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15.10.2018

Menschenrechte

Die Sex-Sklavinnen im Pariser Park Bois de Vincennes

Eines der wohl bestgehütesten Geheimnisse von Paris liegt im Osten der französischen Metropole: ein wunderschöner Park, der seine Besucher vergessen lässt, dass sie sich gerade in einer Großstadt befinden. Der „Bois de Vincennes“ birgt jedoch auch ein dunkles Geheimnis: Rund 150 Sklaven arbeiten hier.

Die Sex-Sklavinnen im Pariser Park Bois de Vincennes

von Melissa Bell, CNN-Korrespondentin in Paris

So lautet die Einschätzung der „Brigade de la Répression du Proxénétisme”, jener Pariser Polizeidienststelle, die dort für die Bekämpfung des Menschenhandels zuständig ist. Es sei nicht so, dass die Polizei ihre Arbeit nicht erledige, betont ihr Leiter. Jedoch könne sie fast nichts dagegen unternehmen. Laut Jean-Paul Megret ist das Problem nicht die Strafverfolgung, sondern das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage.

Auf der Angebotsseite haben wir eine Migrantenkrise, die eine einmalige Gelegenheit für skrupellose Menschenhandelsnetzwerke in Nigeria bietet. Gleichzeitig gibt es zahlreiche junge nigerianische Frauen, die um jeden Preis nach Europa wollen.
Auf der Nachfrageseite, so Megret, liege das Problem in der scheinbar unerschöpflichen Zahl von Männern, die bereit sind, für billigen Sex das Offensichtliche zu übersehen: „Das sind Sklaven”, sagt er, „weil es eine starke Nachfrage nach Geschlechtsakten zu Dumpingpreisen gibt - und das Tag und Nacht. In der Vergangenheit erfuhr man von Sexhandlungen, die für 20 bis 40 Euro angeboten wurden. Heute hören wir von einigen Handlungen, die für 10 Euro vollzogen werden. Wir sprechen hier also von jungen Frauen, die gezwungen sind, ihre Handlungen zu vervielfachen, um die Netzwerke bezahlen zu können.“

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Kaum Eingriffsmöglichkeiten für die Polizei

Das Gesetz in Frankreich zielt darauf ab, die Kunden und nicht die Frauen zu bestrafen. So ist der Kauf von Sex illegal und nicht der Verkauf. Das bedeutet, dass die Polizei nur dann wirklich Zugang zu den Frauen erhält, wenn die Beamten einen Mann beim Ersuchen von Sexhandlungen erwischen. Dann koste es jedoch Zeit und erfordere viele Sitzungen, um die Frauen zum Reden zu bringen. Ihnen ist vorher bereits eingetrichtert worden, niemandem zu vertrauen.

Die andere Schwierigkeit besteht darin, dass die Frauen regelmäßig innerhalb von Europa umgesiedelt werden. Dadurch ist es sehr schwierig für die Polizei, einen Fall aufzubauen, der es ihr ermöglichen würde, ein Netzwerk aufzudecken. Laut Megret wird „eine junge Frau, die sich in Turin prostituiert, über Neapel und Rom gekommen sein. Anschließend wird sie sich in Paris prostituieren, bevor sie nach Grenoble und dann nach Amsterdam geht […]. Sie werden dann weiterverkauft, weil sie in der Tat Sklavinnen sind. Sie werden zwischen Zuhälterinnen und Netzwerken verkauft und weiterverkauft. Sie werden ständig umgesiedelt.“

Die Zahlen steigen

Die Ermittlung von aussagekräftigen Statistiken gestaltet sich naturgemäß schwierig. Das Internationale Büro für Migration (IOM) berichtet, dass die Zahl der Migrantinnen, die aus Nigeria nach Europa kommen, in die Höhe geschossen ist - von 1.454 im Jahr 2014 auf 11.009 im Jahr 2016. 80 Prozent von ihnen sind laut der IOM potenzielle Opfer des Sexhandels.

Wir haben uns dazu entschlossen, unsere monatelange Recherche auf einen bestimmten Park in einer einzigen europäischen Stadt zu konzentrieren. Was wir dort sahen, war zutiefst schockierend. Reihenweise junger Mädchen, die sich für sehr wenig Geld verkaufen. Damit zahlen sie ihre Schulden an die Netzwerke zurück, unter deren Kontrolle sie stehen.

Nadege zählt zu den Glücklicheren, der die Flucht gelang. Sie sprach mit uns über ihre schrecklichen Qualen: die Gewalt, die Machtlosigkeit, die langen Tage erniedrigender und seelenvernichtender Arbeit, um danach den gesamten Verdienst an eine Zuhälterin abzutreten. Die Geburt ihres Sohnes gab ihr die Kraft, unterzutauchen. Inzwischen hat sie Asyl erhalten und Arbeit gefunden. Doch das Netzwerk habe nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch ihre Zukunft gestohlen. „Ich werde immer im Dunkeln leben müssen“, sagt Nadege, „denn ich werde nie sagen können, wer ich wirklich bin.“ Und das sind die Worte einer der wenigen „Glücklichen”. Die anderen haben überhaupt keine Stimme.

Weiterführende Informationen

Dieser Bericht ist Teil des CNN Freedom Projects, einer Kampagne gegen moderne Sklaverei. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Einen Videobeitrag zur Recherche finden Sie hier.

Quelle: UD/pm
 

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