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Impact Investing: Was sich durch die Corona-Krise für nachhaltige Start-ups ändert

Eine zunehmende Anzahl junger Start-ups setzt sich mit ihren Geschäftsmodellen für nachhaltige Ziele ein. Wie sind diese Unternehmen von der Corona-Pandemie betroffen, was ändert sich für sie bei der Finanzierung und welche Rolle können sie beim Neustart nach der Krise spielen?

25.06.2020

Impact Investing: Was sich durch die Corona-Krise für nachhaltige Start-ups ändert

Die Corona-Krise stellt beinahe jedes Unternehmen vor große Herausforderungen. Auch Start-ups bilden hier keine Ausnahme. Zum Teil konnten sie quasi „über Nacht“ kaum noch Umsätze generieren und gleichzeitig sind Investoren in dieser unsicheren Zeit besonders vorsichtig bei der Vergabe der finanziellen Mittel. Das kann insbesondere nachhaltige Startups schnell unter Druck setzen, die Kapitalbeschaffung laut des aktuellen Green Startup Monitors 2020 bereits vor Corona als ihr größtes Problem ansahen. 

Vor der COVID-19-Pandemie: Deutlicher Aufwärtstrend bei nachhaltigen Start-ups 

Die Corona-Krise fällt in eine Zeit, in der sich nachhaltige Start-ups eigentlich im Aufwind befinden. So zeigt der Green Startup Monitor 2020 weiterhin, dass aktuell mehr als 20 Prozent aller Start-up-Gründungen in Deutschland ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen. Die wachsende Bedeutung von Impact-Start-ups korrespondiert mit der optimistischen Selbsteinschätzung der nachhaltigen Gründer: Drei von vier nachhaltigen Start-ups, und damit deutlich mehr als bei den nicht-nachhaltigen, bewerten demnach ihre zukünftige Geschäftslage als positiv.

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Während der COVID-19-Pandemie: Verschiebung der Prioritäten

Auch während der Corona-Pandemie behaupten sich wirkungsorientierte Start-ups durchaus, auch wenn es insgesamt eine harte Zeit für junge Unternehmen ist. Insgesamt fällt die Lage, je nach Geschäftsmodell, sehr unterschiedlich aus. So können manche Firmen, beispielsweise im Digital-Health- oder Digital-Education-Bereich, sogar profitieren – denn Nachhaltigkeit schließt wesentlich mehr Bereiche ein als nur Umwelt- und Klimaschutz. Start-ups wie zum Beispiel KRY, die digitale Arzttermine per Video anbieten, oder Kiron, die einen digitalen Zugang zu universitärer Bildung schaffen, sind mit ihren Geschäftsideen und Themen in Zeiten von Social Distancing relevanter denn je.

Zudem zeigte sich bereits mit dem Beginn der Krise sehr offensichtlich, in welchen Bereichen eine besonders hohe Nachfrage nach Innovationen besteht, zudem wurden soziale Probleme verstärkt sichtbar. Dazu gehören die Vereinsamung im Alter, soziale Ungleichheit in der Bildung sowie psychische Gesundheit. Die zunehmende Isolation durch den Lockdown sowie existentielle Ängste und Nöte durch die wirtschaftlichen Einbrüche haben weitreichende Folgen für die seelische Gesundheit betroffener Menschen, weshalb Mental Health in den vergangenen Monaten eine wachsende Bedeutung und Aufmerksamkeit erlangte. Start-ups wie Ieso Digital Health, das in Großbritannien mithilfe einer digitalisierten und KI-unterstützten online Psychotherapie tausende Patienten mit Depression und Angstzuständen besonders effektiv behandelt, berichten hier von einer stark ansteigenden Nachfrage während der Pandemie. So kommt es, dass Start-ups in den höher nachgefragten Impact-Bereichen, die derzeit mit sicheren Umsätzen für ihre Services und Produkte rechnen können, langfristig sogar attraktiver für Investoren werden können, da sie während der Krise ihre hohe Bedeutung eindrucksvoll bewiesen haben.

Doch auch wenn die aktuelle Krise bestimmte Probleme akut in den Fokus rückt, sollte der Blick nicht von langfristigen Herausforderungen abgelenkt werden. So war in den vergangenen Monaten die Klimaerwärmung sicher weniger präsent, besitzt aber weiterhin eine hohe Dringlichkeit. Sowohl Investoren als auch Start-ups tun daher gut daran, sich trotz momentan fehlender Aufmerksamkeit nicht von ihrem Kampf für den Klimaschutz abbringen zu lassen.

