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Klimawandel

Infektionskrankheiten im Klimawandel

Dermatologen rechnen bei steigenden Temperaturen mit dem Anstieg von tropischen Infektionskrankheiten und bereiten sich darauf vor. Die ÖGDV und die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie haben dazu am zehnten Kinder-Haut-Tag im Wiener Billrothhaus informiert. Die Experten fordern eine verstärkte Aufklärung, die Bereitstellung ausreichender Medikamente und die Förderung von Patient-Empowerment-Programmen.

18.11.2019

Infektionskrankheiten im Klimawandel

Tödlichstes Tier der Welt: die Mücke

Laut Zahlen der WHO sterben jährlich weltweit rund 725.000 Menschen durch Mücken. "Damit ist die Mücke statistisch gesehen das mit Abstand tödlichste Tier der Welt. Gefährliche, durch Mücken übertragene Infektionskrankheiten, wie West-Nil-, Dengue- und Chikungunya-Fieber, waren bislang vor allem in den Tropen und Subtropen ein Problem. Der Klimawandel schafft jetzt auch in Österreich günstige Bedingungen für deren Verbreitung", informierte Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger, Leiter der Abteilung für Dermatologie und Venerologie im Landesklinikum Wiener Neustadt, am zehnten Kinder-Haut-Tag am 18. Oktober 2019 in Wien.

Kinder besonders gefährdet

"Exotische Infektionen bei Kindern sind bei uns - bis jetzt - noch selten, dafür haben sie meist einen besonders schweren Verlauf", warnt Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Tagungsleiterin und Leiterin der AG Pädiatrische Dermatologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV). "Neben Kindern sind auch alte oder immungeschwächte Menschen durch schwere Verläufe oder das Auftreten von Komplikationen besonders betroffen", so Volc-Platzer. Galten bestimmte Virusinfektionen, die durch Stechmücken übertragen werden, vor einigen Jahren noch als "Urlaubssouvenirs", sei heute, bedingt durch die zunehmende Reisefreudigkeit und die Klimaveränderungen, eine Wanderung der Überträger aus den Tropen über Süd- und Osteuropa nach Mittel- und Nordeuropa" beobachtbar, sagt Müllegger.

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Zunehmend günstigeres Klima für Krankheitserreger und deren Verbreitung in Österreich

Die Temperaturgrenze bei der Übertragung vieler sogenannter "Vektor"-Krankheiten (Krankheiten, die durch Krankheitserreger übertragen werden) liegt im unteren Bereich bei 14 bis 18 Grad Celsius und bei 35 bis 40 Grad Celsius im oberen Bereich. Am günstigsten sind Temperaturen zwischen 30 und 32 Grad Celsius. Durch den Klimawandel finden Krankheitserreger in Österreich und Europa zunehmend auch in den kälteren Jahreszeiten günstige Bedingungen vor. Die jährliche Aktivitätsperiode von Vektoren (der Krankheitsüberträger) verlängert sich. Da in Österreich auch die für Vektoren idealen Temperaturen zwischen 30 und 32 Grad Celsius immer häufiger gemessen werden, gibt es eine schnellere Vermehrung von Krankheitserregern in Vektoren.

"Zunehmende Niederschläge erhöhen zudem die Zahl und Qualität der Brutplätze. Generell bieten die veränderten klimatischen Verhältnisse in Österreich beziehungsweise in Mitteleuropa ein größeres Etablierungs-, Vermehrungs- und Verbreitungspotenzial von Krankheitserregern und dadurch die Gefahr einer raschen Zunahme neuer autochthoner Lebensräume", erklärt Müllegger.

Heimische Zecken und Mücken können Überträger tropischer Krankheiten werden

Im Jahr 2018 gab es in Österreich 27 Erkrankungen am West-Nil-Fieber, 85 Personen litten am Denguefieber, und es wurden 59 Fälle von Malaria registriert. All diese Erkrankungen kamen durch Krankheitsüberträger aus dem Ausland zustande und waren somit importiert. Bislang gab es in Österreich noch keine autochthonen Infektionen durch Chikungunya-, Dengue- und Zika-Viren. Aufgrund des Klimawandels könnte sich das in den nächsten Jahren ändern.

Potenzielle Krankheitsüberträger, wie die Sandmücke, die vor allem in den Tropen und Subtropen beheimatet ist, könnte ihr Verbreitungsgebiet bis nach Österreich ausdehnen. Doch die höheren Temperaturen in allen Jahreszeiten führt auch dazu, dass sich in Steckmücken und Zecken, die bereits hier sind, Erreger schneller vermehren. Die heimische Hausmücke könnte demnach die Vektorkompetenz - die Fähigkeit einen Krankheitserreger zu vermehren und zu übertagen - der Tiger- und Gelbfiebermücken erlangen.

Zehnter Kinder-Haut-Tag in Wien

"Der interdisziplinäre Kinder-Haut-Tag ist eine "österreichische Spezialität", wie sie in der Form nur bei uns jährlich angeboten wird", sagt Univ.-Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Tagungsleiterin und Leiterin der AG Pädiatrische Dermatologie der ÖGDV. "Von anfangs 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben wir uns auf über 200 steigern können, was das große Interesse an diesem Überschneidungsbereich zwischen zwei Fächern - Dermatologie und Pädiatrie - beweist. Daher ist der zehnte Kinder-Haut-Tag ein erster Meilenstein, den wir mit dieser Art der Fortbildung erreicht haben, und für den wir sehr renommierte Vortragende zu State-of-the-Art Vorträgen gewinnen konnten. Neben Infektionskrankheiten im Klimawandel waren weitere gewichtige Themen der Veranstaltung Skabies, Neurodermitis und genetische Analysen. Das Programm wird durch klinische Fallpräsentationen abgerundet, "die immer von besonderem Interesse für alle TeilnehmerInnen sind", so Volc-Platzer.

Als Folge dieser Initiative der vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Dermatologen und Pädiatern wurde Wien als Veranstaltungsort des 20. Europäischen Kinderdermatologen-Kongresses ausgewählt, der vom 11. bis 13. Juni 2020 in der Hofburg stattfindet und zu dem rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet werden.

Forderungen der ÖGDV und der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie an die Politik

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums formulierten ÖGDV-Präsident Klemens Rappersberger und die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie Beatrix Volc-Platzer klare Wünsche an die Gesundheitspolitik: "Gerade in der pädiatrischen Dermatologie gilt es dringend, für eine bessere Aufklärung von Betreuungspersonen zu sorgen, ausreichend Medikamente für Infektionserkrankungen bereitzustellen und zur Unterstützung von Kindern mit chronischen Hautkrankheiten Patient-Empowerment Programme zu fördern", fassen sie die aktuellen Forderungen zusammen.

Quelle: UD/pte
 

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