Importverbote als Waffe gegen Zwangsarbeit: ILO sieht Potenzial und Grenzen
Die Internationale Arbeitsorganisation sieht in Importverboten ein wirksames Instrument im Kampf gegen Zwangsarbeit. Laut einer aktuellen Analyse können Handelsbeschränkungen Unternehmen zum Umdenken bewegen und Lieferketten transparenter machen. Doch Experten warnen: Ohne flankierende Maßnahmen und internationale Kooperation drohen die Verbote ins Leere zu laufen oder sogar kontraproduktiv zu wirken.
27.02.2026
Der globale Handel steht zunehmend unter ethischem Druck. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat untersucht, inwieweit Importverbote zur Bekämpfung von Zwangsarbeit beitragen können. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Handelsbeschränkungen haben durchaus das Potenzial, Unternehmen zu nachhaltigeren Praktiken zu bewegen, doch ihre Wirksamkeit hängt von zahlreichen Faktoren ab.
Zwangsarbeit ist ein massives globales Problem. Nach Schätzungen der ILO sind weltweit mehr als 27 Millionen Menschen von moderner Sklaverei betroffen. Sie arbeiten in Minen, auf Plantagen, in Textilfabriken oder auf Fischerbooten unter Bedingungen, die ihre Menschenwürde massiv verletzen. Die Produkte ihrer Arbeit gelangen über komplexe Lieferketten in die Regale europäischer und amerikanischer Geschäfte. Lange Zeit kümmerte das kaum jemanden, doch das ändert sich.
Immer mehr Länder erlassen Gesetze, die den Import von Waren verbieten, die ganz oder teilweise unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt wurden. Die USA haben mit dem Uyghur Forced Labor Prevention Act einen besonders weitreichenden Schritt unternommen. Das Gesetz vermutet bei allen Produkten aus der chinesischen Region Xinjiang Zwangsarbeit, solange Importeure nicht das Gegenteil nachweisen können. Die Europäische Union arbeitet an ähnlichen Regelungen.
Die ILO-Analyse zeigt, dass solche Importverbote tatsächlich Wirkung entfalten können. Unternehmen, die vom Zugang zu wichtigen Märkten abgeschnitten sind, geraten unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Dies kann dazu führen, dass sie ihre Lieferketten gründlicher überprüfen und problematische Zulieferer aussortieren. Zudem steigt die Nachfrage nach Transparenz und Nachweisbarkeit, was grundsätzlich positive Entwicklungen sind.
Allerdings warnen die Experten auch vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen. Wenn Importverbote nicht sorgfältig implementiert werden, treffen sie möglicherweise die falschen Akteure. Kleinbauern und legitime Produzenten in den betroffenen Regionen können ihre Absatzmärkte verlieren, während die eigentlichen Profiteure von Zwangsarbeit einfach in andere Märkte ausweichen oder ihre Waren über Drittländer umleiten. Die Opfer von Zwangsarbeit selbst verlieren im schlimmsten Fall ihre Einkommensquelle, ohne dass sich ihre Situation verbessert.
Ein weiteres Problem ist die Durchsetzung. Die Überprüfung komplexer globaler Lieferketten ist extrem aufwendig. Rohstoffe wechseln mehrfach den Besitzer, werden weiterverarbeitet und mit anderen Materialien vermischt. Ohne umfassende Dokumentation und internationale Zusammenarbeit zwischen Zollbehörden ist es nahezu unmöglich, den Ursprung jeder Komponente eines Produkts zweifelsfrei nachzuvollziehen. Kriminelle Netzwerke sind oft einen Schritt voraus und passen ihre Strategien schnell an.
Die ILO betont daher, dass Importverbote nur ein Element in einem umfassenderen Ansatz sein können. Notwendig sind zusätzlich Investitionen in die Stärkung von Arbeitsinspektionen in den Produktionsländern, die Förderung gewerkschaftlicher Organisation und die Unterstützung von Opfern von Zwangsarbeit. Auch die Zusammenarbeit mit den Regierungen der betroffenen Länder ist entscheidend, denn nachhaltige Veränderungen können nur erreicht werden, wenn die Ursachen von Zwangsarbeit wie extreme Armut und fehlende Rechtsdurchsetzung angegangen werden.
Für Verbraucher bleibt die Lage unbefriedigend. Trotz zunehmender Regulierung ist es kaum möglich, beim Einkauf mit Sicherheit auszuschließen, dass ein Produkt unter ausbeuterischen Bedingungen entstanden ist. Importverbote können helfen, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, doch ein Allheilmittel sind sie nicht.