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Milliardenschäden durch Produkt- und Markenpiraterie in Deutschland

16.02.2016

Milliardenschäden durch Produkt- und Markenpiraterie in Deutschland

Deutsche Unternehmen erleiden jährlich einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 56 Milliarden Euro durch Marken- und Produktpiraterie. Dabei sind sich die Käufer von Fälschungen über die negativen Folgen durchaus bewusst. Zu diesen Ergebnissen ist die aktuelle Studie „Intellectual Property Protection“ von EY gekommen: „Um geeignete Maßnahmen zum Schutz geistigen Eigentums zu entwickeln, sind präzise Erkenntnisse über den Kauf, die Produktion und den Vertrieb von Plagiaten notwendig“, erklärt Christian Götz, Leiter des Bereichs IP Protection bei EY Fraud Investigation & Dispute Services. Hierzu gibt die Studie einen Einblick in den Markt für gefälschte Produkte und beleuchtet außerdem die Einstellungen der Marktteilnehmer in Deutschland.

400 gefälschte Smartphones, über 24.000 Liter nachgeahmter Tequila und über 22.000 Lego-Nachbildungen: Das sind nur drei Beispiele von Produktfälschungen, die der deutsche Zoll im vierten Quartal vergangenen Jahres sichergestellt hat. „Die Marken- und Produktpiraterie ist ein Hemmschuh für fairen Wettbewerb und neue Arbeitsplätze. Dies gilt insbesondere für ein Land wie Deutschland, in dem hochwertige Produkte hergestellt werden“, teilt der Zoll gegenüber der Presse mit.

Wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch Produkt- oder Markenpiraterie ist, wird exemplarisch an Zahlen deutlich, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau 2014 veröffentlicht hat: Demnach gehe der Branche, die neben der Automobilindustrie am meisten von Verletzungen geistiger Eigentumsrechte betroffen ist, ein Umsatz von knapp acht Milliarden Euro jährlich verloren; und damit 38.000 Arbeitsplätze.

Fälscher handeln schnell

„Plagiate minderer Qualität können dem Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig schaden. Weil sich Unternehmensgewinne aufgrund von Fälschungen reduzieren, werden Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen verringert oder aufgeschoben“, informiert EY in der Studie „Intellectual Property Protection“. Viele Unternehmen investierten nicht, weil sie kurzfristig Nachahmungen ihrer neuen Produkte erwarten. Von insgesamt 550 befragten Unternehmen gaben knapp 60 Prozent an, innerhalb des ersten Jahres nach Einführung eines neuen Produktes mit Plagiaten konfrontiert zu werden. Fast jedes zehnte Unternehmen ist bereits innerhalb des ersten Monats davon betroffen.

Methoden der Produkt- und Markenpiraterie

Der Begriff des geistigen Eigentums bzw. „Intellectual Property (IP)“ beschreibt im Unternehmenskontext alle Arten gewerblicher Schutzrechte. Dazu gehören beispielsweise Marken- und Patentrechte, Geschmacks- und Gebrauchsmuster oder Urheberrechte. Sobald Geschäfte oder Aktivitäten mit Waren und Dienstleistungen zumindest eines dieser Rechte verletzen, handelt es sich um Produkt- und Markenpiraterie. Die Informationen für die Herstellung von Fälschungen werden auf unterschiedliche Weise gewonnen. So zum Beispiel durch Wirtschaftsspionage oder Konkurrenzausspähung. Während erstere die staatlich gestützte Ausforschung von Unternehmen bezeichnet, beschreibt letztere die Ausforschung von Unternehmen durch die Konkurrenz. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass ehemalige Mitarbeiter eines Unternehmens, Lieferanten oder Kunden Informationen über die Herstellung von Produkten an Dritte weitergeben. EY zufolge sei dieser Informationsabfluss einer der Gründe für die schnelle Herstellung von Fälschungen.

