Umwelt

Hollywood und die Klimakrise: Rekordwert bei den Oscars 2026 – aber reicht das?

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung hat ein Rekordanteil der nominierten Filme das Thema Klimawandel aufgegriffen. Laut einer Analyse der Organisation Good Energy, ausgewertet von Yale Climate Connections, thematisierten 31 Prozent der in Frage kommenden Nominierungen den Klimawandel – der höchste Wert seit Beginn der Messung im Jahr 2024. Doch Experten mahnen zur Nüchternheit: Hollywood hat die Klimarealität noch immer nicht wirklich angekommen.

10.04.2026

Hollywood und die Klimakrise: Rekordwert bei den Oscars 2026 – aber reicht das?

Die sogenannte „Climate Reality Check“ – ein Bewertungsrahmen, der von Matthew Schneider-Mayerson, Professor an der Rice University, und dem Storytelling-Netzwerk Good Energy entwickelt wurde – stellt zwei einfache Fragen: Existiert der Klimawandel in der Filmwelt? Und erkennt ihn mindestens eine Figur der Geschichte? Von 16 infrage kommenden Nominierungen erfüllten fünf Filme dieses Kriterium: „Arco“, „Bugonia“, „Jurassic World Rebirth“, „The Lost Bus“ und „Sirāt“ – 31 Prozent, der höchste Wert seit Beginn der Messung im Jahr 2024. Good Energy sprach von einem „richtungsweisenden Jahr für das Klima bei den Oscars“.

Jeder der fünf Filme nähert sich der Klimarealität auf eigene Weise. Der für den besten animierten Film nominierte „Arco“ folgt einem Zehnjährigen, der ins Jahr 2075 reist, wo Kuppeln Gemeinschaften vor Waldbränden schützen und die Zukunft als autarke Stadtlandschaft mit Windkraftanlagen und Dachgärten entworfen wird. Überleben ist dort kollektiv, nicht individuell. In „The Lost Bus“ kämpfen ein Busfahrer und eine Lehrerin fünf Stunden lang gegen klimabedingte Waldbrände. Der international nominierte Film „Sirāt“ des spanischen Regisseurs Oliver Laxe schildert eine postapokalyptische Reise durch eine Landschaft voller Kraftstoffknappheit, Wasserarmut und Landminen, während im Radio vom Dritten Weltkrieg berichtet wird. Laxe selbst hat die Kernfrage seines Films schlicht formuliert: „Klimawandel und neue Technologien – die KI – stellen eine grundlegende Frage: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein?“

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Die fünf Filme zusammen spielten weltweit fast eine Milliarde Dollar ein – ein Zeichen, dass klimabewusstes Storytelling auch kommerziell funktioniert. Good Energy schloss daraus: Klimageschichten verkaufen sich. Ein wichtiger Befund angesichts der Tatsache, dass Hollywood-Studios Umweltthemen oft als kommerzielles Risiko betrachten.

Dennoch warnen Beobachter vor vorschnellem Jubel. Yale Climate Connections-Autor Michael Svoboda ordnet die Zahlen in einen wenig schmeichelhaften Kontext ein: In einer Studie zu den 250 populärsten Filmen zwischen 2013 und 2022 hatten nur 9,6 Prozent den Climate Reality Check bestanden. Bei den Oscar-Nominierten im Jahr 2024 lag der Anteil bei 23 Prozent, im Jahr 2025 folgte ein Rückfall auf nur 10 Prozent – und im Jahr 2026 ist der Wert nun auf 31 Prozent gestiegen. Svoboda sieht in dieser Schwankung kein klares Muster: „Es scheint genauso wahrscheinlich, dass das Ergebnis im Jahr 2027 wieder auf die 10 Prozent von 2025 zurückfällt.“ Sein Blick auf die laufenden Filmankündigungen stimmt skeptisch: Im Kinoprogramm für den Rest des Jahres dominieren Zombies, Aliens, Todeswettbewerbe und KI-Thriller – ohne erkennbaren Klimabezug.

Das vielleicht aufschlussreichste Ergebnis der diesjährigen Auswertung ist moralischer Natur: In allen fünf Filmen hängt das Überleben von kollektivem Handeln ab, nicht von individuellen Helden oder technologischer Überlegenheit. Die Geschichten widersetzten sich laut Good Energy dem Mythos, dass Katastrophen unweigerlich zur gesellschaftlichen Auflösung führen. Filmemachen ist in finsteren Zeiten ein Akt des Mutes, heißt es im Bericht.

Bemerkenswert ist zudem, was bei den Oscars im Jahr 2026 fehlte: „The Prime Minister“, ein Dokumentarfilm über die neuseeländische Ex-Regierungschefin Jacinda Ardern, der Klimaschutz als zentrales Thema behandelt, erhielt trotz breiter Anerkennung keine Nominierung. Er gilt Kritikern als ein Beispiel dafür, dass die Academy ihren eigenen Klimaanspruch nicht konsequent zu Ende denkt. Der Weg von Hollywood zu echter Klimaerzählung ist also noch lang – auch wenn die Oscars im Jahr 2026 ein ermutigender Schritt dorthin waren.

Quelle: UD
 

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