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05.09.2018

Klimawandel

Wie der Klimawandel unsere Städte verändert

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Dort konzentrieren sich zugleich die meisten Gebäude und wirtschaftlichen Aktivitäten. Logisch, dass sich gerade hier die Folgen des Klimawandels am Brutalsten aufzeigen lassen. Das Portal www.klimafakten.de hat die wichtigsten Ergebnisse des jüngsten Berichts des Weltklimarates zusammengefasst. Ihr Fazit: Um die Folgen des Klimawandels für die Menschen abzuschwächen, muss die städtische Infrastruktur drastisch an die klimatischen Veränderungen angepasst werden.

Wie der Klimawandel unsere Städte verändert

Bis zum Jahr 2050 wird ein Wachstum der globalen Stadtbevölkerung um 2,5 bis 3 Milliarden (gegenüber 2009) erwartet; weltweit werden dann 64 bis 69 Prozent der Menschen in Städten leben. Urbane Gebiete sind eine Hauptquelle von Treibhausgasen und derzeit für rund 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich.

Steigende Meeresspiegel und Überschwemmungen an Flüssen, Hitzeperioden und die mögliche Ausbreitung von Krankheiten, zunehmende Dürren und damit einhergehende Wasserknappheit und Luftverschmutzung – all dies wird Gesundheit, Lebensgrundlagen und Vermögenswerte von Menschen stark beeinträchtigen. Der Klimawandel könnte den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und die Lebensqualität in Städten verschlechtern. 

Am stärksten betreffen wird dies wahrscheinlich die arme Bevölkerung in den schnell wachsenden Städten der Entwicklungsländer. Der Klimawandel wird zudem lokale und nationale Wirtschafts- und Ökosysteme in Mitleidenschaft ziehen. Beispielsweise sind Hafeninfrastrukturen im Wert von mehr als drei Billionen US-Dollar in 136 der weltweit größten Hafenstädte anfällig für Extremwetterereignisse.

Auch wenn sie eine komplexe Aufgabe darstellt, so ist Anpassung doch möglich – und langfristig betrachtet kostengünstiger als nichts zu tun. Beispielsweise hat eine Untersuchung heutiger und künftiger Flutschäden in einigen der weltweit größten Küstenstädte gezeigt, dass die geschätzten Anpassungskosten weit unter den voraussichtlichen Schäden liegen, die ohne Anpassung eintreten würden.

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Die meisten der Risiken, die aus den Hauptgefahren des Klimawandels resultieren, werden für städtische Gebiete in nächster Zeit zunehmen. Ein hohes Niveau der Anpassung kann diese Risiken deutlich senken. Jedoch macht jedes weitere Grad Erderwärmung die Anpassung schwieriger. 

Die Möglichkeiten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, und wahrscheinlich sind sie am wirksamsten, wenn verschiedene Politikinstrumente kombiniert werden. In bestehenden oder bereits weit entwickelten Städten sind die Optionen durch die vorhandenen Strukturen begrenzt, doch sind Sanierungen und Nachrüstungen möglich. Hingegen ist in sich rasch entwickelnden Städten noch eine Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung möglich, die einen nachhaltigeren und CO2-armen Weg einschlägt.

Laut aktuellen Erkenntnissen muss das Tempo der Emissionsminderungen sowohl in Städten der entwickelten wie auch der weniger entwickelten Länder zunehmen. Der Schwerpunkt sollte dabei auf Emissionen aus Energieversorgung, Verkehr, Gebäuden und Industrie liegen. Daneben gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, den Treibhausgasausstoß durch kluge Stadtplanung und -entwicklung zu senken.

