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UN-Dekade zur Biologischen Vielfalt – Forschung ist Voraussetzung für Erfolg

Neun Jahre, um die Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zur Rettung der Biologischen Vielfalt zu erreichen, erscheinen kurz. Zum einen setzt die Politik nach wie vor andere Prioritäten, zum anderen fehlen die meisten Bewertungsmaßstäbe für Erfolg und Misserfolg noch. An beiden Fronten ist die deutsche Biodiversitätsforschung aktiv. Sie macht den Verlust der Biologischen Vielfalt durch menschliche Einflüsse sichtbar, darüber hinaus aber auch ihre Bedeutung für gesellschaftliches Wohlergehen. NeFo, im Auftrag von „Diversitas“ Deutschland und dem BMBF, stellt zum Auftakt der UN-Dekade einige solcher Projekte vor.
Foto: Marion Book
08.11.2011 Berlin  - Eigentlich hätten schon die letzten zehn Jahre die Dekade der Biologischen Vielfalt sein müssen. Bis 2010 hatten sich die Vertragsstaaten des Übereinkommens – der Convention on Biological Diversity (CBD) vorgenommen, den rasanten Schwund der Biologischen Vielfalt und mit ihr lebenswichtiger Ökosysteme zu stoppen. Damals zog die UN das Thema „Bildung" vor. Seitdem geht der Raubbau an den Naturressourcen, trotz allseitiger Willensbekundungen zum Handeln, in den meisten Bereichen ungebremst weiter. Beispielsweise sind im Nordatlantik die Fischbestände in den letzten 50 Jahren um 66 Prozent geschrumpft. Seit 2000 gehen jedes Jahr sechs Millionen Hektar ursprünglicher Waldflächen verloren. „Wir können es uns nicht leisten, den andauernden Verlust und Wandel der Biologischen Vielfalt als ein separates Thema neben den Kernbelangen der Gesellschaft zu behandeln," schreiben die Autoren des UN-Berichts Global Biodiversity Outlook 2010.

Bereits ein Jahr ist es allerdings schon wieder her, dass die zehnte Vertragsstaatenkonferenz der CBD in Nagoya die neuen strategischen Biodiversitätsziele bis 2020 (Strategic Plan 2020) verabschiedet hat. Damit diese nicht ähnlich scheitern wie die letzten, hat die UN nun die Dekade der Biodiversität ausgerufen, um die Dringlichkeit zum Handeln zu betonen. Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) laden am 8. November in der Berliner Kalkscheune zur Auftaktveranstaltung ein.

Strategischer Plan 2020 der CBD gibt die Marschrichtung vor

Der neue Strategische Plan ist der Leitfaden für die kommenden zehn Jahre. Zwanzig Ziele benennen im Vergleich zu den vorherigen Zielen klarer die Verursacher und setzen quantifizierbare Grenzen. Die Forschung hat bei der Frage um Erfolg und Misserfolg hier eine Schlüsselrolle, sowohl um Lösungsansätze zu entwickeln, als auch Indikatoren zur Messung des Erfolges von Maßnahmen an die Hand zu geben. Denn bei einer Vielzahl der Ziele ist noch nicht einmal klar, wie ein Erreichen oder Verfehlen überhaupt gemessen werden soll.

Wo stehen wir heute? Und wie kommen wir vorwärts? – Antworten liefert die
Forschung

Die 20 Ziele des Strategischen Plans der CBD machen die Bandbreite deutlich, in denen Handlungsänderungen notwendig sind, um den zunehmenden Verlust der biologischen Lebensgrundlage aufzuhalten. Entsprechend groß ist auch die Bandbreite des nötigen Wissens und der dahinter stehenden Forschung, die für sinnvolle politische Entscheidungen notwendig ist. Tausende von Biodiversitätswissenschaftlern arbeiten weltweit für deutsche Forschungseinrichtungen, um die Mechanismen der Ökosysteme sowie die Einflüsse des Menschen auf die Natur und umgekehrt sichtbar zu machen und Lösungsansätze anzubieten.

Um zu zeigen, welche Forschung zur Erreichung welches der 20 Ziele beiträgt, haben wir ein paar Beispiele zusammengestellt unter: www.biodiversity.de

Grundsätzlich muss jedoch eine Bereitschaft zum Umdenken auch in der Politik entstehen. Das nötige Wissen über die Konsequenzen soll der derzeit entstehende internationale wissenschaftlich Rat für Biologische Vielfalt liefern. „IPBES soll die Probleme zwar auch identifizieren", sagt Prof. Eduard Linsenmair, Vorstandsmitglied von „Diversitas“ Deutschland, „als größte Herausforderung sehe ich aber, dass Politiker ihr Bild vom Wert der Vielfalt ändern müssen."

Und dies scheint bisher tatsächlich noch nicht geschehen zu sein. So setzt sich die EU-Kommission in ihrer neuen Biodiversitätsstrategie zwar das Ziel, bis 2015 die gesamte Fischerei- und Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Solche Vorhaben müssten dann allerdings auch in die entsprechenden Politikbereiche einfließen. Die Ansätze zur Nachhaltigkeit und Erhaltung der Biologischen Vielfalt der EU-Kommission in der bevorstehenden EU-Agrarreform und Gemeinsamen Fischereipolitik schätzen Experten jedenfalls als lange nicht ausreichend ein.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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