Buschbrände in Australien: Versicherer rufen Katastrophenfall aus – Klimarisiken spitzen sich zu
Die schweren Buschbrände im australischen Bundesstaat Victoria entwickeln sich zunehmend zu einer Belastungsprobe für Menschen, Infrastruktur und Versicherungswirtschaft. Angesichts stark steigender Schadensmeldungen hat der australische Versicherungsverband Insurance Council of Australia (ICA) den Katastrophenfall ausgerufen. Branchenanalysten warnen, die Brände seien ein weiteres Beispiel für die wachsenden finanziellen Risiken des Klimawandels.
12.02.2026
Die Katastrophenerklärung gilt für Buschfeuer in 18 Kommunen, die seit dem 7. Januar weite Teile Victorias erfasst haben. Bislang meldeten Versicherer 2.369 Schadenfälle, darunter beschädigte oder zerstörte Wohnhäuser, Gewerbeimmobilien und Fahrzeuge. Nach ersten Schätzungen gelten rund 30 Prozent der betroffenen Gebäude als Totalschäden – die Reparaturkosten würden die Kosten eines Neubaus übersteigen.
Mit der Hochstufung reagiert die Branche auf die zunehmende Schadendynamik. Die Katastrophenklassifizierung folgt auf eine frühere Einstufung als „signifikantes Ereignis“ und soll die Unterstützung für Betroffene beschleunigen. Versicherer priorisieren nun Schadenmeldungen, entsenden spezialisierte Einsatzteams, sobald die Sicherheitslage dies zulässt, und koordinieren ihr Vorgehen über eine branchenweite Taskforce.
„Diese Buschbrände haben viele Gemeinden in Victoria schwer getroffen. Für die Versicherer hat es oberste Priorität, den Betroffenen so schnell wie möglich zu helfen“, erklärte ICA-Vizegeschäftsführerin Kylie Macfarlane. Sie rief Hausbesitzer und Unternehmen dazu auf, Schäden auch dann zu melden, wenn sie noch keinen vollständigen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung haben oder ihre Grundstücke noch nicht betreten konnten.
Die verschärfte Reaktion der Versicherungswirtschaft fällt in eine Feuersaison, die Analysehäuser wie Moody’s als eine der gefährlichsten seit den verheerenden „Black Summer“-Bränden der Jahre 2019 und 2020 einstufen. Nach Einschätzung von Moody’s haben langanhaltende Hitze und extreme Trockenheit zu Beginn des Jahres erneut Südostaustralien erfasst – nach bereits außergewöhnlichen Wetterereignissen im vergangenen Jahr. Die Risiken wirkten dabei nicht isoliert, sondern verstärkten sich gegenseitig.
Allein in Victoria sind bislang mehr als 400.000 Hektar Buschland und landwirtschaftliche Flächen verbrannt – eine Fläche, die mehr als fünfmal so groß ist wie Singapur. Mitte Januar waren rund 30 Brände aktiv, darunter große Feuer bei Longwood, Walwa und Ravenswood. Für dieselben 18 Kommunen, die unter die Katastrophenerklärung der Versicherer fallen, wurde auch der staatliche Katastrophenfall ausgerufen. Temperaturen von über 40 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde verschärften die Lage zusätzlich.
Nach Angaben von Moody’s wurden bereits Hunderte Gebäude beschädigt oder zerstört, große Flächen landwirtschaftlicher Nutzfläche in Mitleidenschaft gezogen und rund 20.000 Nutztiere getötet. Stromausfälle betrafen zeitweise Tausende Haushalte und Betriebe. Die Gefahrenstufen erreichten in Teilen des Bundesstaates die höchsten Kategorien „extrem“ und „katastrophal“, mit Auswirkungen bis in benachbarte Regionen von New South Wales.
Zusätzliche Risiken ergaben sich durch nachfolgende Unwetter. Am 15. Januar fielen an der Südwestküste Victorias stellenweise bis zu 166 Millimeter Regen innerhalb eines Tages. Entlang der Great Ocean Road kam es zu Sturzfluten – nur kurze Zeit nachdem die Strecke wegen akuter Buschbrandgefahr gesperrt worden war. Zwar kann Regen die Feuer eindämmen, gleichzeitig steigt jedoch das Risiko von Erdrutschen und Überschwemmungen.
„Was 2026 besonders macht, ist nicht allein die Zahl der Brände, sondern die Kombination mehrerer Großfeuer mit extremen Wetterbedingungen in Regionen mit hoher Bebauungsdichte“, erklärte Iuliia Shustikova, Produktmanagerin bei Moody’s. Wohnhäuser und Gewerbebetriebe seien direkt in die Feuerfronten geraten – mit entsprechend hohen humanitären und wirtschaftlichen Schäden.
Vergleiche mit den „Black Summer“-Bränden drängen sich auf. Damals verbrannten in New South Wales mehr als zehn Millionen Hektar Land und in Victoria rund 1,5 Millionen Hektar, Tausende Häuser wurden zerstört. Zwar sei es noch zu früh, die versicherten Gesamtschäden der aktuellen Brände zu beziffern, so Moody’s. Die entscheidende Lehre für Versicherer liege jedoch weniger in der absoluten Flächenausdehnung als in der zunehmenden Häufung sogenannter zusammengesetzter Risiken: Hitze, Dürre, Wind und gleichzeitige Zündungen könnten die Brandbekämpfung schnell an ihre Grenzen bringen.
Auch internationale Beispiele unterstreichen diese Entwicklung. Moody’s verweist auf einen Großbrand im Raum Los Angeles im Januar 2025, der außerhalb der klassischen Waldbrandsaison ganze Wohnviertel zerstörte. Ein Jahr später waren dort weniger als zehn Prozent der Häuser wiederaufgebaut. Für Versicherer entstehen dadurch langfristige Belastungen, etwa durch Kosten für Ersatzunterkünfte und Betriebsunterbrechungen.
Die aktuellen Brände in Australien verdeutlichen damit erneut, dass der Klimawandel nicht nur ökologische und soziale Folgen hat, sondern auch die Versicherbarkeit von Risiken grundlegend infrage stellt – mit wachsenden Auswirkungen auf Märkte, öffentliche Haushalte und private Haushalte gleichermaßen.