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21.10.2015

Verkehrswende

Verkehrspolitik kann glücklich machen

Wer auf dem Weg zur Arbeit oft im Stau steht, ist schnell frustriert. Die Glücksforschung hat gezeigt: An einem durchschnittlichen Arbeitstag sind Menschen in Industrienationen während des Pendelns am unglücklichsten – besonders wenn sie im Auto sitzen. Trotzdem wollen Verkehrspolitiker die Bürger durch den Ausbau von Straßen zu noch mehr Autofahrtenanimieren. Dabei könnte eine andere Verkehrspolitik Pendler viel glücklicher machen. Etwa wenn der Bau von Fahrradschnellwegen vorangetrieben würde. Das zeigt eine gerade erschienene Studie im Fachjournal Transportation Research Part D: Transport and Environment.

Verkehrspolitik kann glücklich machen zoom

In dem Fachartikel hat das Autorenteam um Linus Mattauch vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) verkehrspolitische Maßnahmen vor dem Hintergrund der Verhaltenswissenschaft ausgewertet. Die begutachteten empirischen Studien des Mobilitätsverhaltens zeigen, dass Menschen keine rein rationalen Entscheidungen als „homo oeconomicus“ treffen. „Verkehrspolitiker sollten sich entscheiden, ob sie das bestehende Verhalten ihrer Bürger weiter unterstützen oder ob sie sie glücklich machen wollen“, sagt Leitautor Mattauch.

Körperliche Bewegung fördern

Falls die Glücksmaximierung der Bürger also das Ziel von Verkehrspolitikern ist, sollten sie beispielsweise mehr körperliche Bewegung fördern. Hierzu könnten sie Verkehrsmittel mit hohem Status wie Autos etwa durch höhere KFZ-Steuern unattraktiver machen, um Statuskonsum zu begrenzen. „Fahrradschnellwege sind ein Paradebeispiel dafür, wie Verkehrspolitik Glück steigert, anstatt sich an dem zu orientieren, was autobegeisterte Bürger vermeintlich wollen“, sagt Felix Creutzig, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport.

Investition in den Klimaschutz

Solche Investitionen in CO2-arme Infrastrukturen sind zudem von entscheidender Bedeutung für effektiven Klimaschutz. Denn wer in klimafreundlichen Verkehrssystemen aufwächst, der benutzt nicht nur gegenwärtig Fahrradwege und U-Bahnen. Er entwickelt auch entsprechende langfristige Vorlieben. Dieses Zusammenspiel zwischen Vorlieben und gebauten Infrastrukturen stellt auch wichtige Annahmen ökonomischer Theorie in Frage. Eine Konsequenz ist, dass Kosten und Nutzen von Infrastrukturprojekten nicht nur rein monetär berechnet werden müssten.

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Auch über den Verkehrssektor hinaus würde diese Unterscheidung einen präziseren Zugang zu den Debatten über staatliche Bevormundung einerseits und Konsumkritik andererseits ermöglichen. Schließlich haben viele sehr unauffällige Eingriffe in den Kontext von Entscheidungen einen großen Einfluss darauf, wie gut sich Menschen fühlen – nicht nur im Mobilitätssektor.

Andererseits weist die neue Studie darauf hin, dass Menschen nicht immer tatsächlich ihr persönliches Glück anstreben – selbst wenn sie dies glauben. „Wenn Menschen in Wahrheit andere Ziele als ihre Glückssteigerung haben, dürften manchen Anreize hierzu als Angriff auf die persönliche Autonomie gesehen werden“, warnt Mattauch. Dies werde von der derzeitigen Verkehrspolitik durchaus beachtet. „Unglückliche Pendler sind nach diesem Leitbild für ihre Misere selbst verantwortlich.“

Quelle: UD/pm
 

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