Nachhaltigkeits-Zertifikat für neu gebaute Wohngebäude

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat erstmals ein Zertifikat für neu erstellte Wohngebäude entwickelt. Bei der Bewertung der Privatwohnungen orientiert sich die DGNB an den Kriterien, die von ihr für die Zertifizierung von Büro- und Verwaltungsgebäude entwickelt wurden. Das neue Zertifikat gilt für Mehrfamilienhäuser ab sechs Wohneinheiten.

20.08.2010

Foto: Partrizia Projektentwicklung GmbH
Foto: Partrizia Projektentwicklung GmbH
Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses werden insgesamt 48 Kriterien geprüft, die in vier Kernbereiche eingeteilt sind. Dazu gehören ökologische, ökonomische, soziokulturelle/funktionale sowie technische Qualität. Jeder dieser Bereiche fließt zu jeweils 22,5 Prozent mit in die Endnote ein. Komplettiert wird die Gesamtbewertung durch die Prüfung der Prozessqualität, die mit zehn Prozent zu Buche schlägt. An ökologischen Aspekten werden der effiziente Einsatz und die Art der Ressourcen sowie mögliche Umweltrisiken überprüft. Bei der ökonomischen Bewertung werden unter anderem die gebäudebezogenen Kosten im Lebenszyklus berücksichtigt. Zu den soziokulturellen und funktionalen Kriterien zählen zum Beispiel der thermische Komfort zu jeder Jahreszeit, die Innenraumhygiene sowie die Barrierefreiheit. Aus technischer Perspektive ist der Brand- und Schallschutz, die Gebäudehülle und Instandhaltungsfreundlichkeit von Interesse für die Bewertung. Neben diesen konkreten Kriterien werden auch allgemeine Aussagen zur Standortqualität der Immobilien gemacht.

Elf Gebäude nehmen derzeit an der Pilotphase „Neubau Wohngebäude“ des DGNB-Zertifikats für Wohnneubauten teil. Darunter auch das Frankfurter Neubauprojekt „F 40“ der Patrizia Projektentwicklung GmbH. 118 Wohnungen sollen insgesamt an der Feuerbachstraße in Frankfurt entstehen. „Davon befinden sich 60 in einem Wohnriegel, der Rest ist auf sechs Stadtvillen aufgeteilt“, erklärt Projektentwickler Josef Springer gegenüber der Frankfurter Neuen Presse. Zusätzlich sei ein zehngeschossiges Bürogebäude geplant. Für den Neubau in der Feuerbachstraße ist die Verwendung von Techniken zur Gewinnung von erneuerbarer Energie, Warmwasser-Kollektoren, eine optimal gedämmte Gebäudehülle sowie eine kontrollierte Wärmelüftung mit Wärmetauscher geplant. Im Oktober dieses Jahres sollen auf der Immobilien-Fachmesse „Expo Real“ in München die ersten Objekte ausgezeichnet werden.

Experten sind zuversichtlich, dass die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Neubauten selbstverständlich wird. „In zehn Jahren gebe es vermutlich keine Gebäude mehr, die nicht diese Qualitäten haben“, so Professor Michael Bauer von der Immobilienberatung Drees & Sommer im Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“. Die Zertifizierung sei dabei eine gute Hilfe für den Bauherrn, um sein Gebäude konsequent anhand der Nachhaltigkeitskriterien auszurichten. Auch für Hermann Horster vom Beratungsunternehmen BNP Paribas Real und dort zuständig für das Thema Nachhaltigkeit steht fest: „Die Frage, ob nachhaltig gebaut wird, muss inzwischen gar nicht mehr diskutiert werden“. Investoren und Mieter hätten das Thema aufgenommen, sagt er gegenüber der „Welt“.

Auch bezüglich der Bestandsbauten im Wohnbereich werden Stimmen laut, die hier ebenfalls eine Zertifizierung fordern. Der Anteil der 2009 in Deutschland  neu erstellten Wohnungen beträgt nämlich nur 0,4 Prozent des gesamten Bestandes. Das Potenzial von Energieeffizienz-Maßnahmen in Bestandsbauten würde noch vernachlässigt, so Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker gegenüber dem „Handelsblatt“. Das bekräftigt auch Olivier Elamine, Vorstandschef des Immobilienunternehmens Alstria Office Reit. Seiner Ansicht nach weicht die Immobilienbranche zwei fundamentale Fragen aus: Braucht man neue Gebäude? Und wenn ja: Stimmen die Vergleichsmaßstäbe? Doch Anreize für nachhaltige Modernisierungsmaßnahmen zu schaffen, sei einfacher gesagt als getan, erläutert Marcus Cieleback, Leiter der Patrizia Research. Deren aktuelle Marktanalyse der Eigentümer der vor 1990 fertig gestellten Einfamilienhäuser ergab, dass 48 Prozent der Eigentümer dieser Gebäude über 60 Jahre alt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Sanierungsmaßnahmen noch zu ihren Lebzeiten amortisieren, sei somit gering. Ebenso beschränkt sei daher der Anreiz für Energie sparende Investitionen. Cieleback fordert daher die Unterstützung der Politik, beispielsweise durch Sonderabschreibungen für energetische Modernisierungen.
Quelle: UD / pm
 
Newsletter

Unsere Verantwortung/Mitgliedschaften

Logo
Serverlabel
The Global Compact
Englisch
Gold Community
Caring for Climate

© macondo publishing GmbH
  Alle Rechte vorbehalten.

 
Lasche