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04.07.2017

Lebensmittel

Studie zeigt Kosten der Lebensmittelproduktion für Mensch und Umwelt

Die Nahrungsmittelproduktion hat viele verborgene Auswirkungen auf die Menschen und den Planeten, einschließlich der Effekte auf Klima, Gesundheit, Wasserqualität und Bodenerosion. Finanzprüfer Ernst & Young (EY) und Nachhaltigkeitsberater Soil & More entwickelten eine Methode für kleine und mittlere Unternehmen der Branche, um diese versteckten Kosten mithilfe eines praktischen Dashboards zu kalkulieren.

Studie zeigt Kosten der Lebensmittelproduktion für Mensch und Umwelt

Zur Veranschaulichung ihrer Methode, berechneten sie die positiven wie negativen Effekte von Eosta, eines der weltweit führenden Handelsunternehmen von Bio-Obst und -Gemüse. Das Resultat: Eine „wahre“ und damit umfassende Wertschöpfungsanalyse für neun verschiedene Produkte sowie eine integrierte Gewinn- und Verlustrechnung auf Unternehmens-Ebene. Für die Auswirkungen auf Gesundheit und Böden konnten dabei die deutlichsten Unterschiede zwischen Bio- und konventionellem Anbau beziffert werden. Die Pilotstudie wurde jüngst auf dem EAT Food Forum in Stockholm präsentiert. 

Eosta-Geschäftsführer Volkert Engelsman überreichte vergangene Woche das erste Exemplar der Pilotstudie "True Cost Accounting for Food, Farming and Finance" an Peter Bakker, Präsident des Weltwirtschaftsrats für Nachhaltige Entwicklung. Bakker kommentierte: "Die Ergebnisse des Business Case Eosta verdeutlichen das Potential von True Cost Accounting, die Definition von Gewinn zu reformieren und falsche Anreize im System zu bekämpfen. Ich bin davon überzeugt, dass True Cost Accounting die Bewertung von Unternehmen und ihren Zugang zu Kapital innerhalb weniger Jahre gravierend beeinflussen wird."

Eosta übernimmt Vorreiterrolle

Die Pilotstudie, die von der Triodos Bank und Hivos unterstützt wurde, untersucht und bepreist die Auswirkungen des Anbaus von z.B. Bio-Äpfeln in Argentinien, Bio-Karotten in den Niederlanden und Bio-Avocados in Kenia im Hinblick auf die Wasserverschmutzung, Bodenerosion, Pestizidbelastung und Treibhausgasemissionen. Diese Auswirkungen wurden mit nicht-biologisch angebauten Produkten aus denselben Herkunftsgebieten verglichen. Die Studie enthält auch eine integrierte Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für Eosta, das damit als erstes KMU der Lebensmittel- und Agrarbranche weltweit bewusst an die Öffentlichkeit geht. Die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren maßgeblich am Projekt beteiligt.

Konsumenten und Unternehmen stärken

Volkert Engelsman, Geschäftsführer von Eosta, erklärt: "Wir haben ein praxistaugliches Dashboard für kleine und mittlere Unternehmen der Lebensmittel-, Agrar- und Finanzbranche entwickelt, mit dem erstmals ein Preisschild an die verborgenen Kosten der Unternehmensaktivitäten für Mensch und Umwelt geheftet werden kann. Das zugrundeliegende Nachhaltigkeitsmodell ist unsere Nachhaltigkeitsblume, die Leistungskennzahlen (KPIs) für soziale und ökologische Aspekte definiert. Wir haben EY gebeten, sich auf die 20 Prozent der KPIs zu konzentrieren, die 80 Prozent der Auswirkungen – sowohl positiv als auch negativ – ausmachen. Die nun vorliegende Pilotstudie ist ganz klar nur ein Zwischenergebnis, aber auch ein wichtiger Meilenstein auf einem noch langen Weg! Denn wir wollen schon jetzt Farbe bekennen, vorangehen und handeln – und eine Debatte in Gang bringen. Wir müssen die Verbraucher und alle Stakeholder, einschließlich des Finanzsektors, ermutigen, verantwortungsvoll zu handeln und fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen."

Gesundheitsauswirkungen von Pestiziden

Eine der bemerkenswertesten Feststellungen in der Pilotstudie sind die unterschiedlichen Effekte von biologischen und nicht-biologischen Produkten auf die Gesundheit. Die Forscher berücksichtigten dabei die Auswirkungen des Pestizid-Einsatzes auf die Verbraucher und die Arbeitssicherheit auf Ebene der landwirtschaftlichen Einzelbetriebe. Sie berücksichtigten dabei die Forschungsdaten des dänischen Wissenschaftlers Peter Fantke, der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der EcoInvent-Datenbank, um die Auswirkungen der Pestizid-Exposition zu bestimmen. Die WHO stellte die Rechenmodelle zur Verfügung, um die gesundheitlichen Auswirkungen zu monetarisieren. Durch die Kombination der Daten kam EY zu erheblichen Unterschieden zwischen ökologischen und konventionellen Produkten. Bei Äpfeln aus Argentinien lag die Differenz bei 0,19 € pro Kilogramm. In der verdichteten GuV auf Eosta-Ebene macht dies einen Unterschiedsbetrag von 2,3 Mio. € aus.

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Bio ist besser für Böden

Ein weiterer interessanter Befund sind die unterschiedlich hohen (teuren) Auswirkungen auf die Bodenerosion. Die Pilotstudie zeigt, dass die meisten nicht-biologischen Produkte einen negativen Einfluss auf den Boden haben, während Bio-Produkte einen positiven Einfluss zeigen und daher dazu beitragen, die Bodenerosion zu verringern. Nehmen wir wieder das Beispiel der argentinischen Äpfel: hier beträgt der Unterschied 0,05 € pro Kilo – oder verdichtet auf Eosta-Ebene: 1,8 Mio. €.

Systemversagen

Peter Bakker resümiert: „Die ‚True Cost Accounting in Food, Farming, and Finance’-Pilotstudie setzt neue Maßstäbe im Markt. Ich hoffe, dass andere Unternehmen dem Beispiel folgen und den Ansatz ausweiten werden. Das Versagen unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems, das zu mehr Krisen als Antworten auf die aktuellen Herausforderungen führt, zwingt uns, über die Definition von Gewinn neu nachzudenken, und True Cost Accounting ist ein wichtiges Instrument, um dieses Ziel zu erreichen. Diese Pilotstudie gibt uns dafür ein praktisches und umfassendes Konzept an die Hand.“

Andere KMU bereit zur Teilnahme

Volkert Engelsman hat angekündigt, dass diese Studie erst der Anfang ist: "Der nächste Schritt besteht darin, die verwendeten Rechenmodelle und auch die Datenlage zu vertiefen und anzureichern, um die Kosten der Externalitäten so realistisch wie möglich abzubilden. Die Reaktion der Nahrungsmittel-, Landwirtschafts- und Finanzbranche war bisher überwiegend positiv; Unternehmen zeigen sich offen und bereit, diese Methode auf ihre eigenen Aktivitäten anzuwenden. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen sowie KMUs wie Lebensbaum, Ritter Sport, Alnatura und der GLS Gemeinschaftsbank Deutschland, die alle ein großes Interesse am neuen Dashboard zeigen."

Quelle: UD/cp
 

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