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30.01.2015

Konfliktmineralien-Status umfassend dokumentieren

Die Positionen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über die richtige Ausgestaltung der geplanten europäischen Konfliktmineralien-Gesetzgebung gehen auseinander. Freiwillige Selbstzertifizierung oder verbindliche Vorgaben? Kontrolle entlang der gesamten Lieferkette oder ausschließliche Zertifizierung von Importeuren? Wie auch immer das EU-Gesetz am Ende ausfällt – mit der Conflict Minerals Platform hat der Reutlinger Software-Anbieter iPoint-systems ein Tool für Konfliktmineralien-Compliance entwickelt, mit dem produzierende Unternehmen ihre Daten entlang der gesamten Lieferkette sammeln, verarbeiten, auswerten und berichten können.

Für Unternehmen weltweit spielt das Thema Konfliktmineralien oder Konfliktrohstoffe eine immer wichtigere Rolle. Denn sie sind seit einiger Zeit Gegenstand gesetzlicher Regelungen wie Sektion 1502 des US Dodd-Frank Acts. Dieser schreibt die jährliche Auskunftspflicht für US-börsennotierte Unternehmen bezüglich der Verwendung der Rohstoffe Zinn, Tantal, Gold und Wolfram innerhalb ihrer Produkte vor. Stammen die Ressourcen dabei aus der Demokratischen Republik Kongo oder deren Nachbarländern, müssen die Unternehmen der US-Börsenaufsicht einen auditierten Bericht mit umfassenden Informationen zu Herkunft und Verwendung der Konfliktmineralien vorlegen.

Auch die EU-Kommission hat im März 2014 einen eigenen Vorschlag für eine Konfliktmineralien-Regelung eingereicht, die dieses Jahr in Kraft treten soll. Als Verordnung geplant, wäre sie unmittelbar in den EU-Mitgliedsstaaten gültig. Sie will genau wie das US-amerikanische Gesetz verhindern, dass Erlöse aus Abbau und Handel bestimmter Rohstoffe bewaffnete Konflikte und Menschenrechtsverletzungen finanzieren.

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Eckpunkte der EU-Verordnung

Der europäische Gesetzentwurf in der Fassung vom März 2014 fordert eine freiwillige Selbstzertifizierung von Importeuren, die die Metalle Zinn, Tantal, Wolfram und Gold oder deren Erze in die EU einführen. Dabei gilt der Gesetzentwurf für alle Konflikt- und Hochrisikogebiete weltweit. Zur Überwachung der Ressourcenströme sollen die fünf Schritte der OECD-Leitlinien zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht eingesetzt werden. Von der Selbstzertifizierung ausgeschlossen sind allerdings jene Unternehmen, die die Rohstoffe indirekt über fertige Produkte, beispielsweise in Handys verbaut, einführen.

Im Gegensatz zum Dodd-Frank Act, der sich auf die weiterverarbeitende Industrie fokussiert, bezieht sich der europäische Gesetzentwurf also auf den sogenannten Upstream-Bereich, den Weg der Rohstoffe von der Mine bis zur Schmelze unter Einbeziehung der Importeure. Bleibt der Gesetzentwurf unverändert, wären 420 Importeure (Händler, Schmelzen/Raffinieren und Komponentenhersteller) betroffen.

Kritikpunkte

Seit der Veröffentlichung des Verordnungsentwurfs haben Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Zivilgesellschaft dazu Stellung bezogen. Während etwa der Zentralverband der Elektroindustrie auf seiner Internetseite den freiwilligen Charakter der Selbstzertifizierung der Schmelzen und Raffinerien begrüßt, kritisieren Mitglieder der Katholischen Kirche diesen Punkt: „Nur eine verbindliche Verpflichtung zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für alle Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette würde die nötige Dynamik in Gang setzen, die wir zur Lösung der gewaltigen Probleme brauchen“, mahnte das katholische Hilfswerk Misereor. Des Weiteren fordern die katholischen Kirchenvertreter eine Erweiterung des Gesetzentwurfs auf weitere aus Konfliktgebieten stammende Rohstoffe wie Kupfer, Bauxit oder Diamanten.

