Soziales

Madagaskars Gen Z brachte eine Junta an die Macht – und wird jetzt von ihr verfolgt

Im Herbst 2025 stürzten Jugendproteste Madagaskars Präsidenten Andry Rajoelina. Doch das Militär, das die Bewegung übernahm, verfolgt seither eben jene Aktivisten, die den Wandel erzwangen. Amnesty International fordert sofortige Freilassungen vor geplanten Protesten.

08.05.2026

Madagaskars Gen Z brachte eine Junta an die Macht – und wird jetzt von ihr verfolgt

Es ist eine Geschichte, die sich auf dem afrikanischen Kontinent wiederholt: Ein Volksaufstand bringt das Militär an die Macht, das Militär verspricht Reformen und vertieft stattdessen die Repression. In Madagaskar begann die Sequenz im September 2025, als Tausende junger Menschen auf die Straßen gingen, um gegen anhaltende Strom- und Wasserausfälle zu protestieren. Sechs Monate nach dem Putsch, der daraus folgte, ist die Bewegung, die ihn ermöglichte, zum Ziel der neuen Machthaber geworden.

Am 25. September 2025 versammelten sich in Antananarivo zunächst Studierende, bald auch Bürger aus dem ganzen Land. Sie verlangten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, ein Ende der Korruption – und den Rücktritt von Präsident Andry Rajoelina, dessen französische Staatsbürgerschaft zusätzliche Empörung auslöste. Als die Eliteeinheit CAPSAT am 11. Oktober die Seiten wechselte und sich den Demonstrierenden anschloss, war Rajoelinas Schicksal besiegelt. Am 17. Oktober wurde CAPSAT-Oberst Michael Randrianirina als Interimspräsident vereidigt, wie Wikipedia festhält. Der Putsch – von manchen Analysten als „Coupvolution“ bezeichnet – hatte seine Legitimation aus der Straße bezogen, nicht aus der Verfassung.

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Die neuen Behörden versprachen eine Null-Toleranz-Politik gegen Korruption und Reformen. Was folgte, war laut Amnesty International eine Vertiefung der Repression. Der Haushaltsplan 2026 wurde ohne Beteiligung der Gen-Z-Bewegung und der Zivilgesellschaft verabschiedet und privilegiert Gehälter und Verwaltungskosten, während Investitionen in Wasser, Strom, Bildung und Gesundheit marginal bleiben. Eine Wahrheitskommission zur Aufarbeitung von Tötungen durch Sicherheitskräfte während der Proteste wurde nicht operationalisiert.

Amnesty International dokumentiert nun eine verschärfte Repressionswelle gegen Gen-Z-Aktivisten und Zivilgesellschaft. Das Institut für Sicherheitsstudien (ISS Africa) beschreibt das Muster als typisch für afrikanische Junta-Transitionen: Protestierende erleben „Reue des Käufers“, weil das Militär die Revolution kaperte und ihre Forderungen ignorierte. Tigere Chagutah, Regionaldirektorin von Amnesty International für Ost- und Südafrika, wählte in ihrer Stellungnahme gegenüber Amnesty International klare Worte: „Madagassische Behörden verwenden bewusst vage Anklagen wegen krimineller Verschwörung, Bedrohung der nationalen Sicherheit und Destabilisierung des Staates, um Gen-Z-Aktivisten und Mitglieder der Zivilgesellschaft zum Schweigen zu bringen. Niemand sollte willkürlich verhaftet, inhaftiert oder zum Verschwindenlassen gebracht werden, nur weil er seine Bedenken über die Führung seines Landes äußert.“

Chagutah beschreibt die Praktiken als klare Verletzungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungsfreiheit und friedliche Versammlung: „Diese autoritären Praktiken zielen darauf ab, ein Klima der Angst zu etablieren und gleichzeitig der Rechenschaftspflicht über Regierungspolitik, Ernennungen und die Verwaltung öffentlicher Ressourcen auszuweichen.“ Amnesty fordert die sofortige Freilassung aller wegen Ausübung ihrer Rechte inhaftierten Personen sowie die Offenlegung des Verbleibs aller zwangsweise Verschwundenen.

Madagaskar steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die die Afrikanische Union (AU) veranlasst hat, das Land wegen eines verfassungswidrigen Machtwechsels zu suspendieren, während die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft SADC die Suspendierung vermied, weil die Machtübergabe durch das Verfassungsgericht formal bestätigt worden war. Randrianirina hat eine 24-monatige Übergangsfrist mit Präsidentschaftswahlen 2027 angekündigt. Ob er diesen Fahrplan einhält, ist nach den Erfahrungen vergleichbarer Militärübergänge in Mali, Guinea, Sudan und Ägypten fraglich, wie das ISS Africa feststellt.

Die Situation macht deutlich, wie fragil demokratische Erwartungen sind, die sich auf einen Militärputsch stützen. Madagaskars Gen-Z-Bewegung kämpfte für bessere Wasserversorgung und gegen Korruption – und wurde von der Junta, die sie mit ans Ruder brachte, als Bedrohung neu etikettiert. Die Frage, ob der angekündigte Übergang zu freien Wahlen führt oder der Machtkonsolidierung dient, wird in den nächsten Monaten beantwortet werden.

Quelle: UD
 

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