25.05.2019
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10.09.2018

Klimawandel

Wie Bio-Landwirte auf zunehmende Dürreperioden reagieren

Der „Day Zero“, die Stunde Null – also der Tag, an dem die Stadtobersten die Wasserhähne abstellen müssen, weil die Trinkwasserreservoirs fast leer sind – bedroht nicht nur Südafrika und Neu Delhi, sondern bald auch Europa. Biologische Landwirtschaft zeigt mit smartem Wasser- und vor allem Bodenmanagement sowie klimaschonenden Anbaupraktiken Auswege aus der Klimakrise – vor allem aus den immer länger werdenden Trockenperioden. Eddy Redelinghuys, Traubenzüchter aus Südafrika, erklärt warum.

Große Teile Europas, darunter die Niederlande, Schottland, Skandinavien, Nordost-Deutschland, Polen und das Baltikum, leiden schon seit Monaten unter extremer Hitze – bei ausbleibenden Niederschlägen. Landwirte, Obst- und Gemüsezüchter erwarten deutlich geringere Ernten, auch Weidetiere finden schon längst nicht mehr ausreichend Futter. Vielfach stehen Existenzen auf dem Spiel. Die schlechtesten Getreideernten seit Jahren zeichnen sich ab, Schuld ist die extreme Dürre vielerorts. „Ja, das hat der Klimawandel bewirkt“, bestätigte der bekannte Geowissenschaftler Michael E. Mann von der Penn State University kürzlich im Guardian.

Sehr bald schon werde sich Europa auf häufigere Trockenperioden dieser Art einstellen müssen, so das Fazit einer Studie internationaler Wissenschaftler, die im Frühjahr im Fachblatt Nature veröffentlicht wurde. Auch das deutsche Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung bestätigt, dass die globale Klimaerwärmung das Problem der Dürren in Europa weiter verschärfen wird – erwärmt sich die Erde um drei Grad Celsius, werden diese extremen Wetterereignisse künftig zum Normalzustand in unseren Breiten werden und dabei mehr Flächen – also auch mehr Menschen – betreffen. Der Klimawandel ist vor unserer Haustür angekommen.

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Südafrika gibt uns bereits jetzt einen Vorgeschmack auf den Sommer der Zukunft. 2017 war in der Region Kapstadt das regenärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Kein Wunder also, dass die Trinkwasservorräte zu Beginn dieses Jahres fast erschöpft waren. Die Stadtverwaltung der Vier-Millionen-Metropole kündigte daraufhin an, die Wasserversorgung am „Day Zero“ abschalten zu wollen. Die Stunde Null war zunächst für Mitte April, dann Anfang Juni und zuletzt für Ende August prognostiziert worden. Medien weltweit berichteten über die südafrikanische Klima-Apokalypse und sagten soziale Unruhen und den nationalen Notstand voraus. Sogar die Option, einen Eisberg aus der Antarktis nach Kapstadt zu schleppen, wurde diskutiert.

Bio gegen den Klimawandel

Der im Kapstadt-Gebiet ansässige Bio-Traubenerzeuger Eddie Redelinghuys zeigt auf seinen Anbauflächen, warum Bio eine echte „Soilution“ im Kampf gegen extreme Dürreperioden und Starkregenfälle sein kann. Denn auf seinen drei biologisch bewirtschafteten Höfen sieht es in Zeiten der Wasserknappheit weit weniger schlimm aus – den Äckern geht es sogar recht gut im Vergleich zu ihren konventionell bewirtschafteten Gegenstücken. Selbst im April waren Eddies Wasserreservoirs noch gut gefüllt, als die Vorräte anderer Erzeuger bereits komplett erschöpft waren. Monatelang konnte er deshalb seinen Nachbarn, einen konventionellen Landwirt, der bereits auf dem Trockenen saß, mitversorgen, seine Karotten und den Kohl wässern.

Sein Geheimnis sind Unkraut und Dreck, salopp gesagt. Statt Kunstdünger verwendet Eddie Kompost. Seine Böden lässt er mit Gründünger überwuchern, statt mit Herbiziden wie Glyphosat einen Kahlschlag zu verursachen. Praktiken wie diese stimulieren das Bodenleben und erhöhen den Gehalt an organischem Material in der Erde – dies wiederum wirkt sich positiv auf das Wasserrückhaltevermögen der Anbauflächen aus. Auf den sandigen Böden, wie sie in Südafrika zu finden sind, ergibt das eine Wasserersparnis von bis zu 60 Prozent. In der Regenzeit saugt sich der Boden dann voll wie ein Schwamm und das Wasser läuft nicht, wie auf herkömmlich bewirtschafteten Äckern so oft zu beobachten, über eine harte, knochentrockene Erdkruste einfach davon.

Weltweit verbraucht die Landwirtschaft 69 Prozent des Frischwassers, so heißt es im „Living Planet Report“ des WWF von 2017. Genau hier, in der Landwirtschaft, müssen wir also ansetzen und nach Lösungen suchen, wenn wir auf die Klimaextreme der Zukunft vorbereitet sein wollen. Die Erfahrungen von Eddie und vieler seiner Mitstreiter werden von der Wissenschaft bestätigt: Bio-Böden schneiden im Stresstest besser ab, sowohl bei Dürre als auch bei Überschwemmungen.

Beispiele dafür liefern die jahrzehntelangen Feldversuche des US-amerikanischen Rodale Instituts, oder die 2016 im Nature Magazin erschienene Untersuchung „Organic Agriculture in the 21st Century“. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen hat selbst mehrere Paper publiziert, in denen sie der Bio-Landwirtschaft Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel bescheinigt.

Ein Boden mit einem hohen Humusgehalt und vitalem Bodenleben hat aber auch noch andere Vorteile: Die Pflanzen, die auf solchen Böden wachsen, sind unempfindlicher gegenüber Krankheiten, sodass der Einsatz von Agrochemie weitgehend reduziert werden kann. Eine gute Nachricht für das gesamte Ökosystem, aber auch für die Arbeiter auf den Feldern! Humushaltiger Boden speichert nicht nur mehr Wasser, sondern auch mehr klimaschädliche Treibhausgase – so wird die Erderwärmung gleich an der Wurzel gepackt.

Systemwechsel notwendig

Die Probleme der Wasserwirtschaft weltweit, die das Ergebnis des Klimawandels sind, schreien geradezu nach einem umfangreichen Systemwechsel hin zur boden-, klima- und wasserschonenden ökologischen Landwirtschaft.

Dank einer erfolgreichen Wasserspar-Kampagne und dem Ende der Erntezeit in der Kapstadt-Region wurde der „Day Zero“ von den südafrikanischen Behörden vorerst abgesagt. Entwarnung aber gibt es keine – auch nicht an anderen Orten der Welt. So berichtete die Indian Times am 20. Juni 2018, dass Neu Delhi sowie 20 andere Mega-Städte in Indien Gefahr laufen, 2020 völlig auf dem Trockenen zu sitzen. Wenn wir hier in Europa auch übermorgen noch wollen, das sauberes Trinkwasser ganz selbstverständlich aus dem Hahn läuft, dann müssen wir uns jetzt aktiv für eine Landwirtschaft einsetzen, die Wasser als das behandelt, was es ist: ein wertvolles und lebensnotwendiges Gut.

Quelle: UD/pm
 

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