Folgen und Risiken des Klimawandels in Kürze

  • Steigende Temperaturen könnten den Effekt städtischer Wärmeinseln verstärken – und damit hitzebedingte Gesundheitsprobleme und die Luftverschmutzung in Städten verschärfen.
  • Die Erderwärmung wird voraussichtlich die erneuerbaren Wasserressourcen verringern – was möglicherweise die Trinkwasserversorgung in vielen städtischen Gebieten beeinträchtigt, wasserbedingte Krankheiten begünstigt, die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt und die Ernährungssicherheit gefährdet.
  • Die Versauerung der Ozeane ist ein Risiko für die Meeresressourcen.
  • Der Meeresspiegelanstieg, Extremwetterereignisse und Binnenhochwasser werden das Leben und die Existenzgrundlagen von Menschen gefährden, Infrastrukturen zerstören sowie Versorgungsengpässe und politische Konflikte auslösen.
  • Die Vermögenswerte in Küstenstädten, die Überflutungsrisiken ausgesetzt sind, entsprachen im Jahr 2005 fünf Prozent des weltweiten BIP – bis 2070 werden es voraussichtlich neun Prozent sein.

Möglichkeiten der Anpassung

Die Kommunalverwaltungen sind der Dreh- und Angelpunkt einer erfolgreichen Klimaanpassung von Städten. Denn es kommt maßgeblich auf die örtlichen Gegebenheiten an und darauf, dass die Anpassungsstrategie in lokale Investitionen, Vorschriften und politische Entscheidungen integriert wird.

Wohlverwaltete Städte mit guten und für alle verfügbaren Infrastrukturen und Dienstleistungen sind eine stabil Basis, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen. Doch müssen Planung, Gestaltung und Verteilung personeller, finanzieller und materieller Ressourcen an den aufziehenden Klimarisiken ausgerichtet werden. Obwohl sich in den vielen rasch wachsenden Städten gute Möglichkeiten für Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung bieten, gibt es nur wenige Hinweise, dass diese bisher genutzt worden wären.

Planung

Es gibt keinen allgemeingültigen Ansatz für die Planung urbaner Anpassungsmaßnahmen denn die Anpassung an den Klimawandel präsentiert sich, genau wie die Städte selbst, komplex, vielfältig und kontextabhängig. Top-down- und Bottom-up-Ansätze sollten kombiniert werden, Stadtverwaltungen mit der Zivilgesellschaft, dem Privatsektor und einkommensschwachen Teilen der Bevölkerung zusammenarbeiten. Eine stärkere Verknüpfung von Katastrophenvorsorge und Klimaanpassung sowie beider Einbeziehung in lokale, regionale, nationale und internationale Entwicklungsstrategien kann in jeder Hinsicht Vorteile bringen.

Finanzierung

Großen Städten mit starken Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen fällt es am leichtesten, externe Gelder für Anpassungsmaßnahmen anzuziehen und selbst Mittel aufzubringen. Dagegen haben kleinere und weniger wohlhabende Kommunen mit zersplitterten politischen Strukturen oder einer leistungsschwächeren Verwaltung geringere Erfolgschancen.

Die Palette möglicher Finanzierungsinstrumente ist breit: lokale Einnahmen (Steuern, Abgaben, Gebühren), lokale und nationale Finanz- und Anleihenmärkte, Verträge und Konzessionen im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP), Finanztransfers/ Anreize von nationaler oder föderaler Ebene, private und marktorientierte
Investitionen, Zuschüsse oder verbilligte Darlehen (etwa aus einem Anpassungsfonds). 

Wohnungsmarkt

Hochwertiger und erschwinglicher Wohnraum an geeigneten Standorten minimiert gegenwärtige Gefährdungen und Schäden und ist eine tragfähige Basis für eine stadtweite Anpassung an den Klimawandel. Für Eigentümer sowie öffentliche, private
und zivilgesellschaftliche Organisationen gibt es viele Möglichkeiten, die vorhandene Bausubstanz an den Klimawandel anzupassen.

Steigende Temperaturen

Als Reaktion auf den Temperaturanstieg können Kommunen stadtplanerische Strategien für das Wärmemanagement entwickeln, etwa den Einsatz von Grünzonen, Frischluftkorridoren, begrünten Dächern und Wasserflächen. Dazu gehört auch, Bauvorschriften zu verbessern und solche Infrastrukturen beständiger gegen die zunehmende Hitze zu machen, die insbesondere von den schwächsten Bevölkerungsgruppen genutzt werden (Schulen, Altenheime und Krankenhäuser).

