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26.02.2020

Politik & Gesellschaft

Wie beeinflussen Politiker die Rechnungslegung von Unternehmen?

In einer neuen Studie haben Mannheimer Forscher die Einflussnahme von US-Kongressabgeordneten auf die Regulierung der Rechnungslegung untersucht. Das Ergebnis: Die Einflussnahme ist unter anderem abhängig von ideologischer Motivation und von der Verbindung zu Lobbygruppen.

Wie beeinflussen Politiker die Rechnungslegung von Unternehmen?

Im September 2008 ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Wenige Tage danach kündigte die US-Regierung ein Rettungspaket für die Finanzbranche in Höhe von fast 800 Milliarden Dollar an – begleitet von einer politischen Debatte, ob das Geld nicht doch lieber in Renten, Schulen oder den Gesundheitssektor fließen sollte. Die Diskussionen wurden in der Öffentlichkeit wie im amerikanischen Kongress kontrovers ausgetragen: Während konservative republikanische Abgeordnete sich mehrheitlich gegen die Bankenrettung ausgesprochen haben, waren viele Demokraten dafür.

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Stark links oder rechts orientierte Kongressabgeordnete mischen sich jedoch nicht durchgängig in die Spielregeln der Finanzindustrie ein. Sobald das Interesse der Medien und der breiten Öffentlichkeit an einem Thema schwindet, sinkt auch ihre Bereitschaft, sich mit den technischen Aspekten der Finanzindustrie – wie der Rechnungslegung – auseinanderzusetzen. Das fanden die Mannheimer BWL-Forscher Prof. Jannis Bischof und Prof. Holger Daske in ihrer neuesten Studie heraus.

Unterteilung in zwei Gruppen

In der Studie stellten Bischof und Daske fest, dass sich Kongressabgeordnete in den USA grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilen lassen: Die Gruppe der ideologisch motivierten Abgeordneten äußert sich nur sporadisch zum Regelwerk der Rechnungslegung und hat dabei vor allem die wirtschaftlichen Konsequenzen, allen voran große verteilungspolitische Aspekte, im Blick. Zu solch kontrovers diskutierten Themen gehört neben der Bankenrettung auch die Frage, ob man Managergehälter beschränken sollte.

Die andere Abgeordneten-Gruppe bringt sich dagegen kontinuierlicher ein und nimmt stärkeren Einfluss auf die technische Ausgestaltung der Vorschriften. In ihrer Argumentation gehen diese Abgeordneten weniger auf die wirtschaftlichen Konsequenzen der Regulierung ein und beschäftigen sich vielmehr mit technischen Faktoren wie der Volatilität, die die Aussagekraft und Prognosefähigkeit des Gewinns betrifft. Genau diese Abgeordneten-Gruppe weist jedoch starke Verbindungen zu wirtschaftlichen Lobbygruppen auf. 

Prof. Dr. Jannis Bischof, Universität Mannheim
Prof. Dr. Jannis Bischof, Universität Mannheim

„Unsere Studienergebnisse belegen, dass wirtschaftliche Interessengruppen in den USA durchaus in der Lage sind, abseits der Medienöffentlichkeit Einfluss auf die technische Regulierung zu nehmen und dadurch handfeste ökonomische Eigeninteressen durchzusetzen“, fasst der Studienleiter Bischof zusammen. „Das ist kritisch zu beurteilen.“

Stellungnahmen aller 435 Abgeordneten als Quelle

Für ihre Studie haben die Forscher die öffentlichen Stellungnahmen aller 435 Abgeordneten des US-amerikanischen Kongress zu Themen rund um Regulierung analysiert – darunter ihre Fernseh- und Radiointerviews, Pressemitteilungen und Redebeiträge im Kongress. „Die Datenlage in den USA ist sehr gut und das amerikanische System ist vergleichsweise vorbildlich darin, wie transparent über finanzielle Verbindungen berichtet wird“, begründet der BWL-Experte. Auch wenn in Europa vieles hinter verschlossenen Türen abläuft, sei davon auszugehen, dass solche Verbindungen zu Lobbyinteressen auch im europäischen Setting bestehen, so Bischof.

Quelle: UD/pm
 

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