12.12.2018

17.09.2018

Leben & Wohnen

Besser wohnen dank „fließendem Qi“

Wer heutzutage sein Heim neu einrichten will hat die Qual der Wahl: Möbel und andere Einrichtungsgegenstände gibt es in den verschiedensten Formen und Farben. Orientierung können diverse Wohnkonzepte bieten. UmweltDialog stellt einige davon vor.

Besser wohnen dank „fließendem Qi“ zoom
„Hygge“ ist eines von vielen Wohnkonzepten.

Jeder kennt diese Situation: Eine Wohnung ist schön eingerichtet, mit gut aufeinander abgestimmten Bodenbelägen und Möbeln – aber trotzdem fühlt man sich nicht richtig wohl. In solchen Fällen würden Anhänger der aus China stammenden Lehre des Feng-Shui vermuten, dass einzelne Elemente in der Einrichtung die Harmonie des Raums stören. Manchmal reicht schon eine kleine Veränderung, um den Gesamteindruck deutlich zu verbessern.

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Feng-Shui: Harmonie durch „Qi“

Die ostasiatische Harmonielehre erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Sie geht davon aus, dass wir überall von der Lebensenergie „Qi“ umgeben sind. Das Qi muss in Bewegung bleiben, um für einen Ausgleich zwischen den fünf Grundelementen Feuer, Metall, Erde, Holz und Wasser zu sorgen. Für die Einrichtung einer Wohnung oder eines Gartens bedeutet das: nirgendwo darf der Fluss dieser Lebensenergie blockiert werden. Je höher die Bewegung des Qi, desto höher auch das persönliche Wohlbefinden. Ein enger Eingangsbereich hinter der Wohnungstür wirkt beispielsweise hemmend auf den Energiefluss. Laut Feng-Shui sollten Kleidung und Schuhe im Flur in einem geschlossenen Schrank verstaut werden. Abgerundete Möbelkanten und der geschickte Einsatz von Spiegeln und Bildern können den Eindruck von Weite vermitteln und so Blockaden aufheben. Ganz wichtig ist die Positionierung des Schlafzimmers – dem Ruhepol der Wohnung. Nach den Regeln des Feng-Shui sollte es möglichst weit vom Haupteingang der Wohnung entfernt liegen und am besten nicht an ein Badezimmer oder WC angrenzen. So würde die Harmonie des Schlafplatzes gestört.

Die Wirkung von Feng-Shui ist bislang wissenschaftlich nicht belegbar. Wohl aber spürbar, glaubt man den Berichten von Kunden. In Deutschland ist das sogenannte „Business Feng-Shui“ sehr beliebt. Vor allem von Einzelunternehmern und Konzernen wird dies gern in Anspruch genommen. Die Beweggründe dafür sind meist persönlich, ein Gefühl von Unwohlsein oder der Wunsch nach Veränderung.

Hygge – dänische Gemütlichkeit 

„Hygge“ – was auf Deutsch etwa so viel wie „Gemütlichkeit“ bedeutet – ist ein Trend aus Dänemark, der mittlerweile immer stärker Einzug in die deutschen Haushalte hält. Sogar bis nach Großbritannien und in die USA hat er es schon geschafft. Was macht ihn so beliebt? Glaubt man den unzähligen Ratgebern, bringt Hygge mehr Freude und Entspannung in die eigenen vier Wände. Dazu braucht es nicht viel: Einige (am besten viele!) Kerzen und ein paar Pflanzen für die richtige Atmosphäre. Bequeme Kissen und dicke Wolldecken, in die man sich gemütlich einkuscheln kann. Etwas Leckeres zu essen, im Idealfall selbst gebacken oder gekocht (Kalorien werden hier nicht gezählt!). Und ein paar liebe Freunde oder die Familie, damit man sich bei netten Gesprächen gemeinsam entspannen kann (das Handy bleibt natürlich ausgeschaltet!).

