EU Reporting

Deutsche Schokoladenunternehmen hinken bei Nachhaltigkeit hinterher

Neue Chocolate Scorecard: Deutschland fällt im internationalen Vergleich zurück – besonders bei Kinderarbeit, Geschlechtergerechtigkeit und existenzsichernden Einkommen.

13.05.2026

Deutsche Schokoladenunternehmen hinken bei Nachhaltigkeit hinterher

Deutsche Unternehmen schneiden im aktuellen Ranking der Chocolate Scorecard schwächer ab als viele Wettbewerber. Die fünf untersuchten Unternehmen mit Sitz in Deutschland – Aldi Nord, EDEKA, Ritter Sport, Stollwerck und Storck – erreichen über sieben untersuchte Nachhaltigkeitsbereiche hinweg im Durchschnitt 47,0 Prozent der möglichen Punktzahl. Der internationale Vergleichswert liegt bei 52,6 Prozent. Besonders groß ist der Rückstand bei Geschlechtergerechtigkeit, Kinderarbeit und existenzsichernden Einkommen.

Deutlich Luft nach oben – mit positiven Ausnahmen

Beim Thema Kinderarbeit erreichen deutsche Unternehmen 53,0 Prozent, die internationale Vergleichsgruppe 63,5 Prozent. Beim Thema Gender liegt Deutschland mit 35,1 Prozent besonders deutlich unter dem Vergleichswert von 47,0 Prozent. Auch beim existenzsichernden Einkommen liegt die deutsche Gruppe mit 31,8 Prozent unter dem internationalen Vergleichswert von 38,0 Prozent.

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Einzelne deutsche Unternehmen zeigen allerdings, dass bessere Werte möglich sind: Ritter Sport gehört bei Rückverfolgbarkeit und Transparenz mit 90 Prozent sowie bei Entwaldung mit 84 Prozent zu den internationalen Spitzenreitern. Auch bei Kinder- und Zwangsarbeit mit 78 Prozent und beim Thema Pestiziden liegt das Unternehmen mit 76 Prozent im oberen Feld großer Unternehmen.

Die Mehrheit hat weiter kein existenzsicherndes Einkommen

Ein zentrales Thema der aktuellen Scorecard: Ein existenzsicherndes Einkommen („Living income“) für die Kakaobäuerinnen. Ausgerechnet dieser Bereich erzielt von allen untersuchten Fragestellungen die niedrigste Punktzahl: Die 49 teilnehmenden Unternehmen erreichen hier im Durchschnitt nur 30,4 Prozent. Erstmals konnten die Unternehmen jedoch genauer offenlegen, welcher Anteil der Kakao-Bäuer in ihren Lieferketten ein existenzsicherndes Einkommen erreicht, welcher Anteil es nicht erreicht und bei welchem Anteil der Status unbekannt ist.

Dabei zeigt sich: Von 52 Prozent der erfassten Kakao-Bäuer ist bekannt, dass sie kein existenzsicherndes Einkommen erzielen, bei 15 Prozent ist die Einkommenssituation nicht bekannt. Lediglich 33 Prozent erzielten existenzsichernde Einkommen; dies in einem Untersuchungszeitraum, in dem die Preise für Kakao auf dem Weltmarkt weit höher lagen als in den Vorjahren ‒ und damit weit höher als derzeit, denn inzwischen sind die Preise wieder stark gefallen.

Vorreiter zeigen, was möglich ist

Die Scorecard zeigt zugleich: Faire Preise sind möglich. Sechs Unternehmen mit Schokoladen verschiedenster Preiskategorien zahlen den sogenannten „Living Income Reference Price“ als langfristige Verpflichtung: Tony’s Chocolonely, HALBA, Original Beans, Chocolatemakers, Malmö und Bennetto. Dieser Preis soll es einem typischen Haushalt ermöglichen, aus dem Verkauf der Ernte ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen.

„Die führenden Unternehmen zeigen, dass der ‚Living Income Reference Price‘ in der Praxis gezahlt werden kann. Die Frage ist nicht länger, ob es möglich ist. Die Frage ist, warum so viele der weltweit größten Schokoladenunternehmen es weiterhin nicht tun“, sagt Friedel Hütz-Adams, SÜDWIND-Institut, Living Income Scorer der Chocolate Scorecard 7th Edition.

Quelle: UD/pm
 

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