Umwelt

Biomasse-Betrug? Wie RWE Milliarden an Subventionen kassierte

In den Niederlanden droht dem deutschen Energiekonzern RWE eine Strafverfolgung wegen mutmaßlichen Betrugs bei der Biomasse-Zertifizierung. Umweltorganisationen werfen dem Unternehmen vor, Milliarden an staatlichen Subventionen kassiert zu haben, indem es Holzpellets aus ganzen Bäumen als harmlosen Sägewerksabfall deklarierte. Die niederländische Staatsanwaltschaft prüft eine Klageerhebung.

09.04.2026

Biomasse-Betrug? Wie RWE Milliarden an Subventionen kassierte

Der Fall erschüttert das ohnehin fragile Fundament europäischer Bioenergiepolitik: Dass Biomasse als „klimaneutral“ gilt und daher massiv subventioniert wird, war stets umstritten. Wissenschaftler weisen seit Jahren darauf hin, dass Biomassekraftwerke pro erzeugter Energieeinheit 150 Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emissionen von Kohle ausstoßen – und bis zu 400 Prozent im Vergleich zu Erdgas. Trotzdem verteidigen EU-Mitgliedstaaten ihre Zertifizierungssysteme als Instrument zur Erreichung nationaler Netto-Null-Ziele.

Nun erhält der Streit erstmals eine strafrechtliche Dimension. Wie Mongabay berichtet, hat das niederländische Nationale Umweltverbrechensteam die Umweltorganisation Comite Schone Lucht aufgefordert, eine Strafanzeige gegen RWE einzureichen. Fenna Swart, Leiterin von Comite Schone Lucht, erklärt gegenüber Mongabay: „Der öffentliche Anklagedienst hat bereits sein erstes Treffen abgehalten und bestätigt, dass er die behaupteten Verstöße sehr ernst nimmt. Angesichts der erheblichen politischen Sensibilität und ihrer potenziell weitreichenden Folgen – nicht nur für die Niederlande, sondern auch für die EU-Klimapolitik – sind sie bestrebt, die Angelegenheit mit größter Sorgfalt zu behandeln.“

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Der Kern des Vorwurfs: RWE soll in großem Stil Holzpellets aus Malaysia importiert und als sogenannte „Kategorie 5“-Biomasse deklariert haben – also ausschließlich aus Sägewerksabfällen hergestellt. Solche Pellets unterliegen weniger strengen Zertifizierungsanforderungen und sind in den Niederlanden besonders förderungsfähig. Die Recherchen von Comite Schone Lucht und der britischen Organisation Biofuelwatch sollen jedoch belegen, dass die Pellets größtenteils aus ganzen Bäumen stammen – und damit zur Entwaldung in Malaysia beitragen.

RWE weist die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte schriftlich, man habe bis Januar 2026 ausschließlich Kategorie-5-Biomasse eingesetzt, alle Zertifikate lägen vor und dies sei durch Untersuchungen der niederländischen Emissionsbehörde bestätigt worden. RWE ist einer der drei größten niederländischen Energieproduzenten und bezieht 15 Prozent seiner Kapazität aus der Verbrennung von Holzpellets, die aus Asien, Osteuropa und den USA importiert werden.

Entschieden werden sollte der Fall bis Ende März 2026 – mit potenziell weitreichenden Konsequenzen. Sollte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnen, wäre es das erste seiner Art in Europa und könnte das gesamte EU-Biomasse-Subventionssystem ins Wanken bringen. Denn RWE ist kein Einzelfall: Ähnliche Manipulationsvorwürfe wurden in den vergangenen Jahren gegen Biomasseproduzenten in Estland, Lettland und den USA erhoben – stets mit dem Ergebnis, dass Zertifikate ausgestellt wurden, ohne die tatsächliche Herkunft des Holzes zu überprüfen. Die Affäre zeigt: Was als grüne Energiepolitik verkauft wird, kann im schlimmsten Fall Waldvernichtung mit staatlichem Geld finanzieren.

Quelle: UD
 

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