29.03.2020
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20.02.2020

Entwicklungshilfe

Volle Solar-Kraft voraus für die Mbeya Trade School

Solartechnologie sorgt für nachhaltigen Fortschritt in einer Berufsschule im tansanischen Mbeya. Sie sichert die Stromversorgung, vor allem aber lernen die Auszubildenden dort ganz praktisch die Installation von Photovoltaikanlagen. Darüber hinaus bieten sie ihren Service sogar Kunden an. Elektroingenieur Kristian Macke reiste vor zwei Jahren unterstützt von Weidmüller für zwei Monate nach Mbeya und erlebte eine beeindruckende Zeit.

Volle Solar-Kraft voraus für die Mbeya Trade School
Kristian Macke installierte mit dem Team der Mbeya High School eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schulgebäudes.

Wer einmal die 6.800 Flugkilometer von Deutschland nach Tansania überwunden und die Menschen dort erlebt hat, den lässt das ostafrikanische Land nicht so schnell wieder los. Diese Erfahrung hat Kristian Macke gemacht. Der Elektrotechnikingenieur kehrte bereits im Februar 2018 von seinem mehrwöchigen Aufenthalt in Mbeya zurück. Er würde sofort wieder dorthin reisen, allein die Zeit reiche nicht, bedauert der 31-Jährige.

Mackes Reiseziel war für zwei Monate die Mbeya Trade School, eine von der katholischen Kirche betriebene Berufsschule. Dort installierte er Solarmodule auf dem Dach, baute ein Ausbildungsgebäude auf, richtete ein neues Werkzeuglager ein und schulte Lehrer sowie Schüler im Umgang mit moderner Unterrichtstechnologie.

Dass Macke, der mittlerweile ein eigenes Ingenieurbüro betreibt, sich auf die ereignis- und arbeitsreiche Reise machen konnte – „Ich hatte sowieso vor, genau sowas zu machen!“ –, ist das Ergebnis des Zusammentreffens günstiger Umstände. Der ausgebildete Elektronikfachmann verfasste beim Detmolder Elektrotechnik- und Verbindungstechnikspezialisten Weidmüller seine Masterarbeit für das Studium der Elektrotechnik. Dort erfuhr er von dem bereits seit vielen Jahren bestehenden Engagement für die tansanische Berufsschule und sprach den Nachhaltigkeitsbeauftragten Dr. Eberhard Niggemann darauf an.

Berufsschule wird bereits viele Jahre unterstützt

Die Mbeya Trade School bildet junge Menschen aus dem Umkreis in verschiedenen Berufen wie Schneider, Kfz-Mechaniker oder Schreiner aus. Angeboten werden außerdem „Short Courses“, in denen auch ältere Menschen ihre beruflichen Kompetenzen erweitern können. Grundsätzlich stammten alle Schüler aus einfachen Verhältnissen, berichtet Kristian Macke. Schulleiter Boniface Kyalo nehme auch Straßenkinder und auffällig gewordene Jugendstraftäter auf, die ansonsten nach dem Haftaufenthalt wieder ohne Perspektive auf der Straße landen würden. Neben zahlreichen Sachspenden ermöglicht Weidmüller immer wieder besonders bedürftigen Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch.

Für die geplante Reise entwickelten Dr. Niggemann und Macke eine Projektidee, und kurz vor Silvester 2017 saß der Student im Flieger. Im Gepäck hatte er unter anderem einen ganzen Koffer mit hochwertigem Elektrowerkzeug, einen modernen Beamer für den Unterrichtsraum, vor allem aber viele Ideen, wie die Versorgung der Berufsschule mit Solarenergie verbessert werden könnte.

Kristian Macke bei Elektroarbeiten
Kristian Macke bei Elektroarbeiten

Solarenergie sichert die Existenz der Schule

Sonnenenergie ist sowohl für die Mbeya Trade School als auch für den nahe gelegenen, ebenfalls von der katholischen Diözese betriebenen St. Almano-Komplex wichtig, um die oft unzuverlässige Energieversorgung zu stabilisieren. Diesmal sollten Solarpanels auf dem Schuldach installiert werden. Die Schüler und ihre Ausbilder führten die notwendigen Arbeiten selbst durch. Kristian Macke stand vor allem beratend zur Seite, gab Tipps und half dabei, den benötigten Energiebedarf zu ermitteln.

