Von der Selbstverpflichtung zur Rechenschaft: UN Global Compact zwingt Konzerne zum Handeln
Die weltweite Nachhaltigkeitsinitiative verschärft den Druck auf Unternehmen. Mit einer neuen Fünfjahresstrategie will der UN Global Compact aus freiwilligen Absichtserklärungen messbare Ergebnisse machen. Über 23.000 Konzerne müssen liefern, während die Uhr bis 2030 tickt.
25.02.2026
Die Vereinten Nationen haben die Geduld mit symbolischer Nachhaltigkeitspolitik verloren. Der UN Global Compact hat seine Strategie für 2026 bis 2030 vorgestellt und signalisiert damit einen Kurswechsel: Statt weicher Zusagen fordert die Initiative nun harte Fakten. Die Organisation reagiert auf eine Welt, die von Klimakrise, wachsender Ungleichheit und einem Vertrauensverlust geprägt ist.
Sanda Ojiambo, Generaldirektorin des UN Global Compact, bringt den Paradigmenwechsel auf den Punkt. "Diese Strategie geht um Lieferung und reale Ergebnisse", erklärt sie. In Zeiten geopolitischer Fragmentierung bestehe die Rolle der Organisation darin, die Welten von Politik und Wirtschaft mit praktischen Werkzeugen, glaubwürdiger Rechenschaftspflicht und skalierbaren Partnerschaften zu verbinden.
Die neue Strategie basiert auf drei Säulen. Erstens will der UN Global Compact Unternehmen mit praktischen Werkzeugen und digitalem Lernen ausstatten. Zweitens sollen unternehmensgeführte Koalitionen systemische Barrieren wie Finanzierungslücken beseitigen. Drittens plant die Initiative, den Business Case für verantwortungsvolle Unternehmensführung durch Daten von Tausenden Unternehmen weltweit zu untermauern.
Mit über 23.000 Unternehmen in mehr als 160 Ländern ist der UN Global Compact die weltweit größte Nachhaltigkeitsinitiative, wie die Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen bestätigt. Die Organisation operiert über fünf regionale Zentren und aktive Ländernetzwerke.
Doch die Realität ist ernüchternd. Die Welt liegt weit hinter dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zurück. Ojiambo betont in ihrem Jahresbrief 2026: "In einer Welt erhöhter Kontrolle und sich wandelnder Erwartungen ist verantwortungsvolles Geschäft resilientes Geschäft." Nachhaltigkeit befeuere Innovation, stärke das Risikomanagement und verstärke das Vertrauen der Investoren.
Das SDG Ambition Programm, in Partnerschaft mit SAP und Accenture durchgeführt, soll Unternehmen befähigen, ehrgeizige Ziele zu setzen, wie die britische Niederlassung des UN Global Compact erläutert. Diese Zielsetzungen seien kritisch, um die Transformation von Volkswirtschaften anzuführen.
Statt Unternehmen lediglich zur Selbstverpflichtung aufzufordern, bietet die neue Strategie maßgeschneiderte Hilfestellung. Die zehn Prinzipien des UN Global Compact zu Menschenrechten, Arbeitnehmerrechten, Umweltschutz und Antikorruption sollen tief in die Betriebsabläufe integriert werden. Die aktualisierte Communication on Progress erhöht die Rechenschaftspflicht. Unternehmen müssen detaillierter darlegen, wie sie die Prinzipien umsetzen und welche messbaren Ergebnisse sie erzielen.
Die Strategie-Information macht deutlich, dass der Weg von der Verpflichtung zur Aktion für jedes Unternehmen einzigartig ist. Werkzeuge werden auf Sektor, Größe und Nachhaltigkeitsreife zugeschnitten. UN-Generalsekretär António Guterres unterstreicht: "Die Beschleunigung der nachhaltigen Entwicklungsziele ist ein moralischer, wirtschaftlicher und strategischer Imperativ."
Ojiambo formuliert den Aufruf unmissverständlich: "Mein Aufruf an Sie ist klar: Verpflichten Sie sich erneut zu den zehn Prinzipien. Investieren Sie in Strategien, die wissenschaftlich fundiert, sozial verantwortlich und wirtschaftlich sinnvoll sind." Der Fortschritt hänge von Partnerschaften ab. Regierungen könnten die Ziele nicht allein erreichen, und Unternehmen könnten ohne stabile Gesellschaften nicht gedeihen.
Die Strategie wird 2026 durch hochkarätige Veranstaltungen flankiert, darunter die UN-Generalversammlung und die Klimakonferenz. Für die teilnehmenden Unternehmen bedeutet dies: Die Zeit der unverbindlichen Nachhaltigkeitsbekenntnisse ist vorbei. Jetzt müssen Taten folgen.