
Wie stark der Klimawandel das menschliche Leben beeinflusst, wird bislang meist über ökonomische Kennzahlen bewertet – etwa über den sogenannten „Social Cost of Carbon“. Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Global Sustainability, geht einen anderen Weg: Sie rückt das menschliche Wohlergehen ins Zentrum der Analyse.
Im Fokus steht der von IIASA entwickelte Indikator „Years of Good Life“ (YoGL). Er misst, wie viele Lebensjahre Menschen voraussichtlich in guter körperlicher und geistiger Gesundheit, oberhalb der Armutsgrenze und mit subjektiver Lebenszufriedenheit verbringen können.
Bis zu 11,3 gute Lebensjahre auf dem Spiel
Auf Basis eines globalen Systemmodells zeigt die Studie: Ambitionierter Klimaschutz kann die durchschnittliche individuelle Lebensqualität weltweit um bis zu 10,4 gute Lebensjahre erhöhen. Umgekehrt drohen bei einem ungebremsten Emissionspfad Verluste von bis zu 11,3 Years of Good Life pro Person.
Besonders betroffen sind junge Generationen. Sie tragen die höchsten Wohlfahrtsverluste durch heutige Emissionen – ein deutlicher Hinweis auf intergenerationelle Ungleichgewichte. Zudem zeigt die Analyse geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer verlieren pro emittierter Tonne CO₂ im Modell mehr Lebensqualität, obwohl Frauen im Durchschnitt niedrigere YoGL-Werte aufweisen.
„Wellbeing Cost of Carbon“ als neue Entscheidungsgrundlage
„Unsere Studie zeigt, dass sich Wohlergehen vorausschauend und integriert modellieren lässt – unter Einbeziehung von Klima, Wirtschaft und sozialen Faktoren“, erklärt Studienautorin Sibel Eker. Für die Politik eröffne dies neue Möglichkeiten, Klimaschutz- und Entwicklungsstrategien vergleichbar zu machen – mit dem menschlichen Wohlbefinden als Maßstab.
Auch Koautor Wolfgang Lutz plädiert für ein Umdenken: Statt allein ökonomische Schäden zu beziffern, müsse stärker berücksichtigt werden, wie heutige Emissionen die Lebensqualität zukünftiger Generationen prägen. Die Studie spricht daher bewusst von einem „Wellbeing Cost of Carbon“.
Quelle:
Eker, S. et al. (2026): Wellbeing cost of carbon. Global Sustainability.