Das Engagement am Arbeitsplatz in Deutschland nach wie vor auf niedrigem Niveau

Nahezu neun von zehn Arbeitnehmern hierzulande verspüren keine echte Verpflichtung gegenüber ihrer Arbeit (87 Prozent): 69 Prozent der Beschäftigten machen lediglich Dienst nach Vorschrift, 18 Prozent haben die innere Kündigung bereits vollzogen. Damit bleibt der Anteil der Beschäftigten, bei denen sich nur eine geringe oder keine emotionale Bindung im Job ausmachen lässt, auf hohem Niveau stabil (2003: 88 Prozent).

02.11.2004

Ein bedeutsamer Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern lässt sich dabei nicht ausmachen. Lediglich 13 Prozent der Mitarbeiter hierzulande weisen eine hohe emotionale Bindung auf (2003: 12 Prozent). Dies ist das Ergebnis der jüngsten Untersuchung der Gallup GmbH zum Grad der emotionalen Gebundenheit am Arbeitsplatz in Deutschland, die seit dem Jahr 2001 jährlich durchgeführt wird. Zielsetzung des Gallup Engagement Index ist es, die drei Bindungsgruppen regelmäßig zu monitoren, um eine Vergleichziffer zu ermitteln, an der sich Unternehmen hierzulande, aber auch die ganze Volkswirtschaft messen können.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden (u.a. aufgrund hoher Fehlzeiten, niedriger Produktivität), der sich durch das derzeitige Engagement-Niveau in Deutschland ergibt, ist erheblich. Er beläuft sich auf eine Summe zwischen 234 und 245 Milliarden Euro, wobei alleine der Schaden, der auf die Gruppe der Arbeitnehmer ohne emotionale Bindung zurückgeht, mit 88 bis 92 Milliarden Euro angegeben werden kann.

Der Anteil der Arbeitnehmer in Deutschland, die eine hohe emotionale Bindung an ihre berufliche Aufgabe und zum Arbeitsumfeld bzw. gegenüber ihrem Arbeitgeber aufweisen, fällt mit 13 Prozent deutlich geringer aus als in anderen Ländern. In den USA beispielsweise weisen 29 Prozent der Beschäftigten eine derartige Bindung auf, in Großbritannien sind es 19 Prozent, was für die dortige Wirtschaft einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber Deutschland darstellt. In diesen Ländern herrscht bereits seit einigen Jahren ein deutlich stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung des Humankapitals vor, als dies bisher bei uns der Fall ist. Denn: die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens hängt neben dem Geschäftsmodell zu einem nicht unerheblichen Teil von den Mitarbeitern ab.

Frankreich liegt mit Deutschland, was den Anteil der ArbeitnehmerInnen mit einer hohen emotionalen Bindung angeht, gleich auf, verfügt aber über einen deutlich höheren Anteil an Beschäftigten ohne emotionale Bindung als die übrigen Länder (31 Prozent - zum Vergleich: Deutschland: 18 Prozent; Großbritannien: 20 Prozent; Vereinigte Staaten von Amerika: 17 Prozent). In Singapur liegt der Anteil der MitarbeiterInnen mit einer hohen emotionalen Bindung bei sechs Prozent.

Das für Deutschland zutage geförderte Ergebnis ist nicht als generelle Schelte in Richtung Arbeitnehmer zu verstehen. Für die Mehrheit von ihnen besitzt Arbeit nämlich einen hohen Stellenwert im Leben. Selbst wenn sie so viel Geld erben würden, dass sie nicht mehr zu arbeiten bräuchten - also ein finanziell sorgenfreies Lebens möglich wäre - würden sieben von zehn Befragten nicht kündigen, sondern weiterhin ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Dieser Anteil erweist sich seit Jahren als äußerst stabil. Die Beschäftigten sind grundsätzlich also nicht als Leistungsverweigerer anzusehen. Sie weisen ein positives Verhältnis zur Arbeit auf.

Das Problem ist weitestgehend "hausgemacht" und geht auf schlechte Führung in den Unternehmen hierzulande zurück. Kritik seitens der Arbeitnehmer wird dabei seit Jahren an den immer gleichen Aspekten geübt: Es mangelt an Anerkennung und Lob für gute Arbeit, dabei ist dies ein ganz entscheidender Motivationsfaktor für Mitarbeiter. Es sollte sich jedoch hier um berechtigtes und ernstgemeintes Lob handeln. Ein Mitarbeiter nimmt durchaus wahr, wenn die "Schulterklopfmaschine" nur um des Lobens willen angeworfen wird. Ferner wird von den Beschäftigten beanstandet, dass sich niemand im Unternehmen für sie als Mensch interessiert, die Förderung der individuellen Entwicklung auf der Strecke bleibt, kein regelmäßiges Feedback über persönliche Fortschritte gegeben wird und ihre Meinung und Ansicht kaum Gewicht haben. Besonders dann, wenn die eigene Meinung im Arbeitsalltag und bei Problemlösungen kein Gehör findet, macht sich mit der Zeit Resignation breit. Schließlich geben die Arbeitnehmer an, eine Position auszufüllen, die ihnen nicht wirklich hundertprozentig liegt.
Quelle: UD
 
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