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07.08.2014

Nachhaltiger Kaffeekonsum in Deutschland

Wer Kaffee kauft, der will es mit der Nachhaltigkeit ganz genau wissen. Diesen wachsenden Trend, mit dem die Verbraucher verstärkt auf fairen Handel und Schonung natürlicher Ressourcen setzen, beschreibt der aktuelle Kaffeereport von Tchibo. Auf die Entwicklung hat das Hamburger Unternehmen längst reagiert. Inzwischen stammt jedes dritte Kilo von Tchibo aus nachhaltigen Quellen und in Zukunft soll es das das gesamte Kaffeeangebot sein. UmweltDialog hat sich den Report näher angeschaut.

Der Kaffeereport 2014 von Tchibo
Der Kaffeereport 2014 von Tchibo

Um das Kaufverhalten genauer zu analysieren, haben im Auftrag des Unternehmens die Agentur brand eins Wissen und Statista rund 4.800 Menschen in Deutschland befragt. Gut ein Drittel (32,3 Prozent) der Interviewten bildet, wie es die Meinungsforscher genannt haben, die Gruppe der Konsequenten. Die Konsumenten denken nämlich nicht nur nachhaltig, sondern sie kaufen auch nur solchen Kaffee, der diesen Ansprüchen genügt. Jeweils rund 23 Prozent stellen die so genannten Reservierten und die Passiven. Während die Erstgenannten bei entsprechender Auswahl durchaus der Bohne mit dem Prädikat „nachhaltig“ den Vorzug geben, greift die andere Gruppe nur selten zu diesen Produkten. Schließlich gibt es auch noch die Skeptiker, die ausschließlich Kaffee aus konventionellem Anbau verwenden. Ihr Anteil liegt bei rund 20 Prozent.

Kaffeeanbau

Um die Denkmuster der Verbraucher noch eingehender zu ergründen, sollten die Befragten benennen, was sie unter Nachhaltigkeit verstehen und welche Merkmale ihnen besonders wichtig erscheinen. An erster Stelle steht die Ablehnung von Kinderarbeit (55,4 Prozent), gefolgt von gesicherten Arbeitsplätzen für die Beschäftigten (48,8 Prozent) und guten Arbeitsbedingungen für die Kaffeefarmer (31,4 Prozent). Wie es sich mit dem Kaffeeanbau heutzutage in der Realität verhält, dazu ist für den Report die Autorin Karen Naundorf nach Südamerika gereist und beschreibt in ihrer Reportage sehr differenziert das Leben in Ñagazú, einer Siedlung im peruanischen Bergwald. Neben den konventionellen Erzeugern, die Chemikalien verwenden und brandroden, haben viele andere Farmer einen alternativen Weg eingeschlagen, bei dem Umweltschutz und Produktivität eine Einheit bilden. In einer Kooperative zusammengeschlossen verkaufen sie gemeinsam und haben die Qualitätskontrollen zentralisiert. Doch trotz Bio- und Fairtrade-Label bringt dieser Kaffeeanbau nur wenig mehr Gewinn ein als die konventionelle Erzeugung. Das finanzielle Plus wird unter Umständen noch durch Investitionen geschmälert, um ökologische Standards zu schaffen oder zu wahren. Dennoch bleiben die Landwirte bei diesem Kurs, da die Lebensqualität steigt und sie auf neue Absatzmärkte hoffen. Einige Farmer verstehen das eigene Engagement auch als Signal, ein generelles Umdenken innerhalb des Berufsstandes zu forcieren.

Dabei ist der Kaffeeanbau nur ein, wenn auch bedeutendes Glied in der gesamten Produktionskette. Welche „Fragen man sich stellen kann, wenn man Kaffee ökologisch und sozialverträglich“ herstellen möchte, erfährt der Leser auf einer Doppelseite. Ob beispielsweise die Kinder der Farmer eine Schule besuchen können oder wie es um Lagerung, Transport, Verpackung, Vertrieb des Kaffees und letztlich um die Verwaltungsgebäude der Handelsunternehmen bestellt ist, sind einige der Aspekte einer vielfältigen Themenpalette.

