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27.05.2019

Politik & Gesellschaft

Audi: Zeitzeugeninterviews ehemaliger Zwangsarbeiter

Besucher im Audi museum mobile in Ingolstadt können nun sieben Zeitzeugeninterviews ehemaliger Sklavenarbeiter während des Zweiten Weltkriegs in einer neuen Medienstation anhören. An der Eröffnung hat die KZ-Überlebende Helga Kinsky als Ehrengast teilgenommen.

Audi: Zeitzeugeninterviews ehemaliger Zwangsarbeiter zoom
Peter Kober, Audi Tradition, im Gespräch mit Helga Kinsky, KZ-Überlebende.

Die damals 14-jährige wurde als Häftling im Auto Union-Arbeitslager Oederan zur Arbeit gezwungen. Unter dem NS-Regime mussten tausende Zwangsarbeiter und Konzentrationslager-Häftlinge für das Audi-Vorgängerunternehmen Auto Union AG arbeiten. Insgesamt sind sieben Interviews in der neuen Zeitzeugen-Medienstation des Audi museum mobile verfügbar. In fünf- bis achtminütigen Auszügen berichten Zeitzeugen aus ihrem Leben im Nationalsozialismus.

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Helga Kinsky erzählte bei der Einweihung dieser Medienstation von ihrer Zeit als jüdisches Mädchen. Die heute 88-jährige war acht Jahre alt, als die Nationalsozialisten 1938 in ihrer Heimatstadt Wien einmarschierten. Als Jüdin durfte sie nicht mehr zur Schule, die Familie verlor mit der Arisierung des eigenen Café-Hauses die Lebensgrundlage und floh zu Verwandten in die damalige Tschechoslowakei. 1943 erfolgte die Deportation ins Ghetto Theresienstadt. 1944 ging es mit anderen Kindern nach Auschwitz, und eine Woche später gelangte Kinsky mit 200 Mädchen und jungen Frauen ins Auto Union KZ Oederan. Unter ständigem starken Hunger und unwürdigen Lebensbedingungen arbeitete sie im Alter von 14 Jahren etwa sieben Monate in einer Munitionsfabrik, bis sie im April 1945 befreit wurde. Helga Kinsky mahnte die Anwesenden: „Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der jüngsten Zeit geben Anlass zur Sorge. Ich kann nur warnen. Ausgrenzung, Hass und das Leugnen der Geschichte nehmen wieder zu. Aber es geht nicht mehr um meine Zukunft.“

Die Auto Union AG Chemnitz betrieb ab Mitte 1944 sechs eigene Konzentrationslager nahe seiner Fabriken in Zwickau, Chemnitz/Hohenstein-Ernstthal, Zschopau, Willischthal, Oederan und Leitmeritz. Zwei Interviews wurden Audi Tradition mit Unterstützung der KZ Gedenkstätte Flossenbürg und der Familie des ehemaligen Leiters der jüdischen Kultusgemeinde Regensburg, Otto Schwerdt, zur Verfügung gestellt. Otto Schwerdt war im Lager Leitmeritz, Vinko Grzetic´ aus Kroatien im Lager Zwickau. Fünf Gespräche führte Audi Tradition: Als Fremdarbeiter verbrachte Henri Bertrand (Frankreich) knapp drei Jahre im Horch-Werk Zwickau, Alessandro Casagrande über eineinhalb Jahre als italienischer Kriegsgefangener im DKW-Werk Berlin-Spandau. Hana Malka und Hana Drori aus Israel sowie Helga Kinsky aus Österreich arbeiteten als KZ-Häftlinge im Lager Oederan.

Projekt „Nie wieder“

17.300 Zwangsarbeiter und 3.700 Konzentrationslager-Häftlinge mussten während des Zweiten Weltkriegs für das Audi-Vorgängerunternehmen Auto Union AG arbeiten – 45 Prozent der damaligen Belegschaft. „Wir müssen alles dafür tun, damit so etwas nie vergessen wird und nie wieder geschehen kann. Wir wollen dafür handeln““, sagte Wendelin Göbel, Vorstand Personal der AUDI AG, bei der Eröffnung. Göbel wies auf die verschiedenen Aktivitäten des Unternehmens hin, die sich in dem Projekt „Nie wieder“ bündeln. Audi unterstützt die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg finanziell. Ein jährlich mehrmals durchgeführter dreitägiger Workshop führt Audi-Auszubildende nach Flossenbürg und zum Unternehmens-Gründungsort Zwickau, einem der insgesamt sechs Konzentrationslager der Auto Union. Darüber hinaus sucht Audi Tradition Zeitzeugen für Interviews, um deren Erinnerungen für die Zukunft festzuhalten.

In einem Grußwort würdigte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, die Aufarbeitungsarbeit der AUDI AG: „Die Zusammenarbeit zwischen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und der AUDI AG ist inhaltlich, strategisch und perspektivisch vorbildlich. Wir arbeiten seit einigen Jahren mit unterschiedlichsten Gruppen aus dem Unternehmen zur eigenen Firmengeschichte im Nationalsozialismus. Dabei ist die Einbeziehung von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Daher freuen wir uns außerordentlich, dass es nun auch in Ingolstadt eine Medienstation mit diesen Erinnerungen gibt.“

Quelle: UD/cp
 

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