EU Reporting

Unternehmen reden über Luftverschmutzung – messen sie aber kaum

Eine neue Analyse von GRI und dem Clean Air Fund zeigt: Zwar veröffentlichen fast alle börsennotierten Konzerne Nachhaltigkeitsberichte, doch konkrete Emissionsdaten zu einzelnen Schadstoffen fehlen in der Mehrheit der Fälle. Die Lücke zwischen Lippenbekenntnis und messbarer Transparenz ist besorgniserregend groß.

05.03.2026

Unternehmen reden über Luftverschmutzung – messen sie aber kaum

Wer die Nachhaltigkeitsberichte der weltweiten Großkonzerne liest, bekommt schnell den Eindruck, die Wirtschaft nehme das Thema Luftverschmutzung ernst. Doch eine neue Untersuchung zeichnet ein ernüchterndes Bild: Zwischen dem Reden über Emissionen und dem tatsächlichen Messen und Offenlegen von Schadstoffen klafft eine erhebliche Lücke. Die Studie „The air pollution reporting gap“, veröffentlicht Ende Februar 2026 von der Global Reporting Initiative (GRI) mit Unterstützung des Clean Air Fund, analysierte die Berichterstattungspraxis von 1.000 börsennotierten Unternehmen aus acht Hochemissionssektoren für die Berichtsjahre 2023 und 2024.

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Das Ergebnis ist deutlich: Zwar publizierten 91 Prozent der untersuchten Firmen einen Nachhaltigkeitsbericht, doch weniger als 40 Prozent nannten darin überhaupt konkrete Luftschadstoffe. Unter einem Drittel lieferte quantitative Emissionsdaten – und noch weniger Unternehmen definierten Reduktionsziele oder überprüften Fortschritte systematisch. Besonders kritische Schadstoffe wie Stickoxide (NOx), Schwefeloxide (SOx) und Feinstaub (PM) wurden von weniger als einem Drittel der Unternehmen ausgewiesen. Flüchtige organische Verbindungen (VOC), gefährliche Luftschadstoffe (HAP) sowie persistente organische Schadstoffe (POP) tauchen in jeweils weniger als zehn Prozent der Berichte auf.

Ein klarer Zusammenhang zeigt sich beim Einsatz globaler Standards: Die 57 Prozent der Firmen, die sich auf die GRI-Standards beziehen, offenbaren bis zu dreimal mehr Schadstoffe als Unternehmen ohne diesen Rahmen. Dennoch wenden selbst diese Vorreiter die Anforderungen des GRI 305: Emissions-Standards 2016 nur unvollständig an. Im Branchenvergleich schneiden Chemie, Bergbau und Baustoffe noch am besten ab, während Landwirtschaft, Pharma, Transport und Metallverarbeitung die schwächsten Offenlegungsraten aufweisen.

Thamar Zijlstra, Senior Standards Manager bei GRI und Leiterin des Pollution-Projekts, ordnet die Befunde ein: „Die Berichterstattung zu Luftverschmutzung bleibt inkonsistent – nicht wegen mangelndem Bewusstsein, sondern weil Messsysteme und Berichtspraktiken noch in der Entwicklung sind. Was unsere Forschung deutlich zeigt: Strukturierte Standards helfen dabei, Berichterstattung von abstrakten Absichten hin zu konkreten, schadstoffspezifischen Daten zu überführen.“

Die Studie erscheint zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt: GRI plant, auf Basis dieser Erkenntnisse seine Verschmutzungsstandards zu überarbeiten und neue Offenlegungsanforderungen für Luft, Boden, Lärm und Geruch zu erarbeiten. Ein Entwurf soll im April zur öffentlichen Konsultation vorgelegt werden. Für Unternehmen, Investoren, politische Entscheidungsträger und betroffene Gemeinschaften könnte das einen Wendepunkt bedeuten – hin zu einer Berichterstattung, die nicht nur Versprechen formuliert, sondern Wirkung belegt.

Quelle: UD/pm
 

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