Kaffee wird gern zu Hause getrunken

Wenn der Leser bei einer Tasse Filterkaffee über diese Fülle an Fragen nachdenkt, gehört er zur Mehrheit der Kaffeetrinker in Deutschland. Denn Filtermaschinen liefern 70 Prozent des Kaffees, der in der Bundesrepublik getrunken wird. Gleichwohl zeichnet sich ab, dass andere Sorten an Beliebtheit gewinnen. Rund 38 Prozent der Deutschen genießen Cappuccino, 24,3 Latte macchiato und 17,1 Prozent Milchkaffee. Gern werden für die Zubereitung Kapselautomaten genutzt. Auch wenn die Rede von „Kaffee to go“ in aller Munde ist, werde nur jeder 20. Kaffee unterwegs zu sich genommen, sagt Philip von der Goltz, Sourcing & Quality Manager Coffee bei Tchibo, und beruft sich auf den Kaffeereport. Neun von zehn Tassen trinken die Deutschen in den eigenen vier Wänden, und am Arbeitsplatz wird jede fünfte Tasse verköstigt.

Beim Kaffeegenuss lässt sich auch ein demographischer Faktor festhalten: Während in der Altersgruppe der 50 bis 55-Jährigen 72,4 Prozent mehrmals täglich das Lebenselixier zu sich nehmen, sind es in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen nur 30 Prozent.

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Luxemburg trinkt am meisten Kaffee

Der gesamte Kaffeekonsum ist hierzulande zwar seit 1990 um ein auf 6,5 Kilo pro Kopf und Jahr gestiegen, aber dennoch kann Deutschland hier nicht den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Spitzenreiter - und das mit weitem Abstand - sind die Luxemburger mit 24 Kilo, dahinter liegen die Finnen (12 Kilo) und die Österreicher (9 Kilo). Gleich hinter der Bundesrepublik, die den 8. Rang beim Kaffeeverbrauch einnimmt, kommt das Land, das bei der Anbaufläche, dem Exportvolumen und dem Weltmarktanteil unangefochten den ersten Platz einnimmt, nämlich Brasilien (6,1 Kilo). Als Newcomer unter den Exporteuren hat sich Vietnam etabliert, das kurz nach dem Mauerfall noch Rang 17 einnahm, die Kaffeeproduktion aber seither um rund 1.400 Prozent gesteigert und dabei traditionell gewichtige Kaffeeanbauregionen wie Indonesien oder Länder in Lateinamerika überholt hat. Auf der Verliererstraße landeten zahlreiche afrikanische Staaten, darunter Simbabwe, Malawi und die Demokratische Republik Kongo.

Zum leichten Gewinn, den zertifizierte Anbaubetriebe im Gegensatz zu konventionellen verbuchen können, werden im Kaffeereport unter Berufung auf Fairtrade International konkrete Zahlen genannt. Kleinere Produzentenkooperativen erhalten danach für Biokaffee rund 25 Cent mehr als traditionelle Erzeuger. Beispiel Sorte Arabica: 1,17 Euro zu 1,42 Euro pro Pfund. Dass die Verkaufsmengen von zertifiziertem Kaffee kontinuierlich steigen, belegen die Zahlen der Lizenzgeber. Organisationen wie Rainforst Alliance verzeichnen Zuwachsraten von 72 Prozent. Für die Verkaufserlöse von Fairtrade hat Kaffee den größten Stellenwert. Damit wurden beispielsweise 2010/11 rund 391 Millionen Euro erzielt. Das zweitwichtigste Handelsgut sind Bananen, deren Erlös mit 96 Millionen Euro aber deutlich niedriger liegt.

Steht nun in heimischen Landen die Frage an, ob zertifizierter oder konventioneller Kaffee gekauft werden soll, entscheiden sich 57 Prozent der Frauen für die nachhaltige Alternative, bei den Männern sind es nur 43 Prozent. Die anderen scheinen sich nicht die Bohne darum zu kümmern.

 
Quelle: UmweltDialog

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