Hochwasser in Städten sind oftmals Folgen des Klimawandels

Grundversorgung 

Der Abbau von Mängeln bei der Grundversorgung und der Aufbau resilienter Infrastrukturen (z.B. Wasserver- und entsorgung, Sanitäreinrichtungen, Stromversorgung, Verkehrs- und Telekommunikationsnetze, Gesundheitsversorgung,
Bildung, Rettungsdienste) können die Anfälligkeit für Folgen des Klimawandels beträchtlich mildern. Dies gilt besonders für die Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Risiko und der größten Verwundbarkeit. 

Wasserversorgung

Weil steigende Temperaturen den Wasserbedarf erhöhen, müssen sich Städte mit der Planung und Infrastruktur der Wasserversorgung befassen. Zu den Maßnahmen, um die erforderliche Menge und Qualität des Wassers zu sichern, gehören: Schaffung verstärkter, dezentraler und autonom betriebener Ver- und Entsorgungseinrichtungen; Förderung der Wiederverwertung von Wasser, der Nutzung von Grauwasser und eines besseren Managements des Regenwasserabflusses; Erschließung neuer bzw. alternativer Wasserbezugsquellen und Ausbau der Speicherkapazitäten. Wassermangel kann auch Kraftwerke betreffen, weshalb Städte wasserunabhängige Kapazitäten zur Energieerzeugung ausbauen sollten.

Meeresspiegel und Sturmfluten

Wegen der Risiken infolge von Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten müssen Städte möglicherweise ihre Küsteninfrastruktur verstärken, insbesondere Häfen und Anlagen zur Stromerzeugung. Dies erfordert den Bau von Schutzvorrichtungen gegen Sturmfluten (Sperren, Schleusen, Deiche etc.), eine deutlich veränderte Raumplanung und auch die Erweiterung in höher gelegene Gebiete sowie die Verlegung essenzieller Versorgungseinrichtungen.

Die Risiken für Leib und Leben der Einwohner lassen sich durch verbesserte Frühwarnsysteme, Evakuierungs- und Krisenpläne verringern. Weitere Optionen sind die Entwicklung alternativer Verkehrsrouten und -mittel entlang der Küsten sowie dezentraler und küstenferner Energieerzeugungskapazitäten.

Extremwetter und Binnenhochwasser

Die Zunahme von Extremwetterereignissen wird die Städte zwingen, dezentrale und resiliente Systeme für die Energieund Gesundheitsversorgung sowie für die Einsatzleitung bei Rettungs- oder Katastropheneinsätzen zu entwickeln. Dazu gehören auch die Verstärkung der Infrastrukturen öffentlicher Verkehrsmittel und möglicherweise die Bevorratung von Treibstoff, Wasser und Lebensmitteln. Mittels überarbeiteter Bauvorschriften kann die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden und Infrastrukturen erhöht werden, wobei ärmeren Bevölkerungsgruppen ein besonderes Augenmerk gelten muss. Die Kanalisation für Abwässer und Regenwasser kann verbessert werden.

Ernährungssicherheit

Anpassungsmaßnahmen in diesem Bereich können insbesondere die Klimaanfälligkeit ärmerer Stadtbewohner mindern. Möglichkeiten auf lokaler Ebene sind beispielsweise
die Förderung von Landwirtschaft in der Stadt und im direkten Umland oder auf Gründächern. Eine veränderte Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen aus den Meeren könnte Städte zwingen, alternative Lebensmittelquellen zu erschließen und die Logistik für deren Einkauf und Verteilung zu stärken. Dazu kann auch der Aufbau von Binnenaquakulturen gehören.

Gekürzte Fassung des Branchenberichts „Klimawandel – Was er für die Städte bedeutet“ von www.klimafakten.de.

Dieser Artikel ist im Original im UmweltDialog-Magazin „Nachhaltig Bauen & Wohnen“ im Mai 2018 erschienen.

Mehr zum Thema:

UmweltDialog Magazin
Quelle: UmweltDialog
 

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