Umwelt

Europa und Deutschland rüsten gegen Klimarisiken: Milliarden für resiliente Infrastrukturen

Während Europa mit immer häufigeren Extremwetterereignissen konfrontiert wird, bereiten die EU und Deutschland umfassende Maßnahmen zur Klimaanpassung vor. Die EU-Kommission hat eine Konsultation für einen integrierten Rahmen zu Klimarisiken gestartet, der Ende 2026 verabschiedet werden soll. Parallel investiert Deutschland bis 2028 über dreieinhalb Milliarden Euro in naturbasierte Klimaschutzprojekte. Die Kosten der Untätigkeit könnten nach EU-Schätzungen bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem BIP-Rückgang von etwa sieben Prozent führen.

17.02.2026

Europa und Deutschland rüsten gegen Klimarisiken: Milliarden für resiliente Infrastrukturen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. 2024 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, mit mindestens 335 Todesopfern und schätzungsweise 413.000 betroffenen Menschen durch Extremwetterereignisse. Nun reagieren die politischen Entscheidungsträger mit konkreten Plänen und substanziellen Investitionen.

Die Europäische Kommission hat Anfang Dezember 2025 eine öffentliche Konsultation zu einem integrierten Rahmen für Klimaresilienz gestartet. Das ambitionierte Projekt zielt darauf ab, klimafeste Technologien und Infrastrukturen in Europa zu stärken und die Vorsorge auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu verbessern. Klima-Kommissar Wopke Hoekstra verwies darauf, dass Europa besonders dringlich handeln müsse, da es der Kontinent sei, der sich weltweit am schnellsten erwärmt. Er erklärte, die EU habe die gemeinsame Pflicht, Menschen und Wohlstand vor Klimarisiken zu schützen, wobei nicht immer klar sei, wer dafür Verantwortung übernehmen sollte und wie. Die erste europäische Klimarisikobewertung helfe nun, diese Frage zu beantworten. Hoekstra betonte ausdrücklich, es sei ökonomisch sinnvoller, jetzt Klimaresilienz aufzubauen, als später die Kosten der Klimaschäden zu tragen.

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Die Konsultation läuft bis Ende Februar 2026 und richtet sich an Bürger, Unternehmen, regionale Behörden, die Zivilgesellschaft und Interessengruppen. Der geplante EU-Rahmen wird insbesondere die Gesundheit und das Wohlergehen aller Europäer schützen, Klimarisiken mit erheblichen Auswirkungen antizipieren und verringern sowie innovative klimaresiliente Technologien, Produkte und Dienstleistungen fördern.

Götz Reichert vom Centrum für europäische Politik sieht die Initiative grundsätzlich positiv. Es sei sachgerecht und europarechtlich geboten, dass die EU Klimarisiken vorsorgend begegnen will, erklärte der Jurist, der die Kommissionsmitteilung zusammen mit der Klimaexpertin Svenja Schwind untersucht hat. Risikoträger zu identifizieren und zu klären, wer auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene Anpassungsmaßnahmen vornehmen muss, könne nach Ansicht der Forscher Zuständigkeitslücken beheben, Doppelarbeit vermeiden und die Gesamtkoordination vereinfachen.

Auch Matteo Lepore, Bürgermeister von Bologna und Berichterstatter des Europäischen Ausschusses der Regionen, fordert ein umfassendes Vorgehen. Die Anpassung an den Klimawandel sei eine enorme Herausforderung für die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften, die mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz angegangen werden müsse. Man müsse sicherstellen, dass die richtigen Daten vorliegen, intelligente, naturbasierte Lösungen entwickelt werden, in Infrastruktur investiert werde und alle Bereiche der Gesellschaft einbezogen würden. Der neue integrierte Rahmen der Europäischen Kommission für die europäische Klimaresilienz müsse zusammen mit den Städten und Regionen aufgebaut werden und auch die entscheidende Frage der notwendigen Ressourcen und Kapazitäten zur Vorbereitung auf die Zukunft angehen.