Auch Gold gehört zur Gruppe der Konfliktrohstoffe.
Auch Gold gehört zur Gruppe der Konfliktrohstoffe.

Diese Kritikpunkte werden in den aktuellen öffentlichen Anhörungen des Europäischen Parlaments zur Konfliktmineralien-Gesetzgebung aufgegriffen. So diskutierten am 21. Januar 2015 erneut Vertreter des Ausschusses für Internationalen Handel mit Experten über die richtige Ausgestaltung der Verordnung: „Es ist wahrscheinlich, dass die Europäische Kommission den Gesetzentwurf noch in einigen Punkten anpassen wird, bevor die Verordnung final verabschiedet wird“, sagt der Geschäftsführer von iPoint-systems, Jörg Walden. „Die iPoint Conflict Minerals Platform (iPCMP) ist derzeit auf die Anforderungen des US-Konfliktmineralien-Gesetzes zugeschnitten. Doch wir verfolgen den Gesetzgebungsprozess in der EU aufmerksam und sind auf sämtliche Ausprägungen der geplanten Verordnung vorbereitet, um die iPCMP flexibel an die Bedürfnisse von Unternehmen anzupassen, die von neuen oder ähnlichen Regularien oder Richtlinien betroffen sind.“

iPoints Conflict Minerals Platform

Die iPCMP ist eine webbasierte On-Demand-Softwarelösung, die 2012 auf den Markt gebracht wurde. Sie unterstützt produzierende Unternehmen dabei, Daten über Konfliktmineralien entlang ihrer gesamten Lieferkette zu sammeln, zu verarbeiten, zusammenzufassen und zu berichten: „iPCMP ermöglicht Unternehmen, die gesetzlichen Herausforderungen zu bewältigen, die Anforderungen der Kunden zu erfüllen und gleichzeitig Unternehmensverantwortung zu demonstrieren“, fährt Walden fort. „Indem Unternehmen relevante Informationen von all ihren Zulieferern sammeln und aggregieren, können sie so ihren Konfliktmineralien-Status nahtlos dokumentieren.“ Da sie die Fragen bekannter Berichtsvorlagen und -standards wie die des Conflict Minerals Reporting Template (CMRT) der Conflict-free Sourcing Initiative integriert, vereinfacht die Software-Lösung von iPoint den betrieblichen Berichtsprozess.

Ursprünglich in Zusammenarbeit mit dem nordamerikanischen Automobilverband AIAG und seinen Mitgliedsunternehmen wie Bosch, Ford oder Chrysler entwickelt, kann das Tool branchenübergreifend genutzt werden. So zählen zu den Kunden der iPCMP Unternehmen aus Branchen wie Elektronik, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Schiffsbau oder Textil. Diese stammen aus fast 80 verschiedenen Ländern, wobei der Großteil der Kunden nach wie vor aus den USA kommt: „Die steigenden Zuwachsraten aus anderen Ländern zeigen deutlich, dass die vom Dodd-Frank Act direkt betroffenen börsennotierten US-Unternehmen ihre Berichtspflichten immer flächendeckender an ihre aus anderen Ländern stammenden Zulieferer weitergeben“, erklärt Walden.

Je nach Größe des Betriebs und je nach Reporting-Anforderung bietet iPoint passende Lizenzen; größere Unternehmen mit einer komplexen Lieferkette erhalten mit der Enterprise-Lizenz ein Tool zur hochgradigen Automatisierung ihrer Berichtsprozesse auf Unternehmensbereichs-, Teile- oder Stücklisten-Ebene mit diversen Zusatzoptionen. Für kleinere Unternehmen, die nur eine Kundenanfrage beantworten müsen, gibt es die Basis-Lizenz kostenlos: „Unser Tool hat sich mittlerweile zur Standardlösung für Konfliktmineralien-Reporting entwickelt. Mit inzwischen über 24.000 registrierten Unternehmen hat sich iPoint-systems ihre Position als Marktführer für Software in diesem Segment gesichert.“

 
Quelle: UmweltDialog

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