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04.04.2019

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„Grüne“ Gebäude: It’s the Data, Stupid!

Schaffe, schaffe, Häusle baue. Und das am besten ganz in „grün“, möglichst umweltfreundlich. Wie das geht, das zeigen erprobte Zertifizierungssysteme. Die können allerdings nur so gut sein, wie die Daten, die sie zur Ökobilanzierung nutzen. Und da – das zeigt eine neue Studie – steckt der Teufel im Detail.

„Grüne“ Gebäude: It’s the Data, Stupid!

Keine Frage: „Grüne“ Gebäude boomen. Das Marktvolumen dieses Bausektors wird sich in Europa bis 2020 voraussichtlich auf 140 Milliarden Euro belaufen, so das Europäische Patentamt. Die Zahl angemeldeter Patente auf „grüne“ Bautechnologien hat sich in den ersten elf Jahren des Jahrtausends bereits verdreifacht. Tendenz: weiter steil steigend.

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Grün, grüner, am grünsten 

Für das Klima und die Umwelt sind das gute Nachrichten. Zumal heute nicht mehr einfach so drauf losgebaut wird. Bauherren, die es umweltfreundlich mögen, können aus verschiedenen Zertifizierungssystemen wählen, die ihnen bis ins kleinste Detail vorgeben, was grün, grüner am grünsten ist. Das System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) etwa, dem Quasi-Standard für Deutschland.

Wer seine Immobilie nach DGNB-Vorgaben zertifizieren lassen will, muss sich mit zahlreichen Kriterien vertraut machen, die bei der Bewertung von Gebäuden eine Rolle spielen und letztlich mitbestimmen, wie nachhaltig eine Immobilie ist. Je nach Gebäudetyp fließen bis zu 40 Nachhaltigkeitskriterien mit in die Bewertung ein, selbstverständlich auch die für den Bau verwendeten Materialien. 

Gute Daten, schlechte Daten? 

Welche Dachpfannen oder Ziegelsteine, welcher Zement oder welche Fenster und Türen unter Öko-Aspekten wie abschneiden, ist heute gut dokumentiert. Es gibt einerseits sogenannte „generische Daten“, die in der Regel auf allgemein zugänglichen Statistiken und Literaturquellen gründen. Und es gibt die Daten, die die Hersteller von Ziegeln, Zement oder Zargen selbst erheben, die also auf den Werten der tatsächlichen Produktion beruhen. 

Viele Hersteller machen inzwischen solche Öko-Angaben, in sogenannten Umwelt-Produktdeklarationen. Und es gibt unabhängige Stellen, die diese Daten überprüfen und dokumentieren, etwa das Berliner Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) das eine umfassende Datenbank zu diesen „Environmental Product Declarations“, kurz EPDs, unterhält.

Trau, schau, wem!

Die Frage ist: Welche Daten sind aussagekräftiger, welche vertrauenswürdiger? Die generischen? Die unabhängig überprüften? Und wenn es Unterschiede gibt – wie wirken die sich auf die Ökobilanz eines Gebäudes aus, wenn das DGNB-Schema zugrunde liegt? Hat die Güte der Öko-Angaben überhaupt einen nachweislichen Effekt auf Gebäude-Zertifizierungen, wie sie die DGNB durchführt?

Das Berliner IBU wollte das genauer wissen und hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) beauftragt zu untersuchen, ob und inwieweit sich die Gebäude-Ökobilanz bei Verwendung von EPD-Daten im Vergleich zu generischen Daten ändert – und wie sich die unterschiedliche Datenbasis auf die DGNB-Bewertung der einzelnen Umweltindikatoren eines Gebäudes auswirkt. 

Steigt: Einfluss der Baumaterialien auf Ökobilanz 

Was ist herausgekommen? Dass der Einfluss der verwendeten Materialien auf die Gebäude-Ökobilanz zunimmt, und zwar aus einem schlichten Grund: „Je energieeffizienter die Gebäude werden, desto höher wird der Anteil der Bausubstanz an den Umweltauswirkungen des Gebäudes“, sagt Studienautor Johannes Gantner. „In der Folge wird die Bedeutung der Baustoffe weiter zunehmen und die Auswahl der Materialien rückt stärker in den Fokus von Planern und Bauherren.“

Ein weiteres Ergebnis der Fraunhofer-Forscher: Die Ökobilanz eines Gebäudes lässt sich noch mal verbessern, wenn statt generischer Produktdaten unabhängig überprüfte EPDs verwendet werden. Die Forscher haben das an einem Beispiel durchgerechnet, genauer: an einem Bürogebäude in Massivbauweise, für das vorab die Bauprodukte und der Energiebedarf ermittelt wurden, und das in zwei verschiedenen Energieszenarien: „Standard“ und „Zukunft“, die dann jeweils mit generischen Baustoffdaten und herstellerspezifischen EPDs gefüttert wurden.

EPD-Daten stiften zusätzlichen Öko-Nutzen

Man ahnt es: In beiden Szenarien stiften die unabhängig überprüften EPD-Daten einen zusätzlichen Öko-Nutzen gegenüber den generischen Daten. Er liegt je nach Szenario zwischen drei und sieben Prozent, um die sich die Ökofolgen des Gebäudes über seinen Lebenszyklus verringern. Wegen des schon erwähnten Einflusses der Herstellungsphase. Denn je effizienter ein Gebäude ist, desto wichtiger werden die verbauten Materialien für die Öko-Bilanz, desto wichtiger, dass die sauber erhoben werden, damit Bauherren eine fundierte Wahl treffen können. 

Hans Peters, Vorstandsvorsitzender des IBU und Auftraggeber der Studie, sagt, dass durch sie eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass „sich der Einsatz von spezifischen EPDs in Gebäude-Ökobilanzen auszahlt“. „Dies“, so Peters, sei „ein wichtiges Signal an unsere Mitglieder und alle am Bau Interessierten.“

Quelle: UmweltDialog
 

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