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14.05.2018

Lieferkette

Nachhaltige Lieferketten: Noch viel Luft nach oben

Viele Unternehmen widmen der Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette weiterhin wenig Aufmerksamkeit, obwohl sie zunehmend Druck von außen verspüren, sich des Themas anzunehmen. Durch ihr Zögern verspielen sie Wettbewerbsvorteile, von denen weniger nachlässige Unternehmen schon profitieren.

Nachhaltige Lieferketten: Noch viel Luft nach oben
Nachhaltigkeit in der Lieferkette genießt bei vielen Unternehmen immer noch keine Priorität.

Das sind zwei Ergebnisse einer aktuellen Befragung von über 1.400 Fachleuten aus Unternehmen in Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Asien, die das globale Qualitätssicherungs- und Risikomanagement-Unternehmen DNV GL durchgeführt hat. Für die Studie holten die Experten das Marktforschungsinstitut GFK Eurisko und Sedex Information Exchange mit an Bord, eine kollaborative Plattform, die sich für mehr Nachhaltigkeit und Transparenz in weltweiten Lieferketten einsetzt.

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Kluft zwischen „Anfängern“ und „Profis“

Ein Hauptergebnis der Erhebung: Beim Management nachhaltiger Lieferketten haben viele Unternehmen noch viel Luft nach oben. Rund die Hälfte der Befragten schätzt ihren Arbeitgeber als „Anfänger“ in diesem Bereich ein und verortet ihn auf einer „Reifeskala“ von 1 bis 5 auf den unteren beiden Stufen. Nur rund 18 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen dagegen auf den obersten zwei Reifestufen, also unter den Vorreitern.

Das überrascht. Denn zum einen sahen sich in einer Vorgängererhebung aus dem Jahr 2014 schon rund 22 Prozent oben angekommen – knapp vier Prozent mehr als heute. Zum anderen fühlen die Unternehmen heute deutlich mehr Druck, eine nachhaltige Lieferkette nachzuweisen, als noch 2014. 86 Prozent geben das an, entsprechend einem Zuwachs von sechs Prozent. Als stärksten Treiber für nachhaltige Lieferketten nennen 76 Prozent ihre Kunden.

Vorreiter verfolgen strukturierte Ansätze

Wie die Unternehmen auf den zunehmenden Druck reagieren, ist höchst unterschiedlich. Die „Profis“ begegnen ihm laut Studie mit „strukturierten Ansätzen“. Wenn sie die Nachhaltigkeit ihrer Lieferanten in Audits überprüfen, beziehen sie beispielsweise weitaus häufiger unabhängige Dritte wie DNV GL mit ein. 30 Prozent bieten ihren Lieferanten spezielle Schulungen an. 55 Prozent haben eine Nachhaltigkeitsstrategie und die auch an die Lieferanten kommuniziert. Ebenso viele verlangen von denen die Offenlegung entsprechender Informationen.

In der Gesamtschau aller befragten Unternehmensexperten liegt dieser Wert mit 36 Prozent deutlich tiefer. Auch führten nur 39 Prozent der Befragten direkte Audits bei ausgewählten Lieferanten durch. Vier von fünf Unternehmen geben immerhin an, mindestens eine Maßnahme ergriffen zu haben, um mehr Nachhaltigkeit in ihre Lieferkette zu bringen. Allerdings werden diese der Studie zufolge hauptsächlich in Eigenregie durchgeführt und gehen selten über die erste Stufe der Wertschöpfungskette hinaus. Lediglich sieben Prozent der Befragten sagen, dass ihr Unternehmen bereits alle Stufen der Lieferkette erreicht habe.

Nachhaltigkeit als aktives Risikomanagement

Nach Einschätzung von Luca Crisciotti, Vorstand des Geschäftsbereichs Business Assurance bei DNV GL, sind solche „unstrukturierten Versuche“, die Lieferkette nachhaltiger zu machen, nicht zielführend. Unternehmen, die das wirklich wollen, empfiehlt er einen systematischen Ansatz. „Die Unternehmen, die strategisch und ganzheitlich vorgehen, können ihre Risiken besser steuern und ihren Nutzen daraus ziehen“, so Crisciotti. Das rüste sie auch besser für die Anforderungen des Gesetzgebers und die Erwartungen von Stakeholdern.

Die Unternehmen, die ihre Lieferkette in Sachen Nachhaltigkeit heute schon gut aufgestellt sehen, bestätigen das. Sie berichten von erheblichen Vorteilen, die ihnen daraus entstanden sind: So geben 65 Prozent an, dass sie durch mehr Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette ihre Reputation am Markt verbessern konnten. 32 Prozent sagen sogar, dass sie dadurch Marktanteile gewinnen konnten. Bei den nicht so ambitionierten Unternehmen liegen beide Quoten rund die Hälfte niedriger.

„Profis“: Nutzen wiegen Kosten mindestens auf

Unter den befragten „Profis“ ist zugleich die Bereitschaft in den kommenden drei Jahren in nachhaltigere Lieferketten zu investieren, deutlich ausgeprägter als bei den weniger ambitionierten Unternehmen. Von Letzteren erwarten 90 Prozent je zur Hälfte keine entsprechenden Investitionen oder zumindest keine steigenden. Von den „Profis“ haben das dagegen rund 71 Prozent vor, mehr Geld als heute für die Nachhaltigkeit ihrer Lieferketten auszugeben.

Dass ist aus ihrer Sicht folgerichtig: Denn die „Profis“ meinen zu fast 85 Prozent, dass der Nutzen ihres nachhaltigen Lieferkettenmanagements dessen Kosten aufwiegt oder übersteigt. Im Gesamtsample liegt diese Quote rund zehn Prozent niedriger. Der größte Nutzen im Verhältnis zu den Kosten liegt der Studie zufolge in Lieferanten-Audits, die unabhängige Stellen durchführen, sowie in Trainings, die den Blick der Zulieferer auf Nachhaltigkeitsaspekte schärfen.

Digitale Kollaboration noch Ausnahme

Das Management von Risiken über die gesamte Lieferkette hinweg erfordert nach Ansicht von DNV GL-Vorstand Luca Crisciotti genau das: „Die Erfassung von Leistungsdaten der Lieferanten, um effizient Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen.“ Digitaltechnologien wie die Big-Data-Analyse oder Data Sharing-Plattformen könnten den Unternehmen dabei Hilfestellung leisten.

Noch steht die Offenlegung von Informationen über Nachhaltigkeit in der Lieferkette jedoch ganz am Anfang – und damit eben auch die Möglichkeit, sie mit anderen Unternehmen zu teilen. Laut Studie geben derzeit lediglich 20 Prozent der Befragten entsprechende Informationen über ihre Lieferkette preis.

Quelle: UmweltDialog
 

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