Das versteckte CO₂-Erbe der deutschen Gamer
Deutschlands Gaming-Markt boomt, doch der Stromverbrauch der 53,2 Millionen Spieler belastet Umwelt und Geldbeutel. Laut einem Bericht von PlayersTime verursachen sie jährliche Stromkosten von 4,5 Milliarden Euro und drei Millionen Tonnen CO₂. Angesichts hoher Energiepreise von 0,41 €/kWh wird Gaming zum Kostenfaktor, der dem CO₂-Ausstoß von 1,6 Millionen Haushalten entspricht.
20.02.2026
Während Deutschlands Energieregulierungsbehörde für dieses Jahr eine potenzielle Senkung der Strompreise prognostiziert, rückt die Überwachung des Energieverbrauchs privater Haushalte immer stärker in den Fokus der Politik. In diesem spannungsgeladenen Kontext offenbart eine aktuelle Analyse des Teams von PlayersTime die massiven ökologischen und finanziellen Auswirkungen des hiesigen Gaming-Sektors. Deutschland ist mit 53,2 Millionen aktiven Spielern im Jahr 2025 der größte Gaming-Markt Europas. Doch dieser Erfolg hat Schattenseiten: Die Studie zeigt auf, dass der Stromverbrauch der Spieler eine „substanzielle und weitgehend unsichtbare Unterhaltungsausgabe“ darstellt, die national skaliert eine enorme Tragweite besitzt.
Um die realen Kosten des modernen Spielens zu ermitteln, analysierten die Experten von PlayersTime offizielle Hardwarespezifikationen sowie Nutzungsdaten populärer Titel. Die Emissionsberechnungen basieren dabei auf dem Greenhouse Gas Equivalencies Calculator der US EPA, während Engagement-Zahlen von Branchengrößen wie Newzoo und HowLongToBeat stammen. Die detaillierten Ergebnisse, die für jedermann über einen Link zu Google Drive einsehbar sind, verdeutlichen die ökologische Last.
Ein zentraler Aspekt der Untersuchung ist der Vergleich zwischen den Plattformen. Der Bericht stellt fest, dass die Wahl des Endgeräts über Millionen Tonnen CO₂ entscheidet. Würden alle deutschen Gamer ausschließlich auf dem PC spielen, läge der jährliche Stromverbrauch bei etwa 10.955 GWh. Dies generiert laut PlayersTime „rund 3,09 Millionen Tonnen CO₂, was den Emissionen aus der Elektrifizierung von 1,6 Millionen durchschnittlichen deutschen Häusern für ein Jahr entspricht“. Im Gegensatz dazu würde ein vollständiger Wechsel auf die PlayStation 5 Pro den ökologischen Fußabdruck auf etwa 1,89 Millionen Tonnen senken. Trotz dieser Halbierung bleibt die Belastung laut den Analysten erheblich, da dies immer noch der Energie entspricht, die zum Laden von 4,8 Milliarden Smartphones benötigt wird.
Besonders brisant ist die finanzielle Komponente für die Verbraucher. Deutschland weist mit durchschnittlich 0,41 Euro pro kWh einige der höchsten Strompreise weltweit auf. Dies führt dazu, dass jede Stunde am PC „signifikant teurer ist als in den meisten anderen großen Märkten“. Ein durchschnittlicher PC-Spieler, der etwa 514 Stunden im Jahr spielt, muss allein für den Strom rund 85 Euro kalkulieren. Für leidenschaftliche „Hardcore-Gamer“ mit über 1.660 Stunden Jahresplaytime klettert dieser Betrag auf etwa 270 Euro. Das Team von PlayersTime merkt dazu an, dass dieser Betrag bereits dem „Gegenwert von zwei neuen AAA-Spielen“ entspricht, nur um die Hardware am Laufen zu halten.
In der Gesamtschau ergibt sich für den deutschen Markt eine Summe von über 4,5 Milliarden Euro an jährlichen Stromkosten, die anfallen, noch bevor Ausgaben für Spiele, Abonnements oder Hardware-Upgrades berücksichtigt werden. Obwohl die Stromkosten für das Individuum oft wie eine bloße Randnotiz im Haushaltsbudget wirken, summieren sie sich bei über 53 Millionen Spielern zu einer nationalen Großlast.
Auch im globalen Vergleich behauptet Deutschland eine Spitzenposition bei der Umweltbelastung durch Videospiele. Auf der Weltbühne rangiert die Bundesrepublik an sechster Stelle. Angeführt wird die Liste von China, wo 723 Millionen Gamer jährlich mehr als 42 Millionen Tonnen CO₂ produzieren. Es folgen die Vereinigten Staaten mit 224,8 Millionen Spielern und 13,1 Millionen Tonnen sowie Brasilien mit rund 7,2 Millionen Tonnen CO₂. Auch Mexiko und Japan liegen in der Statistik noch vor Deutschland. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Gaming längst kein ökologisches Nischenthema mehr ist, sondern ein signifikanter Faktor in der globalen Energie- und Klimabilanz.