24.07.2019
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08.05.2019

Produkte

Messen und Nachhaltigkeit: Papier, Holz oder Kunststoff?

Messestände werden erst richtig schön durch Informationsdisplays, Aufsteller und Deckenanhänger. Messebauer verwenden für diese Präsentationsmedien immer öfter Papier und verzichten auf Kunststoff. Wird der Messestand dadurch automatisch nachhaltiger? Nicht unbedingt, meinen die von uns befragten Fachleute.

Messen und Nachhaltigkeit: Papier, Holz oder Kunststoff?

Wer schon einmal einen Messeaufbau erlebt hat, weiß: Dort eröffnet sich eine ganz eigene Welt. Überall wird gesägt, geschraubt, gehämmert und geschmückt. Die Messestände verwandeln sich bis zum ersten Messetag mit Hilfe von Folien, Displays, Aufstellern und Deckenanhängern in bunte Erlebniswelten. Einige Tage später ist es mit dem schönen Schein wieder vorbei. Was zuvor sorgfältig errichtet wurde, wird nun in Windeseile „in die Tonne gekloppt“. Abfall ist eines der großen Probleme des Veranstaltungsmanagements. Dabei gilt auch hier, was der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer voriges Jahr bei der Mitgliederversammlung des Institutes Bauen und Umwelt sagte: „Wir werden uns eine lineare Wegwerfwirtschaft nicht mehr leisten können.“

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Nachfrage nach papierbasierten Lösungen wird steigen

Aber was ist die Alternative? Beispielsweise könnten Messebauer vermehrt auf Papier setzen. Denn immerhin handelt es sich dabei um „ein nachhaltiges High-Tech-Produkt“ aus einem nachwachsenden Rohstoff mit einer gut funktionierenden Recyclinginfrastruktur, so „Austropapier“, Verband der österreichischen Papier- und Zellstoffindustrie. Nicht nur Präsentationsmedien, sogar Messemöbel und Leichtbauwände gibt es aus Papier. Die Nachfrage nach nachhaltigen, papierbasierten Lösungen für die visuelle Kommunikation wird steigen, erwartet Marius Knudsen, Produkt-Manager „Visual Communication & Board“ bei der deutschen Antalis GmbH. Die europäische Großhandelsgruppe für Kommunikationsmedien in den Bereichen Print, Office, Packaging und Visual Communication hat sich darauf eingestellt. Seit Mai 2017 bietet das Frechener Unternehmen Display-Boards aus Papier an.

Hersteller der nachhaltigen Lösung ist die Katz Group aus dem badischen Weisenbach. Die Boards sind recycelbar, mineralölfrei, können beidseitig bedruckt werden und sind gut geeignet, um herkömmliche Produkte aus PVC, Aluminium oder Leichtschaum zu ersetzen. Selbst der Einsatz im Freien ist möglich. „Die Boards haben uns insbesondere durch ihre gute Druck- und Schneidequalität überzeugt“, sagt Marius Knudsen. Sie bestehen aus beidseitig papierkaschierten Displaypappen auf Holzschliffbasis.

Erhältlich sind sie in vielen unterschiedlichen Kaschierungen und Formaten mit Stärken bis zu fünf Millimeter. Gerade wegen der hohen Materialdichte bei gleichzeitig geringem Gewicht eignen sie sich gut als hochwertige Präsentationselemente für den „Point of Sales“ (PoS), so Knudsen weiter. 

Für die Katz Group biete die Kooperation mit dem „kompetenten und vertrauenswürdigen Partner“ Antalis die Chance, „die Verfügbarkeit der Katz Display Boards in Deutschland“ zu erhöhen, freut sich Katz-Projektmanager Key Accounts Ralph Unger.

Wiederverwendbares Messebaumaterial ist nicht per se besser

Welches Material ist aber nun aus Nachhaltigkeitsperspektive das Beste für die visuelle Messekommunikation? Papier, Holz oder Kunststoff? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Silke Schulte, Geschäftsführerin der ESG Einkaufs- und Servicegesellschaft mbH, sagt: „Material muss planvoll eingesetzt werden. Es ist nicht damit getan zu sagen, ich verwende demnächst nur noch Papier, oder ich verwende nur noch Holz.“

Katz Sitzmöbel

Die ESG ist ein Unternehmen des FAMAB Kommunikationsverband e.V. Sie hat einen Pool aus etwa 150 Zulieferunternehmen aufgebaut und vermittelt Messebauern entsprechende Kontakte. Auch die Beratung zur möglichst nachhaltigen Gestaltung von Lieferketten gehört zum Service. Die Fachfrau, die für den FAMAB das Zertifizierungsangebot „Sustainable Company“ für Messebauer mit entwickelte und sich dafür einsetzt, Material und Lieferanten für Messestände transparent zu kommunizieren, rät zur genauen Analyse der Vor- und Nachteile verschiedener Materialien. Papier-, Holz- oder Textil-Komponenten würden beispielsweise in der Regel behandelt, damit sie schwer entflammbar sind – was das Recycling erschwert. Wiederverwendbare Produkte wiederum seien nicht per se umweltfreundlicher. Denn sie müssten nach der Messe gesäubert, verpackt, ins Lager transportiert und schließlich zur nächsten Messe gebracht werden. Ob dies die Umwelt mehr schone als die einmalige Nutzung eines nach der Messe fachgerecht recycelten Papierproduktes mit entsprechend geringerem Transportvolumen und -gewicht, sei nur schwer zu beurteilen. Leider gebe es für die Messebaubranche keine standardisierten Beurteilungsinstrumente für derlei Fragen.

Langfristig angelegte Standbaukonzepte sind wirtschaftlich und nachhaltig

Bei der Materialauswahl für Messestände verfolgt Jürgen May, Geschäftsführer von „2bdifferent“, einen pragmatischen Ansatz. Seine Agentur aus Speyer ist auf nachhaltiges Eventmanagement spezialisiert. Viel ist laut May bereits gewonnen, wenn weniger belastende Produkte gewählt würden – Papier mit hohem Rezyklatanteil, Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Farben und Lacke mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ sowie gut recycelbarer Kunststoff, wenn möglich sogar aus dem grundsätzlich biologisch abbaubaren PLA. Solche Anforderungen sollten bereits in den Ausschreibungen der Messeprojekte definiert werden.

Am wirtschaftlichsten und nachhaltigsten, das ist Jürgen May wichtig, sind Standbaukonzepte, die auf mehrere Jahre angelegt sind. Infomaterialien und Präsentationselemente könne man beispielsweise so gestalten, dass sie mehrfach verwendet werden können. Praktischer Tipp des Experten: „Drucken Sie keine Jahreszahlen auf Werbetafeln!“

FAMAB bietet CO2-Kompensation an

Seit vielen Jahren engagiert sich der 1963 gegründete FAMAB Kommunikationsverband e.V. für nachhaltigen Messebau. Messebauer, die einen Ausgleich für unvermeidliche Umweltbelastungen leisten wollen, finden bei der FAMAB-Stiftung einen Online-Rechner zur Ermittlung der CO2-Emissionen eines Messestandes. Der vorgeschlagene Ausgleichsbetrag kommt einem Regenwald-Aufforstungsprojekt in Panama zugute.

Quelle: UmweltDialog
 

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