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Umweltorganisation fordert radikalen Umbau der Fischereipolitik

2010 will die EU die Weichen für eine neue Fischereipolitik stellen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife hat hierfür einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der die Überfischung der Meere beenden soll. Zu den wichtigsten Forderungen gehören zum Beispiel die Reduktion des Beifangs sowie strengere Kontrollen auf See.
Foto: Marion Book
14.01.2010 München (UD/pte) - "Zentraler Punkt des Plans ist außerdem eine Neuausrichtung der Fangmengen nach ökologischen Kriterien", so die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife. "Bisher hat die EU die Fangquoten danach verteilt, wieviel die Fischereilobby verlangt - und nicht, wie viel die Meere vertragen", kritisiert die Expertin. 2010 sei ein guter Zeitpunkt, denn das Jahr wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen.

"Eine der wichtigsten Forderungen ist die Anpassung der Fangmengen auf die schwindenden Fischbestände", so Altherr. Erstmals scheint es so zu sein, dass die EU den Vorschlägen des International Council of the Exploration of the Sea folgt. "Demnach dürfen Fangmengen künftig nur nach wissenschaftlichen Kriterien und dem ökologischen Vorsorgeprinzip vergeben werden", erklärt Altherr.

"In der Vergangenheit wurden die Folgen der Entnahme einzelner Fischarten für das gesamte Ökosystem nicht beachtet - mit teils verheerenden Folgen für die komplexen Wechselwirkungen im Meer", führt die Biologin aus. Die EU-Kriterien müssen für die EU-Flotte auch außerhalb der europäischen Gewässer gelten.

Reduktion des Beifangs

"Der Beifang unerwünschter Tiere muss reduziert und künftig mit den Fangquoten verrechnet werden", sagt Altherr. Einige Fischereimethoden - wie etwa die Grundschleppnetzfischerei - landen bis zu 90 Prozent Beifang, der in den Netzen getötet wird und anschließend ohne Menge und Artenspektrum zu registrieren ins Meer gekippt wird. Diese Praxis müsse sich ändern.

"Fischer, die schonende und selektive Fangmethoden und damit geringe Beifangraten haben, sind mit höheren Fangquoten zu belohnen", lautet eine Forderung von Pro Wildlife. Um zu überprüfen, ob die Regelungen auch umgesetzt werden, müsse es mehr Kontrollen auf See geben. "Deutlich höhere und EU-weit einheitliche Strafen sollen künftig den Vollzug der Fischereibestimmungen verbessern."

Nein zu Antibiotika in Aquakulturen

"Für die boomende Aquakultur müssen ebenfalls ökologische Mindestanforderungen etabliert werden", fordern die Umweltschützer. Neben strengen Auflagen zu den Haltungsbedingungen der Tiere müsse der Einsatz von Medikamenten und Pestiziden geregelt werden. "Die Zucht von Raubfischen, die große Mengen an Fischmehl brauchen, ist kontraproduktiv. Sinnvoller sind jene Fischarten, die auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen." Weitere Forderungen betreffen ein Ende der Fischerei-Subventionierung, den Abbau der Flottenkapazität und Auflagen für Fischerei-Aktivitäten außerhalb der EU.

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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