Die Absolvierenden des Ausbildungsgangs Elektrotechnik und regenerative Energien – ein Drittel sind Frauen – erweiterten durch das Projekt ihr persönliches Kompetenzprofil, aber auch die Schule profitierte von den erworbenen Kenntnissen. Denn sie muss sich selbst tragen und erledigt trotz Schulgeldzahlungen der Schüler auch Kundenaufträge. Die Schulung zur Installation von Solaranlagen trägt also auch dazu bei, die Existenz der Schule zu sichern.

Die Montage der Solarpanels war nicht das einzige erfolgreiche Projekt von Kristian Macke in Mbeya. Eine Erkenntnis war für ihn dabei besonders wichtig: Um die nachhaltige Nutzung der neuen Einrichtungen zu gewährleisten, mussten die Menschen vor Ort von Anfang an intensiv eingebunden werden. „Respekt ist sehr wichtig, und man muss sich erstmal bei jedem vorstellen“, hebt er hervor.

Mbeya: Großstadt im Südwesten eines riesigen Landes

Tansania ist ein riesiges Land mit einer Fläche von fast 950.000 Quadratkilometern. Es liegt zwischen Kenia im Norden sowie Mozambik im Süden und grenzt an den Indischen Ozean. Zum Vergleich: Die Fläche der Bundesrepublik Deutschland umfasst gute 350.000 Quadratkilometer. Während in Deutschland hingegen mehr als 80 Millionen Menschen leben, werden es in dem ostafrikanischen Land 2020 etwa 58 Millionen sein, schätzt das World Factbook.

Die Stadt Mbeya liegt im Südwesten Tansanias. Für 2012 wurde die Einwohnerzahl mit 270.000 angegeben. Der Ort in direkter Nachbarschaft zu Sambia liegt auf einer Höhe von 1.700 Metern. Umgeben wird die Stadt von der gleichnamigen Verwaltungsregion, in der insgesamt 2,7 Millionen Menschen leben.

Verabschiedung von Kristian Macke an der Mbeya Trade School

Praktische Ausbildung im neu gebauten „Workshop“

In diesem Geist nahm Macke die Anregung einer Lehrerin auf: Es mangelte bis dato an einem separaten Raum für die praktische Elektrotechnikausbildung. Von der Idee, einen solchen „Workshop“ selbst zu errichten, wurde schließlich auch Schulleiter Father Boniface überzeugt. Dieser „trommelte“ daraufhin die benötigten Handwerker aus der Umgegend zusammen, und los ging’s.

„Wir haben zusammen überlegt, wie groß der Raum sein muss und wie wir ihn ausstatten“, erinnert sich der Deutsche. Die Bauarbeiten selbst gestalteten sich allerdings anders, als er es erwartet hatte. Die Beteiligten erledigten beispielsweise viel in Handarbeit oder nur mit einfachen Werkzeugen. Auch das Arbeitstempo war anders, als er es erwartet hatte. Die im Vergleich zu ähnlichen Projekten in Deutschland eher geringen Materialkosten hatte Weidmüller übernommen.

Freundschaftliche Kontakte bestehen weiter

Natürlich sammelte Kristian Macke in Tansania auch viele Eindrücke, wie die Menschen in Mbeya leben. Viele seien Selbstversorger und lebten in einfachen Hütten oder Häusern, berichtet er. Untergebracht war er im Pfarrheim der Diözese. Immer wieder wurde er aber auch abends in die Familien der Schüler eingeladen.

Fast zwei Jahre nach seiner Rückkehr pflegt Kristian Macke viele der entstandenen Freundschaften weiter. Regelmäßiger Kontakt besteht auch noch zur Mbeya Trade School – wie auch fallweise zu Weidmüller. Besonders freut sich der deutsche Fachmann darüber, dass sich der Solaranlagen-Service gut entwickelt hat. So seien Nachbarpfarreien darauf aufmerksam geworden und hätten um Hilfe gebeten.

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Quelle: UmweltDialog
 

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