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Corona-Krise: soziale Innovationen erhalten und fördern

Eine sowohl qualitative als auch quantitative Umfrage unter Sozialunternehmen aus ganz Deutschland zeigt, dass die unterschiedlichen Hilfsangebote von Bund und Ländern den Sozialunternehmerinnen und -unternehmern überwiegend keine Perspektive bieten. Die Hälfte kann unter den aktuellen Bedingungen daher nur noch sechs Monate überleben.

13.05.2020

Corona-Krise: soziale Innovationen erhalten und fördern
Sozialunterneherinnen und -unterneher werden aktuell finanziell kaum gefördert.

Die meisten Finanzhilfen unterstützen nur die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Gewinne ausweisen konnten – Sozialunternehmen stecken ihre Gewinne aber in ihre soziale Wirkung und werden deswegen benachteiligt. 

Auf den Einmalzuschuss als Soforthilfe des Bundes oder Landes konnten lediglich 32,9 Prozent der Mitglieder zurückgreifen. Bei den unterschiedlichen Landesprogrammen zur Liquiditätssicherung waren es nur 10,8 Prozent. Am schlechtesten sieht es bei der Nutzung der KfW-Darlehensprogrammen aus. Hier konnten sich laut Umfrage gerade einmal 3,2 Prozent der deutschen Sozialunternehmerinnen und -unternehmer erfolgreich bewerben. 

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„Hier sehen wir die gleichen Probleme, mit denen der Sektor auch schon vor der Krise zu kämpfen hatte. Die Auswirkungen von Covid-19 wirken wie ein Brennglas auf die Missstände in der deutschen Förderlandschaft“, sagt Markus Sauerhammer, der Vorsitzende des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND), das die Umfrage initiiert hat. 

In der Krise werden gerade Sozialunternehmen und ihre Leistungen gebraucht. 35 Prozent der Befragten sagen, ihre soziale Wirkung habe sich in den letzten Wochen sogar vergrößert. Damit die soziale, gesellschaftliche, nachhaltige Wirkung dieser Organisationen erhalten bleibt, müssen Sozialunternehmen die Krise überstehen. Die Hälfte (46 Prozent) der Sozialunternehmen gibt allerdings an, unter den derzeitigen Umständen höchstens noch sechs Monate geschäftsfähig bleiben zu können.

Kaum Finanzierung für Social Entrepreneurs

„Eine strukturelle Herausforderung wird in der Corona-Krise besonders sichtbar: Dass es für Social Entrepreneurs keine wirkliche Zuständigkeit gibt, weder in Politik noch in Verwaltung. Wir sind gewohnt in Wirtschaft zu denken oder in sozialen Dienstleistungen unter dem Sozialgesetzbuch oder in Ehrenamt. Aber wir sind nicht gewohnt Innovation, unternehmerisches Handeln und Gemeinwohlorientierung zusammen zu denken und eine Infrastruktur für gesellschaftliche Innovation aufzubauen“, so SEND Vorstandsmitglied Laura Haverkamp von Ashoka. 

„Sozialunternehmerinnen und -unternehmer bieten Lösungen für gesellschaftliche Probleme und wollen ihren Beitrag dazu leisten, damit Deutschland aus der Krise kommt. Der Bedarf für Lösungen, zum Beispiel in den Bereichen Nachbarschaftshilfe, Gesundheit oder dem digitalen Arbeiten, wurde in den letzten Wochen noch sehr viel deutlicher. Für den Aufbau einer nachhaltigen Zukunft benötigen wir ein Umdenken in der Förderlogik – weg von reinen Rendite-Kriterien hin zu Wirkungskriterien“, sagt Markus Sauerhammer. „Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD klargestellt, dass ‚Social Entrepreneurship bei der Lösung aktueller gesellschaftlicher und sozialer Herausforderungen eine zunehmend wichtige Rolle spielt.‘ Sie wollten Social Entrepreneurship deshalb ‚noch stärker als bisher fördern und unterstützen‘. Nun ist die Zeit dafür gekommen“, so Sauerhammer.

SEND fordert deshalb: 

  • Ein Finanzierungsprogramm für Sozialunternehmen, unabhängig ihrer Rechtsform, das sozial-ökologische Kriterien in den Vordergrund stellt und die Finanzierung von privaten und institutionellen Geldgebern hebelt. 

  • Für gemeinnützige Organisationen wird ein Zuschussprogramm benötigt, idealerweise unter Einbindung weiterer Geldgeber. Hier drängen wir auf eine zügige Umsetzung der Bundesratsinitiative für ein Zukunftsprogramm für zivilgesellschaftliche Organisationen in der Corona-Pandemie.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 
 

Über SEND 

Das Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschlands (kurz SEND) ist angetreten, um Sozialunternehmen zu vernetzen, zu stärken und eine gemeinsame Stimme zu geben. SEND baut wichtige Brücken zur Politik, Zivilgesellschaft und klassischen Wirtschaft, um positiven Wandel in unserer Gesellschaft voranzutreiben und die Rahmenbedingungen für soziale Innovationen zu verbessern.

Quelle: UD/pm
 

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