Gefährlicher Smog über Südostasien: Bangkok und Vientiane überschreiten Gesundheitsgrenzwerte
Dichte Smogschichten legen derzeit große Teile Südostasiens lahm. In Thailands Hauptstadt Bangkok und in Vientiane, der größten Stadt von Laos, ist die Feinstaubbelastung in dieser Woche auf ein gesundheitlich bedenkliches bis gefährliches Niveau gestiegen. Behörden riefen die Bevölkerung auf, Aktivitäten im Freien zu reduzieren, während Umweltorganisationen erneut vor den strukturellen Ursachen der jährlich wiederkehrenden Smogkrisen warnen.
13.02.2026
In Bangkok lag die durchschnittliche Konzentration von Feinstaubpartikeln der Größe PM2.5 am Mittwochmorgen bei 58,1 Mikrogramm pro Kubikmeter. Damit wurde der nationale Grenzwert von 37,5 Mikrogramm deutlich überschritten. Das Bangkok Air Quality Information Centre stufte die Luftqualität als „orange“ ein – ein Warnniveau, bei dem erste gesundheitliche Auswirkungen auftreten können.
Besonders stark betroffen waren zentrale Stadtteile. Im Bezirk Bang Rak wurden Spitzenwerte von 86,9 Mikrogramm gemessen, in Pathum Wan 83,4 und in Sathorn 78,5. Auch weitere Bezirke wie Chatuchak und Ratchathewi verzeichneten deutlich erhöhte Belastungen.
Der Smog ist kein neues Phänomen. Vor allem während der Trockenzeit verschärfen sich in der Region die Luftprobleme. Verkehrsemissionen, industrielle Abgase, landwirtschaftliche Brandrodungen sowie stabile Wetterlagen mit geringer Luftzirkulation führen dazu, dass Schadstoffe über Tage in den Ballungsräumen verbleiben. Die gesundheitlichen Folgen sind gut dokumentiert: Studien bringen Feinstaubbelastung mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Lungenkrebs und chronische Atemwegserkrankungen in Verbindung. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen.
Die thailändischen Behörden empfehlen der Bevölkerung, beim Aufenthalt im Freien spezielle PM2.5-Schutzmasken zu tragen, körperliche Anstrengung zu vermeiden und auf Symptome wie Husten, Atemnot oder Augenreizungen zu achten. Menschen mit bestehenden Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird geraten, möglichst ganz in Innenräumen zu bleiben.
Als kurzfristige Gegenmaßnahme startete das thailändische Department of Royal Rainmaking and Agricultural Aviation (DRRAA) erneut sogenannte Regen- und Staubbindungsflüge. Mit Flugzeugen von mehreren Luftwaffenstützpunkten werden Wolkenimpfungen und Trockeneisverfahren eingesetzt, um Feinstaubpartikel in höheren Luftschichten zu binden und zu verteilen. Am 14. Januar kamen unter anderem vier Maschinen vom Stützpunkt Hua Hin über den Provinzen Ratchaburi und Samut Songkhram zum Einsatz.
Auch jenseits des Mekong verschärfte sich die Lage. In Vientiane meldete die Messplattform IQAir am Freitagmorgen einen Luftqualitätsindex von 203. Werte oberhalb von 200 gelten international als „sehr ungesund“ bis „gefährlich“. Weitere Städte in Laos waren ebenfalls betroffen: In Luang Prabang lag der Index bei 152, in Pakse bei 126.
Nach Einschätzung von Umwelt- und Gesundheitsexperten ist die wiederkehrende Smogbelastung längst zu einem regionalen Strukturproblem geworden. Aktuelle Studien zeigen, dass die langfristige Belastung durch PM2.5 in Asien in den vergangenen Jahrzehnten zu Millionen vorzeitiger Todesfälle beigetragen hat. Der Klimawandel könnte die Situation weiter verschärfen, da längere Trockenperioden und höhere Temperaturen die Entstehung von Smog begünstigen.
Die Regierungen der Region setzen bislang vor allem auf kurzfristige Maßnahmen. In Thailand wurden offene Feuer stärker eingeschränkt, Kontrollen von Industrieanlagen und Baustellen ausgeweitet und während akuter Smoglagen Homeoffice-Empfehlungen ausgesprochen. Zudem wirbt das Verkehrsministerium für eine stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und von Elektrofahrzeugen. Das Gesundheitsministerium hat die Risikokommunikation intensiviert und Krankenhäuser auf Belastungsspitzen vorbereitet. In Laos rufen die Behörden bei gefährlicher Luftqualität regelmäßig dazu auf, Schul- und Freizeitaktivitäten im Freien einzuschränken – insbesondere zum Schutz von Kindern und älteren Menschen.
Umweltverbände und regionale Organisationen fordern jedoch weitergehende Lösungen. Sie verweisen auf die grenzüberschreitende Dimension der Luftverschmutzung: Rauch aus landwirtschaftlichen Bränden und Abholzung macht nicht an nationalen Grenzen halt. Ohne verbindliche regionale Abkommen, eine konsequentere Regulierung von Brandrodungen und einen beschleunigten Umbau von Verkehr und Energieversorgung werde sich die Smogkrise langfristig kaum entschärfen lassen.