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12.10.2015

Lebensmittel

Orangensaft-Produktion missachtet Arbeitsrechte und ökologische Standards

Deutschland ist Fruchtsaft-Weltmeister und größter Abnehmer von Orangensaft aus Brasilien. Die jetzt veröffentlichte Studie der Christlichen Initiative Romero e.V. und GLOBAL 2000 stellt die gesamte Orangensaft-Lieferkette von den Plantagen Brasiliens bis in die deutschen Supermärkte dar. Sie deckt prekäre Arbeitsbedingungen auf und liefert neue Erkenntnisse über die verheerenden Umweltauswirkungen der Orangensaft-Produktion.

"Für knapp zehn Euro Tageslohn müssen die Arbeiter ungefähr 1,5 Tonnen Orangen täglich ernten. Der Sonne sind sie ungeschützt ausgesetzt, wenn sie die wackligen Holzleitern mit bis zu 30 Kilogramm schweren Säcken hoch und runter steigen", fasst Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero (CIR) die Ergebnisse der Studie zu den Arbeitsbedingungen in Brasilien zusammen.

"Die von wenigen internationalen Konzernen dominierte brasilianische Landwirtschaft ist extrem Pestizid-intensiv. In der Orangenproduktion werden dabei die größten Mengen Pestizide pro Hektar verbraucht", ergänzt Martin Wildenberg, Umweltexperte der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. "Dabei ist auch ein völliger Verzicht auf Pestizide im Orangenanbau möglich - wie bio-zertifizierte Betriebe überall auf der Welt beweisen."

Ein Arbeiter aus Brasilien auf einer Orangenplantage.
Ein Arbeiter aus Brasilien auf einer Orangenplantage.

Die Recherchen fanden im Rahmen der von der Europäischen Union geförderten Kampagne SUPPLY CHA!NGE statt. Gleichzeitig zur Veröffentlichung der Studie startet das Kampagnenbündnis eine europaweite Petition, die europäische Supermärkte auffordert, für ihre Eigenmarken soziale und ökologische Standards zu implementieren.

Hintergrund

Bereits im Jahr 2013 hatte die CIR, damals gemeinsam mit der Gewerkschaft VER.DI, eine Studie zu den Arbeitsbedingungen in der brasilianischen Orangensaft-Produktion vorgelegt. Im Jahr 2014 erschien zudem ein Videoclip, der auf humorige Art ein Licht auf die zumeist noch unbekannte Seite von Brasilien als Marktführer in der Produktion von Orangensaft wirft. Das Urteil über die Entwicklungen der Branche von Studienleiterin Sandra Dusch ist eindeutig: "Trotz enormer Gewinne der brasilianischen Exportunternehmen und europäischer Handelsketten werden Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter zu Bedingungen beschäftigt, die sich nur noch als moderne Sklavenarbeit bezeichnen lassen."

Die Orangensaft-Industrie ist - in Brasilien wie in Deutschland - von einer enormen Konzernkonzentration gekennzeichnet. Obwohl die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensaftes aus Brasilien stammt, betreiben aufgrund von Wettbewerbsverdrängung lediglich drei Großkonzerne Orangenanbau und Konzentrat-Gewinnung. Auch am Ende der Lieferkette stehen immer weniger Handelskonzerne, die in Deutschland Lebensmittel anbieten. Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi vereinigen 85 Prozent Marktanteil auf sich und diktieren damit indirekt die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten.

Dabei ist die Produktion und der Verkauf von Eigenmarken eine zentrale Strategie der europäischen Handelsunternehmen: Anstatt Produkte eigenständiger Marken zu handeln, stellen Supermärkte verstärkt ihre eigenen Produkte her. In Europa werden 66 Prozent des Orangensaftes als Eigenmarken der Supermärkte und Discounter verkauft.

Quelle: UD/na
 

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