Als nicht besonders hyggelig gelten übrigens Diskussionen über Politik sowie Hektik, Streit und Lärm. Einige sehen diesen Trend als schöne Illusion an, als Verschließen vor der Wirklichkeit. Andere wiederum nehmen ihn als Möglichkeit wahr, dem Alltagsstress zu entfliehen und sich mal wieder auf das „Wesentliche“ wie die Familie oder das Lesen eines Buches konzentrieren zu können. Das macht – bei aller Realitätsflucht – den Charme dieser Lebensweise aus: dass sie den Blick auf die schönen Dinge im Leben lenkt. Das kann ein Buch, eine Kerze oder ein Stück Schokoladentorte sein. Da verwundert es nicht, dass die Dänen laut Weltglücksreport zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen.

Neo-Biedermeier: Zu Hause ist es doch am Schönsten 

In einer Zeit, in der befristete Verträge eher die Regel als die Ausnahme sind, die Welt sich immer schneller zu drehen scheint und selbst das Aussuchen des richtigen Kaffeegetränks eine kleine Herausforderung ist, sehnen sich vor allem die 20- bis 30-Jährigen hierzulande nach Sicherheit und Einfachheit. Aufgewachsen sind sie in einer Zeit der Instabilität: Die Währung, das Klima und auch die Weltwirtschaft gerieten ins Wanken. Das wiederum führe zu einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis, stellten etwa Forscher vom Zukunftsinstitut aus Frankfurt fest. Das eigene Zuhause wird somit zum Rückzugsort, Nostalgie wieder „modern“.

Neo-Biedermeier nennt sich dieser Trend, der für die Flucht vor der Welt in die eigenen vier Wände steht. Politikverdrossenheit, Angst vor Terror und der drohende Verlust der Privatsphäre durch die Digitalisierung sind nur ein paar der Triebfedern dieser (nicht ganz so) neuen Bewegung. Schon im 19. Jahrhundert zogen sich die Menschen aus der Öffentlichkeit zurück ins traute Heim, um den politischen und gesellschaftlichen Unsicherheiten der damaligen Zeit zu entgehen.

Heute ist das Ganze sogar noch einfacher: Die moderne Technik macht’s möglich. Statt ins Kino zu gehen, verbringt man den Abend mit diversen Streaming-Portalen lieber gemütlich auf der Couch, der Konzertbesuch wird durch Musik aus der neuen Anlage ersetzt. Lebensmittel lassen sich online bestellen, die Möglichkeit von Homeoffice verlagert sogar das Arbeitsleben in die private Umgebung. Rückzug in die Gemütlichkeit des Privaten ist hier das Stichwort. Im Gegensatz zu dem eher weniger nachhaltigen Onlineshopping steht der schlichte Einrichtungsstil der neuen „Generation Biedermeier“, wie sie von den Wissenschaftlern des Kölner Rheingold-Instituts genannt wird. Klarheit, Funktionalität und Einfachheit dominieren, die Materialien stammen bestenfalls aus lokalen Quellen.

In den Großstädten zeigt sich derweil ein Trend zur Gruppenbildung, die Stadt wird dörflich inszeniert. Man will „gemeinsam allein sein“. Deutlich wird das vor allem am Immobilienmarkt, wie der Immobilienreport 2015 des Frankfurter Zukunftsinstituts herausgestellt hat. In neue Häuser investiert man gemeinsam, Wohneigentum finanziert sich durch Baugruppen. Das hat nicht nur Vorteile für den eigenen Geldbeutel: die „Generation Biedermeier“ erschafft sich so ihre eigene (Wahl-) Großfamilie. Fragt sich nur, ob diese Sehnsucht nach mehr Sicherheit und Einfachheit bloß ein (Wohn-) Trend ist oder vielleicht sogar für den Anfang einer neuen gesellschaftlichen Bewegung steht.

Dieser Artikel ist im Original im UmweltDialog-Magazin „Nachhaltig Bauen & Wohnen“ im Mai 2018 erschienen.

Mehr zum Thema:

UD Magazin
Quelle: UmweltDialog
 

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