Schluss mit Greenwashing: Niederländische Aufsicht zieht die Daumenschrauben an
Die niederländische Finanzmarktaufsicht AFM hat Banken, Versicherern und Investmentfirmen eine klare Ansage gemacht: Nachhaltigkeitsversprechen müssen präziser werden. Nach einer umfassenden Studie kündigte die Behörde an, 2026 verstärkt gegen vage Klimaneutralitätsversprechen und irreführende ESG-Ratings vorzugehen.
25.02.2026
Die niederländische Finanzmarktaufsicht AFM verschärft den Ton gegenüber der Finanzbranche. Die Behörde warnte Finanzunternehmen, dass sie in diesem Jahr ihre Aufsichtstätigkeit besonders auf Nachhaltigkeitsaussagen konzentrieren wird. Grundlage ist eine Studie aus den Jahren 2024 und 2025, die ergab, dass die Versprechen nach wie vor verbesserungswürdig sind, wie ESG Today berichtet.
Die Untersuchung folgte auf die Veröffentlichung der AFM-Richtlinien zu Nachhaltigkeitsaussagen im Jahr 2023. Diese legten fest, dass Banken, Versicherer, Investmentfirmen und Pensionsanbieter korrekte, klare und nicht irreführende Nachhaltigkeitsversprechen abgeben müssen. Die Ergebnisse zeigen: Während die Finanzmarktakteure die Richtlinien zwar nutzen, fand die Aufsichtsbehörde mehrere Bereiche, die Verbesserungen erfordern. Besonders problematisch sind die mangelnde Konkretheit der Aussagen und die Schwierigkeit, Informationen zu finden, die diese Versprechen belegen.
Die Behörde identifizierte vier zentrale Verbesserungsbereiche. Die Behauptungen müssen faktisch korrekt und repräsentativ sein. Die Unternehmen sollen konkretisieren, was die Aussagen für den Marktteilnehmer oder das Produkt bedeuten. Die Substantiierung muss leicht zu finden sein. Zudem sind Erklärungen für Aussagen zu Klimaneutralität, ESG-Ratings und Impact erforderlich.
Die konkreten Empfehlungen lesen sich wie ein Katalog der häufigsten Greenwashing-Praktiken. Unternehmen sollen sicherstellen, dass ihre Behauptungen sowohl positive als auch negative Aspekte der Nachhaltigkeitswirkung beschreiben. Kleine Vorteile dürfen nicht überbetont, vage Formulierungen sind zu vermeiden, und der relevante Kontext muss gegeben werden. Aussagen, die nicht belegt werden können, sind zu unterlassen.
Besonders bei langfristigen Versprechen wie Klimaneutralität fordert die AFM Klarheit. Finanzunternehmen müssen erklären, wie solche Ziele erreicht werden sollen. Bei ESG-Kennzeichnungen und Scores müssen die Unternehmen erläutern, was diese bedeuten. Impact-Aussagen dürfen nur dann gemacht werden, wenn tatsächlich zusätzlicher, absichtlicher und messbarer Effekt vorhanden ist.
Die Aufsichtsbehörde kündigte an, der Überwachung von Nachhaltigkeitsaussagen 2026 besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Dies schließt eine weitere Studie in diesem Jahr ein. "Wir erwarten von den Marktteilnehmern, dass sie ihre Aussagen dort, wo nötig, weiter verbessern. Nachhaltigkeit im Finanzsektor ist eine strategische Priorität der AFM", erklärte die Behörde.
Der Vorstoß reiht sich in eine Welle regulatorischer Maßnahmen gegen Greenwashing in Europa ein. Die Niederlande gelten als wichtiger Finanzplatz mit strengen Aufsichtsstandards. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen jedoch, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch eine erhebliche Lücke klafft.
Für die Finanzbranche bedeutet die verschärfte Aufsicht erhöhten Aufwand. Vage Formulierungen wie "nachhaltig", "grün" oder "klimafreundlich" reichen nicht mehr aus. Stattdessen müssen Unternehmen präzise darlegen, welche konkreten Maßnahmen hinter ihren Versprechen stehen, wie diese gemessen werden und welche Fortschritte bereits erzielt wurden. Dies erfordert nicht nur bessere Kommunikation, sondern auch robustere interne Prozesse zur Datenerfassung und Wirkungsmessung.
Die Ankündigung, die Überwachung 2026 zu intensivieren, dürfte bei vielen Finanzinstituten für Nervosität sorgen. Wer seine Nachhaltigkeitsversprechen nicht substanziieren kann, muss mit Konsequenzen rechnen. Der Finanzplatz Amsterdam könnte damit zum Testlabor werden für strengere Nachhaltigkeitsstandards, die möglicherweise auch in anderen europäischen Ländern Schule machen. Die geplante Folgestudie der AFM wird zeigen, ob der Druck wirkt oder ob es weiterer Maßnahmen bedarf.