In Sachen Investments ist die Lage für Start-ups derzeit schwierig.
In Sachen Investments ist die Lage für Start-ups derzeit schwierig.

Nachhaltige Start-ups müssen Geduld beweisen

Für die Mehrheit der nachhaltigen Start-ups bleibt die Kapitalbeschaffung ein Problem, das sich durch die Corona-Krise noch einmal verschärft hat. Zwar hat die gesellschaftliche Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit dazu geführt, dass Investoren verstärktes Interess an Impact Investing zeigen: von institutionellen Investoren wie dem Europäischen Investment Fonds bis zu vielen Family Offices, die ihr Geld mittlerweile vermehrt – teils sogar exklusiv – im Impact-Bereich investieren. Gleichzeitig kann dieser Zuwachs jedoch aktuell noch nicht mit der stark wachsenden Zahl nachhaltiger Gründungen mithalten. Ein Grund hierfür ist, dass viele Investoren bei einem zu starken Fokus auf Impact im VC-Portfolio Einbußen bei der finanziellen Rendite befürchten. Diese Sorge spiegelt sich auch aktuell wieder, in der die corona-bedingten wirtschaftlichen Einbrüche zu noch mehr Zurückhaltung bei Investments nachhaltigen Geschäftsmodelle führen.

Allgemein ist die Lage in Sachen Investments derzeit schwierig, Start-ups sollten deshalb anstehende Finanzierungsrunden tendenziell auf das Ende des Jahres verschieben, wenn die Lage wieder überschaubarer ist. Für viele Start-ups wird es daher erst einmal besonders kompliziert, noch in diesem Jahr frisches Kapital zu erhalten. Sobald die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ersichtlicher werden, können VCs wieder besser planen und es wird wieder mehr Geld am Markt verfügbar sein. Um durch diese Durststrecke strategisch klug navigieren zu können, sollten gerade junge Start-ups nicht davor zurückschrecken, sich Beratung einzuholen und vom Expertenwissen erfahrener Gründer zu profitieren. Speziell für den Impact-Bereich können spezielle Inkubatoren und Acceleratoren, wie Respond, Unterstützung bieten. Sollten nachhaltige Start-ups eine Finanzierungsrunde planen, kann es ein Vorteil sein, den Businessplan sehr fokussiert auszusetzen, also mit kleineren Summen und wenigen Pilotkunden zu planen.

Hoffnungen für die Zeit nach der Krise

Für die Zukunft der nachhaltigen Start-up-Szene wird es zum einen entscheidend sein, wie schnell die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen unter Kontrolle gebracht werden können, und zum anderen, wie stark sich der Fokus auf nachhaltige Geschäftsmodelle letztlich bei den Investoren durchsetzen und über ihre Bedenken im Hinblick auf deren Rendite hinwegsetzen wird. Ein Aspekt, der hierbei von großer Bedeutung sein könnte, sind die Hoffnungen, die derzeit viele Meinungsführer nun in einen nachhaltigen Neustart der Wirtschaft setzen. Denn laut einer aktuellen Initiative, bestehend aus Vertretern aus Politik und Unternehmen, bietet dieser Neustart nach der große Chancen, um die Wirtschaft nachhaltig zu transformieren. Lassen sich mehr Unternehmen und Investoren von einer solchen Entwicklung überzeugen, dann werden wirkungsorientierte Start-ups hierbei sicher eine entscheidende Rolle spielen. Mittel- und langfristig werden die jungen Unternehmen es unter anderem aus diesem Grund voraussichtlich sogar leichter haben, Investoren für sich zu gewinnen. Ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft könnte somit in den kommenden Jahren noch schneller zunehmen und den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre in diesem Segment weiter verstärken.

Autoren: 

  • Johannes von Borries, Managing Partner bei Unternehmertum Venture Capital Partners, VC Partner von RESPOND,
  • Florian Erber, Managing Partner bei Ananda ImpactVentures, VC Partner von RESPOND,
  • Miki Yokoyama, COO des Accelerator-Programms RESPOND und Managing Partner bei TechFounders, dem Startup-Accelerator des Gründungszentrums UnternehmerTUM

Quelle: UD
 

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