Während die EU die rechtlichen Rahmenbedingungen schafft, hat Deutschland bereits konkrete Maßnahmen eingeleitet. Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz stellt von 2024 bis 2028 mehr als dreieinhalb Milliarden Euro zur Verfügung. Für 2026 sind insgesamt 821 Millionen Euro eingeplant, in den Folgejahren sollen die Mittel nach dem Finanzplan des Bundes auf mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen.

Die Bundesregierung konzentriert sich dabei auf die Stärkung natürlicher Ökosysteme wie Wälder, Moore, Böden und Meere. Diese Lebensräume sind in der Lage, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden und langfristig zu speichern, wenn sie gesund und ökologisch intakt sind. Bundesumweltminister Carsten Schneider legte im September 2025 ein Paket mit 41 Maßnahmen vor, mit denen das Aktionsprogramm in die zweite Umsetzungsphase gehen soll. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Wäldern, Mooren und Böden.

Die Mittel werden vorwiegend eingesetzt, um Moore, Wälder und Auen wiederherzustellen, Wildnisflächen zu erwerben sowie Maßnahmen zum natürlichen Klimaschutz in Meeren und an den Küsten sowie auf Siedlungs- und Verkehrsflächen zu finanzieren. Finanzielle Anreize sind auch für die Umstellung auf klimaschützende und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftungsformen in der Land- und Forstwirtschaft vorgesehen. Damit eng verbunden ist die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten wie etwa verschiedene Formen von Paludikulturen auf wiedervernässten Moorböden.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten auch vulnerable Personengruppen in sozialen Einrichtungen. Das Bundesumweltministerium fördert die Klimaanpassung in Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, in denen Menschen betreut werden, die besonders von der Klimaerhitzung betroffen sind. Die Förderrichtlinie legt einen besonderen Fokus auf naturbasierte Lösungen wie Gründächer, Bepflanzungen, Entsiegelungen oder die Anlage von Wasserflächen, die sowohl zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen der Klimaerhitzung als auch zum natürlichen Klimaschutz beitragen.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke betonte bereits 2023 die Dringlichkeit solcher Maßnahmen. Die Folgen der Klimakrise machten vor allem vulnerablen Gruppen zu schaffen. Kinder, ältere oder kranke Menschen litten zum Beispiel ganz besonders unter langen Hitzeperioden. Soziale Einrichtungen übernähmen eine besondere Verantwortung, wenn sie Vorsorge etwa mit Verschattung und Kühlung als Hitzeschutz treffen.

Die Förderung umfasst drei Schwerpunkte: die Erstellung von Konzepten zur nachhaltigen Anpassung an die Klimakrise mit einer maximalen Fördersumme von 70.000 Euro, die Umsetzung von vorbildhaften Maßnahmen auf der Grundlage von Klimaanpassungskonzepten mit bis zu 500.000 Euro sowie die übergeordnete Unterstützung durch Beauftragte für Klimaanpassung in der Sozialwirtschaft als Personalausgabenförderung bis maximal 175.000 Euro.

Die Zeit drängt: Laut einer Eurobarometer-Umfrage sehen 77 Prozent der Europäer den Klimawandel als sehr ernstes Problem an, und mehr als jeder dritte fühlt sich bereits selbst Klimarisiken ausgesetzt. Konservativen Annahmen zufolge könnten die Schäden durch Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände, Krankheiten, Ernteausfälle oder Hitzewellen ohne vorbeugend getätigte Investitionen bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem Rückgang des BIP der EU um etwa sieben Prozent führen.

Die Botschaft ist klar: Jeder Euro, der für Prävention und Vorsorge ausgegeben wird, bringt Vorteile für alle mit sich, die über die anfänglichen Investitionen hinausgehen. Jeder Euro, der zur Behebung von Schäden benötigt wird, fehlt hingegen für produktivere Investitionen. Europa und Deutschland haben erkannt, dass Klimaanpassung keine Option, sondern eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeit ist.

Quelle: UD
 

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