Marken- und Produktpiraterie hat darüber hinaus negative Auswirkungen auf die Unternehmensreputation und das Image einzelner Produkte. Insbesondere bei häufig gefälschten Marken könne EY zufolge die Kundennachfrage abnehmen, wenn ein Produkt dauerhaft mit Plagiaten assoziiert wird: „Da der Erfolg vieler deutscher Unternehmen auf der Qualität ihrer Produkte basiert, fürchten sie einen Markenwertverlust durch ähnliche, aber weniger hochwertige Plagiate“, heißt es in der Studie. Insgesamt messen die befragten Unternehmen so dem Imageschaden eine größere Bedeutung bei als dem direkten finanziellen Schaden durch Umsatzeinbuße.

Wo kommen die Plagiate her?

Produkte werden dann gefälscht, wenn ein Absatzmarkt vorhanden ist und die Plagiate günstiger als das Original hergestellt und angeboten werden können. Dabei übersteigen die Gewinnmargen der Fälscher teilweise die der Originalhersteller, obwohl die Preise der Plagiate deutlich unter denen der Originale liegen. Der größere Gewinn entsteht, weil die Fälscher keine Kosten durch die Produktentwicklung oder Werbung haben. Darüber hinaus haben sie niedrigere Lohnnebenkosten, sparen an Material oder verwenden minderwertige Komponenten.

Als Hauptproduktionsstandorte von Fälschungen sehen die Unternehmen in erster Linie China (72 Prozent), Südostasien (39 Prozent) und Osteuropa (36 Prozent) an: „In diesen Ländern gelten in der Regel weniger strikte arbeits- und umweltrechtliche Auflagen. Auch die behördliche Verfolgung von Fälschern ist in solchen Ländern und Regionen oft unzureichend.“ Dadurch könnten die Fälschungen unter anderen Bedingungen produziert werden als beispielweise in Westeuropa oder den USA.

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Verbraucher wissen, was sie tun

32 Prozent der 1.000 Verbraucher, die in der Studie befragt wurden, haben in der Vergangenheit ein Plagiat gekauft – mehrheitlich in vollem Bewusstsein. Dabei haben sie die Käufe vor allem auf sogenannten fliegenden Märkten getätigt. Über den Einzelhandel wurden 35 Prozent der Fälschungen bezogen. Das Internet spielt beim Kauf von Plagiaten nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich elf Prozent der Käufer, die in den letzten zwei Jahren bewusst eine Fälschung erworben haben, taten dies online.

Verbraucher sind in der Regel über die negativen Auswirkungen von Produkt- und Markenpiraterie für die betroffenen Unternehmen aufgeklärt, unabhängig davon, ob sie selbst Plagiate gekauft haben oder nicht. So schätzen 86 Prozent der Befragten eine potenzielle Gefährdung von Arbeitsplätzen sowie Umsatzeinbußen durch Fälschungen als mittelgroß bis groß ein. Auswirkungen auf die eigene Sicherheit und Gesundheit schrecken aber die meisten Verbraucher vom Kauf der Fälschungen ab. Dementsprechend ist die gezielte Aufklärung der Konsumenten über Unfall- und Gesundheitsrisiken ein wirksames Mittel, um sie von möglichen Plagiats-Käufen abzuhalten.

Schutzmaßnahmen

„Unternehmen steht heute eine breite Palette an Instrumenten und Möglichkeiten zur Verfügung, um gegen Fälscher ihrer Marken und Produkte vorzugehen“, erklärt Götz. Dazu gehören etwa rechtliche Maßnahmen wie Eintragung von Schutzrechten, die Rechtsdurchsetzung bei Verstößen sowie interne Maßnahmen wie IP-Richtlinien für Mitarbeiter. Allerdings würden Unternehmen insgesamt zu wenig finanzielle Mittel aufwenden, um ihr geistiges Eigentum zu schützen. Darüber hinaus zeigt die Studie von EY, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter nur unzureichend für den IP-Schutz sensibilisieren.

„Ein wirksamer Schutz geistigen Eigentums kann nur durch ein Zusammenspiel von Maßnahmen und eine abgestimmte Zusammenarbeit mit externen Interessensgruppen wie Verbänden, Verbraucherschutz, Behörden und Politik funktionieren“, erklärt Götz. „Erst wenn ein stärkeres Bewusstsein in Unternehmen und Gesellschaft für die zunehmenden Risiken und Schäden von Produkt- und Markenpiraterie geschaffen ist, kann effektiver IP-Schutz funktionieren.“

 
Quelle: UmweltDialog

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