Wenn der Klimawandel zur Kapitalmarktfrage wird: Zwei Anleihen, zwei Strategien
Während Kanadas Regierung mit grünen Anleihen die Dekarbonisierung finanziert, boomt parallel ein anderer Markt: Katastrophenanleihen versprechen Investoren hohe Renditen, wenn Hurrikane ausbleiben. Doch die Rechnung könnte nicht aufgehen.
29.04.2026
Ottawa hat Anfang Februar eine neue zehnjährige grüne Anleihe aufgelegt. Die Emission folgt auf eine Transaktion im Oktober, bei der die kanadische Regierung 2,5 Milliarden Dollar einnahm. Für Anleger zeigt sich dabei eine bemerkenswerte Entwicklung: Das Klimarisiko wird in zwei entgegengesetzte Richtungen bepreist. Während grüne Anleihen die Dekarbonisierung vorantreiben sollen, versucht die Versicherungsbranche mit sogenannten „Catastrophe Bonds“, das Katastrophenrisiko an renditeorientierte Investoren weiterzureichen.
Laut dem Insurance Bureau of Canada verursachten Extremwetterereignisse 2025 versicherte Schäden in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar. Diese Entwicklung befeuert das Wachstum eines Finanzinstruments, das nach dem Hurrikan Andrew 1992 entstanden ist, der elf Versicherungsunternehmen in die Insolvenz trieb. TD Insurance hat im vergangenen Monat eine zweite Emission platziert: 115 Millionen Dollar Schutz gegen kanadische Gefahren wie Waldbrände, Winterstürme und Erdbeben, wie der National Observer berichtet.
Der Internationale Währungsfonds hat beide Instrumente analysiert. Grüne Anleihen ermöglichen Regierungen längere Laufzeiten und niedrigere Kreditkosten, weil Investoren für nachhaltige Investments geringere Renditen akzeptieren. Allerdings bleiben Hindernisse: fehlende internationale Standards, eine schmale Investorenbasis und das Risiko des Greenwashing. Catastrophe Bonds bieten effektive Versicherungen gegen Naturkatastrophen, leiden aber unter hohen Transaktionskosten und komplexen Katastrophenmodellen.
Besonders problematisch ist die Modellunsicherheit. Als eine führende Agentur 2011 ihre Modelle aktualisierte, stiegen die Risikofaktoren um das Dreifache. Das Vertrauen brach zusammen, wie das Grantham Research Institute dokumentiert.
Eine Studie im Fachjournal ScienceDirect wirft grundsätzliche Zweifel auf. Etwa 50 Prozent des Risikokapitals sind atlantischen Hurrikanen ausgesetzt, deren Intensität mit der globalen Erwärmung zunimmt. Die Wissenschaftler kommen zu einem ernüchternden Fazit: Die Ergebnisse werfen Zweifel an „Catastrophe Bonds“ als geeignete Anlageprodukte auf. Solidere Investitionsmöglichkeiten fänden sich im Markt für grüne Anleihen.
Dennoch liegt ein signifikanter Anteil der Katastrophenanleihen in ESG-Fonds, wie AFII feststellte. Nachhaltige Investoren könnten ihr Kapital nutzen, um zu gestalten, welche Risiken versichert werden. Die Analyse legt nahe, dass die Kosten für Katastrophenschutz die realisierten Verluste übersteigen oder die Märkte schwerere Verluste antizipieren.
Für Investoren stellt sich die Frage: Finanzieren sie mit grünen Anleihen die Lösung des Klimaproblems oder wetten sie mit „Catastrophe Bonds“ darauf, dass die Katastrophe ausbleibt? Der Klimawandel ist nicht mehr nur ein Umweltthema, sondern eine Kapitalmarktfrage.