London gibt den Takt vor: Neue Nachhaltigkeitsstandards ab 2027 verpflichtend
Die britische Finanzaufsicht FCA plant eine umfassende Reform der Nachhaltigkeitsberichterstattung für börsennotierte Unternehmen. Ab 2027 sollen internationale IFRS-Standards zur Pflicht werden, während Scope-3-Emissionen und allgemeine Nachhaltigkeitsdaten zunächst nach dem Prinzip "Comply or Explain" offengelegt werden müssen.
25.02.2026
Die Financial Conduct Authority, die britische Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleister und Finanzmärkte, hat eine Konsultation zu einem neuen Vorschlag gestartet, der die Nachhaltigkeitsberichtspflichten für börsennotierte Unternehmen erheblich erweitern soll. Wie ESG Today berichtet, würde die Reform Unternehmen verpflichten, die kommenden britischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards zu implementieren, die auf internationalen IFRS-Standards basieren. Die neuen Regeln sollen Anfang 2027 in Kraft treten.
Die Aktualisierung würde Nachhaltigkeitsberichtspflichten einführen, die über die derzeit vorgeschriebenen klimabezogenen Offenlegungen hinausgehen. Bisher müssen Unternehmen ihre Berichte an den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures orientieren. Laut FCA würde der neue Vorschlag die Berichterstattung britischer Unternehmen mit internationalen Standards in Einklang bringen. Dies ermögliche Investoren Zugang zu klaren und konsistenten Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken, während ausländische Unternehmen Doppelanforderungen vermeiden könnten.
Die FCA betonte, dass ihr Ansatz die Bereitschaft börsennotierter Unternehmen berücksichtige. Anforderungen für anspruchsvollere Aspekte wie Scope-3-Daten würden zumindest anfangs auf Basis von "Comply or Explain" umgesetzt. Das International Sustainability Standards Board der IFRS Foundation wurde im November 2021 gegründet, um Standards zu entwickeln, die Investoren Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken liefern. Die IFRS veröffentlichte im Juni 2023 die ersten allgemeinen Nachhaltigkeits- und Klimaberichtsstandards. Als Teil eines einheitlichen globalen Rahmens übernahm die IFRS Foundation 2023 die Verantwortlichkeiten der TCFD.
Der neue Vorschlag würde betroffene Unternehmen verpflichten, klimabezogene Offenlegungen im Einklang mit UK SRS S2 zu machen. Die FCA stellte fest, dass diese weitgehend den TCFD-Empfehlungen entsprechen. Bei der Scope-3-Berichterstattung räumte die Behörde ein, dass es für börsennotierte Unternehmen nach wie vor schwierig bleibe, auf Qualitätsdaten zuzugreifen. Dies liege insbesondere daran, dass es die Erfassung von Emissionsdaten von Dritten in der Wertschöpfungskette erfordere.
In ihrem Vorschlag sieht die FCA eine einjährige Übergangsfrist vor, während der Unternehmen keine Scope-3-Daten melden müssten. Danach würde die Anforderung auf Basis von "Comply or Explain" gelten. Ebenso bietet der Vorschlag eine zweijährige Übergangsfrist für UK SRS S1, die allgemeine Nachhaltigkeitsaspekte abdeckt. Nach Jahr zwei würde auch dies auf "Comply or Explain" umgesetzt.
Während der Vorschlag keinen Zeitplan enthält, unter dem die Offenlegungen verpflichtend würden, erklärt er, dass das "Comply or Explain"-Verfahren verwendet wird, um börsennotierten Unternehmen Zeit zur Anpassung zu geben. Der Vorschlag verlangt nicht, dass Unternehmen einen Transformationsplan offenlegen. Die FCA merkte an, dass eine solche Anforderung eine Angelegenheit für die Regierung sei. Allerdings müssen Unternehmen offenlegen, ob sie einen Transformationsplan veröffentlicht haben.
Die Konsultation der FCA läuft bis zum 20. März 2026. Die Aufsichtsbehörde strebt an, im Herbst 2026 eine Grundsatzerklärung zu veröffentlichen und die Regeln ab Anfang Januar 2027 in Kraft zu setzen. Die Reform signalisiert Londons Entschlossenheit, trotz des Brexit an internationalen Nachhaltigkeitsstandards festzuhalten. Während andere Märkte möglicherweise eine Kehrtwende bei ESG-Regulierungen vollziehen, positioniert sich das Vereinigte Königreich als Vorreiter für transparente und vergleichbare Berichterstattung.
Der pragmatische Ansatz mit Übergangsfristen zeigt, dass die FCA die praktischen Herausforderungen bei der Datenbeschaffung ernst nimmt. Für Unternehmen bedeutet die Konsultationsphase die Gelegenheit, Einfluss auf die finale Ausgestaltung zu nehmen. Die Zeit bis 2027 sollten börsennotierte Firmen nutzen, um ihre Berichtssysteme vorzubereiten.