Jugend fordert mehr Einfluss auf NRW-Nachhaltigkeitspolitik
Junge Menschen in NRW drängen auf stärkere politische Teilhabe und verbindliche Klimaziele. Beim Beteiligungsformat #MitmischenNRW überreichten Jugendmentoren ihre zentralen Forderungen an Umweltminister Oliver Krischer. Die neue Nachhaltigkeitsstrategie des Landes greift erste Impulse auf – doch die Jugend fordert mehr Verbindlichkeit, transparente Umsetzung und echte Mitgestaltung bei Zukunftsentscheidungen.
11.03.2026
Eine ernsthafte und institutionell verankerte Jugendbeteiligung, kostenfreies ÖPNV-Ticket für junge Menschen, ein klimaneutrales NRW bis 2040 oder das Verursacherprinzip bei allen Umweltschäden – dies sind nur einige der Forderungen, die die Jugendmentoren im Beteiligungsformat #MitmischenNRW gestern Abend an NRW-Umweltminister Oliver Krischer überreicht haben. Die jungen Menschen haben sich die neue Nachhaltigkeitsstrategie des Landes genauer angesehen und Forderungen zur Finalisierung der Strategie aufgestellt.
Die Kernforderungen der jungen Engagierten betreffen sichere, demokratische Strukturen sowie Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der zügigen und effektiven Umsetzung der neuen Nachhaltigkeitsstrategie. So sprechen sich die jungen Menschen für eine rechtliche Verbindlichkeit beim Thema Klimaschutz aus: „Wir müssen die Würde eines jeden Menschen schützen, und das gelingt durch die rechtliche Verankerung von Klimazielen“, so Jugendmentorin Jule Heidbreder (19 Jahre).
Auch politische Teilhabe soll in den Augen der jungen Engagierten gestärkt werden. „Die Zivilgesellschaft muss als zentraler Akteur der Bildung und Demokratie gestärkt werden und politische Arbeit, aber auch der Zugang zu politischen Ämtern, für alle möglich sein“, fordert Akossiwa Sandra Matelot (28), Mentorin bei #MitmischenNRW.
Die Nachhaltigkeitsstrategie.NRW 2026 ist Ende vergangenen Jahres erschienen. Im Vergleich zu ihrem Vorläufer verdoppelt diese Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie nahezu ihre messbare Ziel-Indikatorik und setzt einen neuen Schwerpunkt auf Bildung und Teilhabe. Schon 2023 hatten junge Menschen im Jugendbeteiligungsformat #MitmischenNRW Forderungen zur Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie erhoben.
Laut einer Analyse des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie hat die neue Nachhaltigkeitsstrategie nun rund ein Drittel dieser Forderungen in Indikatoren übersetzt. „Wir begrüßen sehr, dass sich die Landesregierung mit der Nachhaltigkeitsstrategie zu einer langfristigen und ressortübergreifenden Ausrichtung NRWs bekennt und einige der Impulse junger Menschen in die neue Nachhaltigkeitsstrategie aufnimmt. Für die Finalisierung der Strategie braucht es jetzt Mut zur Verbindlichkeit, transparente Umsetzungsmechanismen und eine stärkere und systematische Einbindung insbesondere junger Menschen, die mit den langfristigen Folgen politischer Entscheidungen in NRW leben werden“, so #MitmischenNRW-Projektleiterin Carina Spieß von Germanwatch.
NRW-Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer betonte, als ihm die Jugendforderungen überreicht wurden: „Junge Menschen wollen Zukunftsfragen nicht nur diskutieren, sondern sie sollen aktiv und verbindlich mitgestalten. Genau das brauchen wir in Nordrhein-Westfalen. Die erarbeiteten Vorschläge zeigen Verantwortung und Weitblick. Sie sind ein starker Impuls für die Weiterentwicklung unserer Nachhaltigkeitsstrategie.“
Das Projekt #MitmischenNRW wird von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch in Kooperation mit dem Landesjugendring NRW umgesetzt. Es ist seit 2022 das offizielle Jugendbeteiligungsformat entlang der Nachhaltigkeitsstrategie und wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Projekt bietet außerdem ein Austauschformat, das jungen Menschen ermöglicht, direkt mit Abgeordneten des Landtags und Vertreter:innen der Ministerien NRWs zu sprechen.
„Junge Menschen fühlen sich zunehmend von der Politik übergangen und im Stich gelassen. Insbesondere da sie durch den demografischen Wandel zu einer Minderheit unter Wählenden geworden sind, ist es so wichtig, ihre Perspektiven und Visionen für eine zukunftsfähige Gesellschaft durch Projekte wie MitmischenNRW einzubringen“, sagt Thea Stellpflug (19), Jugendmentorin bei #MitmischenNRW.